Frau Schletterer singt nicht mehr

01
Ju
Ein Mal mit Profis arbeiten...!!
01.06.2017 12:39

Heute erhielt ich für den Zugriff auf die elektronische Ausgabe einer Zeitung per Email meine Zugangsdaten zugestellt.
Die Daten enthielten, wie mittlerweile allgemein üblich, ein per Zufallsgenerator erzeugtes, sehr kryptisches Passwort, das sich niemand wirklich merken kann. Daher nahm ich sofort die Änderung dieses Passworts auf eine von mir selbst gewählte Zeichenfolge in Angriff.
Nun kann ich von mir behaupten, schon in sehr vielen Systemen sehr oft meine Passwörter geändert zu haben. Ich habe damit also reichlich Erfahrung.
Was sich diese Zeitung allerdings ausgedacht hat, um dem Nutzer eine solche Änderung so schwer wie nur möglich zu machen, ist wirklich bewundernswert.
Ich beschreibe Ihnen das mal „kurz“:
Meine Zugangskennung ist grundsätzlich ein numerischer Wert, es handelt sich schlicht um meine Abo-Nummer. Mit dieser Kennung und besagtem Passwort meldete ich mich also an und rief den Dialog zur Änderung der Anmeldedaten auf. Dieses schaffte ich ohne jede Hilfe, wie das wohl die meisten geschafft hätten, da hier jedem die Erfahrungen zugute kommen, die der, der zumindest eine Email-Adresse sein Eigen nennt, auf jeden Fall hat.
Auf Anhieb fand ich auch die Felder zur Änderung meines Passwortes. Ich gab also das alte ein, legte ein neues fest und bestätigte dies in einem weiteren Feld. Daten abschicken!
Fehlerhinweis: bitte geben Sie Ihre Email-Adresse für diese Änderung an! Gesagt, getan! Aber ach: der nächste Hinweis ließ nicht lange auf sich warten! Nun sollte ich auch noch eine neue Email-Adresse angeben, obwohl ich die aktuelle ja gar nicht ändern wollte! Tat ich also auch dies.
Und was geschah? Mir wurde gesagt, meine aktuelle Email-Adresse stimme nicht. Obwohl ich an eben jene ja meine Anmeldaten zugestellt bekommen hatte.
Im weiteren Nachdenken und fassungslosen Starren auf den Bildschirm fiel mir dann auf, daß meine aktuelle Email-Adresse in dem Bereich, in dem mir meine aktuellen Daten angezeigt wurden, gar nicht erwähnt wurde, sondern nur meine Zugangskennung, die ja ein numerischer Wert war und daher natürlich nicht als gültiger Wert in das Feld „Email-Adresse“ eingegeben werden konnte.
Ratlos, wie mich der Versuch, ein Passwort zu ändern, noch nie vorher zurückgelassen hatte, rief ich die Kundenhotline an. Überraschung: die konnte mir auch nicht auf Anhieb weiterhelfen!
Nach einiger Recherche dieser Hotline stellte sich dann heraus, daß folgendermaßen vorgegangen werden mußte:
Zunächst Eingabe einer neuen Email-Adresse, obwohl eine aktuelle gar nicht hinterlegt war. (Das Feld für die aktuelle Email-Adresse war also leer zu lassen!) Diese war in einem separaten Feld zu wiederholen und mit dem bisherigen Passwort zu bestätigen. Anschließend Abruf der Bestätigungsmail im Email-Account und Betätigen des dort befindlichen Bestätigungslinks.
Hernach Wiedereinstieg in den Änderungsdialog für die Anmeldedaten bei der Zeitung und Angabe des alten, des gewünschten neuen Passwortes und Bestätigung desselben. Anschließend wieder der Abruf der Bestätigungsmail und Betätigen des dort befindlichen Bestätigungslinks.
Ich frage Sie: Geht’s noch komplizierter??

Und dies alles wäre nicht notwendig gewesen, wenn die bei der Benutzerverwaltung einfach sofort in den Anmeldedaten die Email-Adressen ihrer Kunden hinterlegen würden, die sie ohnehin zur Zustellung der Zugangsdaten verwenden.

Einer ordentlichen QS wurde der Gesamtprozeß auf jeden Fall nie unterzogen, von der miserablen Usability ganz zu schweigen! Wenn wir als IT-Dienstleister derart lausige Hinweistexte in unseren Prozessen ausgeben würden, würden uns das unsere Kunden mit Effet um die Ohren hauen.

Gottlob funktioniert jetzt aber wenigstens das Lesen der Zeitung reibungslos!
 

Ach, du dummer Deutscher!

Kommentare


powered by Beepworld