Frau Schletterer singt nicht mehr



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Ich erwähnte, glaube ich, vor kurzem schon mal, daß ich seit einiger Zeit einen Blog verfolge, in dem eine junge Frau vom Leben mit ihrem Hund erzählt.
Heute nun las ich ihren Artikel über ihre Erfahrungen, die sie mit Tierkommunikation gemacht hat. Sie gab zu diesem Zwecke einer Frau, die sich auf sowas spezialisiert hat, ein Foto von ihrem Hund, seinen Namen und sein Alter.
Allein aufgrund dieses Fotos meinte die Dame Antworten von diesem Hund auf Fragen zu erhalten, die die Hundebesitzerin ihr geschickt hatte. Und diese Hundebesitzerin war durchaus sehr skeptisch, ob das gelingen kann.
Grundsätzlich glaube ich schon, daß es Menschen gibt, die die „Sprache“ eines Tieres zu verstehen vermögen. Allerdings ging ich bisher immer davon aus, daß dies nur im direkten „Zwiegespräch“, also live, Auge in Auge sozusagen, möglich sein kann. Allein mithilfe eines Fotos Kontakt zu einem Tier aufzunehmen, klingt für mich schon sehr nach Hokuspokus.
Die Fragen, die die Hundebesitzerin an ihren Hund gerichtet hat, und die Antworten, die ihr Hund angeblich darauf gegeben hat, habe ich mir natürlich angeschaut.
Es ist selbstverständlich überhaupt nicht nachweisbar, ob der Hund wirklich so fühlt und denkt, wie die „Hundeflüsterin“ behauptet, es von ihm mitgeteilt bekommen zu haben. Aber in einer Antwort erwähnte der Hund sein Bettchen, und dass es braun sei mit einem roten Etwas darin. Und genau aufgrund dieses Details war seine Besitzerin auf einmal davon überzeugt, daß da doch so etwas wie eine Kommunikation stattgefunden haben muß, da sie noch nie vorher irgendwo dieses Bett erwähnt oder gar beschrieben hatte. Der Hund hatte es erst seit drei Wochen, und kein Außenstehender hatte bisher davon gewußt.
Nun, ganz unabhängig davon, ob das nun alles Humbug ist oder nicht, würde ich auch sehr gern mal wissen, wie unser Hund sich bei uns fühlt, ob es ihm gut geht, was er vorher erlebt hat, und warum er immer so schrecklich bellt, wenn wir im Auto losfahren oder er angeleint auf einen anderen Hund trifft. Manches davon können wir vielleicht aus seinem Verhalten ablesen, aber über seine Vergangenheit und seine Beweggründe für ein bestimmtes Verhalten können wir nur spekulieren.
Ich sollte diese Frau, die mit Tieren kommunizieren kann, vielleicht auch mal kontaktieren und ganz konkrete Fragen an meinen Hund richten, deren korrekte Antworten man nicht ergoogeln kann, da ich über den Alltag mit unserem Hund ja im Internet nie erzähle. Dann könnte ich mir ein eigenes Bild davon machen, ob ich so etwas für seriös halte oder nicht.
Aber – will ich wirklich hören, was mein Hund mir zu sagen hat? Am Ende erfahre ich vielleicht noch, daß wir doch keine so großartigen Frauchen sind, wie wir immer glauben…
 

