Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ju
Am Tiefpunkt - die Selbstheirat!
08.06.2017 10:43

Gerade las ich einen Artikel über einen neueren Trend in den USA: die Selbstheirat. 
Ich hielt das erst für einen Scherz, als ich aber den ganzen Text gelesen hatte, war mir flau im Magen.
Offenbar unterliegen vor allem junge Frauen (Männer offenbar nicht) in den USA dem Druck von Freunden und Familie, bis zu einem bestimmen Alter bittschön verheiratet zu sein. Ist frau mit Mitte 30 noch nicht unter der Haube, kommt sie in Rechtfertigungsnot.
Auch in Großbritannien scheint dies weit verbreitet zu sein. Daher gehen wohl gar nicht so wenige Frauen den Schritt, eine ganz besondere Hochzeit zu feiern, nämlich eine Hochzeit, bei der sie sich selbst das Ja-Wort geben. Denn daß sie selbst die Person sind, die sie am meisten lieben und sicher bis ans Ende ihrer Tage lieben werden, dessen können sie sich ja sicher sein.
Damit schlagen sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: 1) Sie werden endlich, endlich nicht mehr gefragt, wann sie denn nun heiraten. 2) Sie erleben endlich nun auch ihren eigenen Prinzessin-für-einen-Tag-Tag. 3) Sie feiern ein Fest, bei dem sie all ihre Freunde und die Familie um sich haben. 4) Sie befreien sich von dem Druck, immer weiter nach einem Partner suchen zu müssen.
Ich darf über diesen Trend nicht wirklich näher nachdenken, denn mir wird ganz anders, wenn ich mir vor Augen halte, was so ein Fest für die betreffende Frau wirklich bedeutet.
Ich frage Sie nämlich: Kann man sich seine eigene Einsamkeit noch schmerzhafter in die Wunde reiben, die eben jene gerissen hat? Wie tief muß das Gefühl sitzen, nicht gut genug für einen Partner zu sein, wenn man einen so drastischen Schritt geht? Wie groß muß der Druck sein, den Freunde und Familie da ausüben, wenn man ihn mit einem „Laßt mich in Ruhe, ob ich heirate oder nicht, geht euch nichts an!“ nicht loswerden kann? Wie sehr muß eine Frau daran zweifeln, ob sie für ihre angeblichen Freunde ohne Partner überhaupt etwas wert ist, wenn sie glaubt, mit einer Selbsthochzeit aller Welt und sich selbst äußerst plakativ beweisen zu müssen, daß sie mit sich allein völlig zufrieden ist? Und wie echt sind ihre Freundschaften, wenn sie glaubt, ihre Freunde nur mit einem solch großen Fest zu sich locken zu können?
Alles, was mir dazu einfällt, verstärkt meinen Brechreiz, einen der Sorte, die ich immer verspüre, wenn mich etwas extrem beelendet.
Gottlob habe ich von Selbsthochzeiten in Deutschland noch nie gehört. Und ich hoffe, daß unsere Gesellschaft niemals jemanden in ein solches „Fest“ treiben wird. Ein Singledasein ist bei uns ja gottseidank etwas völlig Alltägliches und nicht weiter Bemerkenswertes – hoffen wir, daß wir einander weiterhin so leben lassen, wie jede(r) Einzelne das will!
 

Ein Hund im Bett? Niemals!

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