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Anläßlich des Internationalen Linkshändertages habe ich letzte Woche im Internet ein Wissens-Quiz zum Thema „Was wissen Sie über Linkshänder?“ absolviert.
Ich fühlte mich dafür optimal qualifiziert, da ich selbst dieser Minderheit der Linkshänder angehöre. Ich konnte da eigentlich nicht scheitern, zumal ich auch vor Fragenkatalogen wie „Was wissen Sie über deutsche Binnengewässer?“ nicht zurückschrecke, obwohl ich nicht die geringste Ahnung vom Thema habe. Nur Fragen zu Astronomie oder Mineralogie langweilen mich zu Tode; alles andere gehe ich jedoch mit großem Eifer an.
Die Fragen zur Linkshändigkeit rankten sich zunächst um rein Biologisches (Hirnhälften und so…), um dann zu münden in die Überlegung „Unter welchen der folgenden Berufe ist der Anteil der Linkshänder auffallend hoch?“ Die Antwortmöglichkeiten waren: a) Ingenieure und Ärzte, b) Tischler und Fliesenleger, c) Sportler und Musiker.
Da wir Linkshänder uns im allgemeinen ja gern für besonders intelligent und vor allem musisch-künstlerisch begabt halten, kreuzte ich natürlich voller Selbstbewußtsein Antwort c) an!
Aber ach! Ich lag falsch! Tatsächlich war Antwort b) die richtige.
Eigentlich war das ja zu erwarten, da sie so unwahrscheinlich klang, daß sie schon wieder die wahrscheinlichste hatte sein müssen.
Ich dachte dann allerdings kurz nach und kam zu dem Schluß, daß sie sooo unwahrscheinlich doch gar nicht war. Denn Tischler und Fliesenleger, das waren ja schließlich Berufe, für deren Ausübung eine gewisse Neigung zu Schönem durchaus wichtig war! Waren es nicht genau diese Handwerksberufe, die quasi aus dem Nichts etwas Ästhetisches schufen? Tischler und Fliesenleger – wenn die etwas taugten, dann entstand immer etwas Harmonisches, Schönes, Fertiges, Berührendes! Ganz anders etwa als beim Kanaltechniker oder Müllwerker. Auch wichtige und gute Berufe, aber eben nicht schöpfend, kreierend. Also nix für Linkshänder.
Doch wieso waren dann Goldschmiede und Schneider nicht unter linkshändiger Regie?
Und wieso hatte ich selbst nie den inneren Drang verspürt, Fliesenlegerin zu werden?
Nun, daß ich auch keine Urologin geworden bin, liegt aber sicher einzig und allein daran, daß ich keine Rechtshänderin bin. Denn bei den Urologen findet man laut dem Artikel über die dem Quiz zu Grunde liegende Studie die wenigsten Linkshänder ever.
Ich frage mich nun, wie groß der Anteil der Linkshänder unter jenen ist, die solche befremdlichen Studien anfertigen…
 

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Was haben Indien und das Saarland gemeinsam?
Die Größe kann es nicht sein, denn Indien hat 1,3 Milliarden Einwohner, das Saarland dagegen nur knapp unter einer Million. Und dieser eklatante Unterschied liegt nicht nur daran, daß in Indien die Leute dichter beieinander leben. Da muß Indien schon den ein oder anderen Quadratmeter „Wohnfläche“ mehr aufbieten.
Es ist, ich will es nicht unnötig spannend machen, der Feiertag am 15. August.
Der 15. August ist im katholischen Saarland anläßlich Mariä Himmelfahrt ein Feiertag, womit sich das kleinste Flächenbundesland noch katholischer geriert als Bayern.
Und hiermit endet dann auch schon die Gemeinsamkeit mit Indien, denn dort ist der 15. August der Nationalfeiertag, nämlich der Unabhängigkeitstag. Einen solchen kann das Saarland nun wahrlich nicht feiern, denn wovon sollte sich das Bundesländchen wohl unabhängig machen wollen?
Bayern sagt man ja immer wieder nach, sich von der Bundesrepublik Deutschland lösen zu wollen; vergleichbare Bestrebungen im Saarland wären hingegen völlig undenkbar! Wobei wohl allein mit der Regierungsbildung, der Besetzung aller administrativen Posten in Ämtern und Ministerien und der militärischen Stellen der dann ja neu zu schaffenden Saarlandwehr schon Vollbeschäftigung erreicht werden könnte. Damit wäre dann auch die wirtschaftliche Lage des Zwergenstaates schlagartig eine bessere. Denn wo Vollbeschäftigung herrscht, sind die Läden voller Kunden!
Und schon einmal hat das Saarland seine Bürger zur Abstimmung darüber geladen, zu welcher Nation sie sich und ihre Region zugehörig fühlen. So gesehen sind die Saarländer ein aktives Mitwirken bei der Lenkung ihrer höchstpersönlichen Geschicke schon gewohnt. Und damit vielleicht von allen Deutschen doch am ehesten qualifiziert, einen unabhängigen Staat zu gründen.
Aber bitte nicht am 15. August, do wärd nix gschafft, denn da ist Feiertag!
 

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Ich habe ja vor ein paar Tagen von unserem Abenteuer „Einkauf eines Sonnenschirms“ berichtet.
Alles, was bisher geschah, hat eigentlich schon das Zeug zur Story in einem Unterhaltungsfamilienroman für literarisch Anspruchslose.
Jetzt kommt aber noch hinzu, was bei der Jagd auf einen Ersatz für unsere selbst verbaselte Kurbel zum Öffnen des Schirms herauskam.
Als ersten Ansatz haben wir nämlich kurzerhand den Händler angeschrieben, ob der nicht vielleicht doch einfach mal in der Schachtel nachsehen könne, ob dort die überzählige Kurbel zu finden sei und uns sodann zugeschickt werden könne.
Auf Nachhaken bekamen wir dann die (angesichts des bisherigen Verlaufs vielleicht gar nicht so sehr überraschende) Antwort, es seien in den letzten Tagen leider die relevanten Lagerhallen abgebrannt und damit auch unsere Kurbel ein Opfer des Feuers geworden. Man könne uns da leider nicht mehr weiterhelfen.
Ich frage Sie: geht’s noch unrealistischer? Es heißt ja immer: die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Diese Geschichte aber, die würde einem doch niemand abnehmen, wenn man sie in einen Film oder ein Buch verpacken würde. Da würde doch jeder sich die Haare raufen und das Ganze als völlig überzogen und wenig überzeugend verreißen.
Ich schwöre jedoch beim Barte meines Hundes, daß sich wirklich alles genau so zugetragen hat, wie ich das hier ausgeführt habe!
Jetzt hoffe ich nur, daß unser zweiter Ansatz, die Kurbel nämlich beim Schirmhersteller als Ersatzteil nachzubestellen, zu einem erfolgreichen Ende führen wird.
 

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Unsere neue Terrasse ist fertig! Schon seit drei Wochen, um genau zu sein, aber dieser Tage erst haben wir sie eingeweiht.
Denn jetzt erst ist auch der große Sonnenschirm montiert, den wir neu gekauft haben. Das heißt: einfach so gekauft im Sinne von „in den Wagen packen, bezahlen und mit heim nehmen“ haben wir ihn dann doch nicht.
Bis der da war, gab es einige Hürden zu meistern!
Folgendes trug sich nämlich zu:
Da es sich bei unserem Neuerwerb um einen Ampelschirm mit einer Fläche von 3x3 m handelt, haben wir ihn nicht selbst transportiert, sondern ließen ihn über eine Spedition liefern. Das hat erst mal reibungslos funktioniert.
Am Tag vor unserem Urlaub gingen wir an die Montage des Schirms. Und als er schon fix und fertig da stand, stellten wir fest, daß er im Stoff zwei kleine Risse und einen pinkfarbenen Fleck von etlichen Zentimetern Durchmesser hatte.
Wir also den Schirm wieder aus dem Ständer genommen und beim Händler per Email reklamiert. Wir baten um Lieferung eines neuen Schirmes und um gleichzeitige Abholung des mangelhaften Exemplars.
Eine Antwort kam ein, zwei Tage später. Man fragte uns, ob wir den Schirm nicht doch behalten wollten, wenn man uns einen Preisnachlaß von 20 Euro gewähre. Das Angebot war eine Frechheit, wenn ich das mal so deutlich sagen darf! Bei einem Produkt, das an die 400 Euro gekostet hat und Defekte aufweist, die sich beim ersten Windstoß schon verschlimmern würden, einen so lächerlich geringen Preisnachlaß überhaupt anzubieten, war natürlich völlig indiskutabel. Wir lehnten das „großzügige" Angebot also dankend ab und baten weiterhin um Lieferung eines neuen Schirms.
Wenige Tage später fragte dieselbe Sachbearbeiterin an, ob denn ein Preisnachlaß generell nicht in Frage komme – es war so offensichtlich, daß die Dame sich langsam an den Betrag heranpirschen wollte, mit dem sie sich unseren Verzicht auf eine weitere Bearbeitung der Reklamation „erkaufen“ konnte. Wir lehnten wiederum ab, denn wir wollten keinen billigen, kaputten, sondern einen intakten Sonnenschirm im Garten stehen haben.
Also bekamen wir wieder ein paar Tage später von einer Kollegin unserer so nachlaßfreudigen Sachbearbeiterin die Bestätigung, daß wir selbstverständlich eine Neulieferung erhalten würden und sogar einen Termin festlegen könnten, an dem wir sie entgegennehmen wollten.
Recht erfreut nannten wir einen Termin an einem Vormittag in der Woche nach unserer Urlaubsreise, der uns auch umgehend bestätigt wurde.
Am Tag vor dem vereinbarten Termin fanden wir jedoch eine Mitteilung im Briefkasten vor, man habe gestern versucht, uns ein Paket zuzustellen, nur leider seien wir nicht da gewesen.
Spätestens da bekam ich langsam Puls! Wieso vereinbarten wir denn einen Termin, wenn die Lieferung dann zwei Tage vorher schon gebracht wurde?
Meine Emotionen nur notdürftig im Zaum haltend, rief ich beim Zustelldienst an und wurde umgehend zur beauftragten Spedition durchgestellt. Die prüfte die Sache und bestätigte mir, daß sie sich nicht erklären konnte, wieso eine Zustellung schon gestern versucht worden war, wo wir doch erst für morgen im Terminkalender stünden. Nein, nein, die Sache werde natürlich wie vereinbart laufen – nur von einer Auslieferung am Vormittag wüßten sie jetzt doch eher nichts. Man könne uns nicht garantieren, daß wir nicht vielleicht doch bis in den Nachmittag hinein warten müßten.
Zähneknirschend stimmten wir zu, die genaue Uhrzeit am nächsten Morgen nochmals zu erfragen.
Die Lieferung kam dann auch – pünktlich kurz nach 12. Uff! Der alte Schirm wurde der Spedition mitgegeben, der neue Schirm aus der Packung genommen und bei uns im Flur deponiert. Ständer, Schrauben usw. wurden nicht ausgetauscht.

Am selben Abend noch stellten wir voller Vorfreude unseren neuen Superschirm auf!
Als das geschafft war (was gar nicht so einfach war, da das Ding über 3 Meter hoch ist!), hielt ich E. die Hand hin und bat um die Kurbel, damit ich den Schirm mal öffnen konnte.

Tja, die Kurbel aber… die lag in dem Paket, das der Spediteur wieder mitgenommen hatte.

In diesem Moment hätten wir, glaube ich, beide k…. können!
Glücklicherweise gelang es mir, im nahe gelegenen Baumarkt irgendeinen Metallhaken zu ergattern, der zufällig von Maßen und Material her als provisorische Kurbel genutzt werden kann. Aber die Jagd auf eine tatsächlich passende Kurbel steht uns noch bevor…
 

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06
Jul
Die Berme

Heute schlug ich in einem Online-Wörterbuch eine englische Vokabel nach, für die dort unglaublich viele deutsche Bedeutungsmöglichkeiten hinterlegt sind.
Unter anderem kann das Wort auf deutsch auch „die Berme“ bedeuten.
Ich stutzte und schaute nochmal genauer hin. Doch! „Die Berme“ stand in der Spalte „Deutsch“, es mußte sich also tatsächlich um ein deutsches Wort handeln.
Nun ist mir ja bekannt, daß selbst ein Muttersprachler unmöglich alle Wörter seiner Sprache kennen kann. Das durchschnittliche Vokabular eines deutschen Muttersprachlers umfaßt m. W. nur ein Achtel der tatsächlich exisitierenden Wörter. Das ist erschreckend wenig. Wenn man aber bedenkt, daß man damit doch recht gut durchs Leben kommt, kann es ja im Grunde nicht zu wenig sein.
Es passiert mir natürlich durchaus hin und wieder, daß ich über ein Wort stolpere, das ich nicht kenne. Es war heute nicht das erste Mal. Gerade wenn es sich um einen Fachterminus handelt, darf einem ein Wort auch mal fremd sein.
Aber als ich dann nachschlug, was eine Berme denn ist, staunte ich nicht schlecht. Denn niemals wäre ich auf die Idee gekommen, daß es hierfür einen eigenen Begriff gibt.
Abgebildet bei Wikipedia (was in solchen Fällen immer meine erste Anlaufstelle ist) sah ich eine Böschung, an der auf halber Höhe ein Fußweg entlangführt. Und den Absatz, diese Stufe im Hang, die durch diesen Weg entsteht, denn nennt man „Berme“. Sie dient der Stabilisierung eines eher steilen Abhangs. Gesehen habe ich sowas schon x-mal! Aber daß es einen Fachbegriff dafür gibt, hätte ich, wie gesagt, nie vermutet; und auch nicht, daß es einen praktischen Grund für solch eine Berme geben könnte, außer daß dadurch eben so etwas wie ein Weg entsteht.
Hätte der Damm, den wir in Kindertagen winters immer mit dem Schlitten hinabsausten, auch eine Berme gehabt, dann hätten wir sicherlich hübsch schwungvoll abgehoben und wären noch häufiger im Fluß gelandet, als es ohnehin schon passiert ist. Das wäre dann sicherlich oft Gesprächsthema geworden, und so hätte ich vielleicht auch damals schon das richtige Wort dafür gelernt.
 

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Momentan lassen wir in unserem Gärtchen eine Terrasse bauen. Besser gesagt, das Gärtchen ist so winzig, daß nahezu die komplette Fläche zur Terrasse wird. Die wird allerdings für eine Terrasse dann recht groß sein.
Wir haben uns natürlich für diese Maßnahme vorab Angebote eingeholt. (Lustigerweise sind die Inhaber beider Firmen, bei denen wir angefragt haben, türkischer Abstammung. Mir scheint, Garten- und Terrassenbau ist eine „türkische Spezialität“, so wie fast alle Änderungsschneidereien in unserer Gegend von Russen geführt werden. Dort hat das Schneiderhandwerk offenbar noch Zulauf und echte Tradition.)
Die Herren der beiden Gartenbaufirmen kamen also zu uns, besahen sich den Garten und hörten sich an, was wir uns wünschten.
Der erste machte seine Anmerkungen, riet uns hier und da zu diesem und jenem, erklärte uns, wieso, und er schickte uns sein detailliertes Angebot innerhalb von drei Tagen zu.
Der zweite hörte uns nur zu, nickte zu allem, notierte es sich und brauchte dann drei Wochen, um uns ein Angebot für eine Ausführung zu schicken, die an mehreren Punkten nicht dem entsprach, was wir uns vorstellten. Dafür war er aber fast 40% billiger.
Wir überlegten nicht lange, d. h. wir wußten im Grunde schon, bevor wir das zweite Angebot auf dem Tisch liegen hatten, welche Firma wir beauftragen würden. Allein aufgrund des Auftretens der beiden Firmeninhaber.
Wenige Tage, nachdem wir der Firma unserer Wahl den Auftrag erteilt hatten, meldete sich der Inhaber der anderen Firma bei uns, um nachzufragen, ob wir uns denn schon mit seinem Angebot beschäftigt hätten. Das lag da gerade mal vier Tage bei uns auf dem Tisch. (Zur Erinnerung: er hatte drei Wochen zur Erstellung gebraucht!) Als wir ihm mitteilten, daß wir uns für ein anderes Angebot entschieden hatten, das zudem auch noch teurer war als seines, staunte er nicht schlecht.
Damit hatte er nicht gerechnet, daß es auch Interessenten geben könnte, die nicht nur „Hauptsache billig!“ haben, sondern auch eine hochwertige Ausführung bekommen wollen!
Die Arbeiten haben gestern begonnen, und was ich abends sah, als ich in den Garten schaute, stimmt mich sehr optimistisch, daß nach getaner Arbeit alles genau so aussehen wird, wie wir uns das wünschen.
Der 3x3m-Ampel-Sonnenschirm, den wir mit der Spedition gebracht bekamen, weil er nicht in unser Auto gepaßt hatte, liegt auf jeden Fall zur Montage schon bereit.
 

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Wie bitte? Koalas töten für den Wahlsieg?
Seit wann halten Koalas Wahlen ab? Und wieso töten sie sogar, um die Wahlen zu gewinnen? Und wen?

Nach dieser erschütternden Headline las ich dann doch den ganzen Artikel. Und siehe da: es ging nicht etwa darum, daß irgendjemandes Leben durch Koala-Hand ein Ende gefunden hatte, sondern um eine Zeit im frühen 20. Jahrhundert, in der die damalige Regierung Australiens die Jagd auf Koalas, die in Jahren zuvor verboten worden war, wieder freigegeben hatte, um die Wähler für sich einzunehmen und so die anstehenden Wahlen zu gewinnen.
Die Überschrift dieses Artikels wäre ein gefundenes Fressen für die Facebook-Gruppe „Da kotzt das Texterherz!“ Daß niemandem aufgefallen ist, wie lächerlich sich die Zeile liest, ist für mich ein Phänomen!
Aber auch unabhängig von der Doppeldeutigkeit dieser Headline ist sie auch in ihrer puren Eigenschaft als Headline eine Katastrophe. Der eigentliche Artikel ist ein ganz normaler Artikel, der sich mit der über die Jahrhunderte andauernden Bedrohung dieser Tiere durch den Menschen befaßt. Und unter anderem wird da eben auch diese Zeit erwähnt, in der die Koalas zur Jagd freigegeben waren. Doch selbst wenn man sofort erkennen sollte, daß die Koalas in dieser Wortfolge das Objekt und nicht das Subjekt sind, so sagt sie doch eher aus, daß die Verantwortlichen selbst zur Tötung geschritten sind und nicht etwa anderen „nur“ die Erlaubnis dazu erteilten.
Im weiteren Verlauf wird schließlich klar, daß „Koalas töten für den Wahlsieg“ ganz offensichtlich nicht die originäre Artikelüberschrift ist, denn die erscheint später und lautet viel passender „Die traurige Geschichte der Koalas in Australien“.
„Koalas töten für den Wahlsieg“ – das ist das, was die für die Gestaltung des eher für untere bis mittlere Bildungsschichten gedachten Portals Verantwortlichen in ihrem Teaser zum Artikel daraus gemacht haben. Und offenbar erreichen sie damit ja auch, was sie erreichen wollen. Denn auch ich habe ja den Text genau deswegen überhaupt aufgerufen.
 

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Gerade passiert hier das, was morgen in der Zeitung stehen wird: walnußgroße Hagelkörner demolieren unsere Autos, Blitze suchen nach Zielen, in die sie einschlagen können, und der Wind tut alles dafür, daß zum Hagel auch noch die dicken Äste der Platanen, die auf unserem Parkplatz stehen, auf die geparkten Fahrzeuge niedergehen!
Offenbar befindet sich die Stadt gerade im Zentrum eines veritablen Unwetters.
70 km weiter östlich von hier steht ein großes Paket vor unserer Haustür. Daran darf ich gar nicht denken, daß das Gewitter in Bälde auch dort sein Unwesen treiben wird. Wegfliegen wird das Paket zwar wahrscheinlich nicht gerade, aber wenn es auch dort so heftig regnen wird wie hier, müssen wir vor dem Hineintragen erst mal einige Liter Wasser aus dem Karton ablassen. ….der allerdings dann wenigstens schon offen sein wird, denn solche Regenmassen verkraftet auch der haltbarste Kleber nicht.
Normalerweise habe ich keine Angst vor Gewittern. Aber was sich gerade vor meinem Fenster abspielt, hätte Alfred Hitchcock wahrscheinlich in Entzücken versetzt. Wenn die Apokalypse einst kommen wird, kann sie sich heute schon hier für ihren Auftritt einige Anregungen holen; eindrucksvoller kann man das mit dem Verdunkeln des Himmels und dem Heranbrausen wahrhaft himmlischer Kräfte wirklich nicht inszenieren!
Gerade kommt die Sonne übrigens wieder so weit heraus, daß man erkennen kann, daß es erst kurz nach Mittag ist. Aber Blitz und Donner halten uns immer noch in Atem.
Und die Feuerwehr ist auch schon im Großeinsatz…
 

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Gerade las ich einen Artikel, in dem der Autor von seiner Begegnung mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl erzählt, als er (also der Autor) 1989 auf Klassenfahrt in Bonn war. Ganz genau kann er sich noch daran erinnern, was Herr Kohl damals zur Klasse sagte, als sie alle bei ihm im Büro standen und nicht wußten, was sie den hohen Herrn fragen sollten.
Meine Begegnungen mit Berühmtheiten beschränken sich darauf, keine Begegnungen gewesen zu sein. Einmal saß ich mit Justus Franz im selben Flugzeug (und wußte gar nicht so recht, wer das ist); einmal sah ich Alice Schwarzer irgendwo auf dem Gemüsemarkt in der Altstadt von Bozen, und wieder ein anderes Mal sah ich Leslie Malton vom weitem, als ich als Statistin in einem Mehrteiler, in dem sie eine der Hauptrollen spielte, auf der Straße stand und fror (ich berichtete…).
Man hört ja hin und wieder, daß berühmte Leute - meist Schauspieler, Entertainer oder kurz vor Wahlterminen auch gern mal Politiker - sich zur Verfügung stellen für „einen Nachmittag mit Ihrem Star“. Das heißt: irgendjemand gewinnt dabei ein kurzes Treffen mit z. B. einem/einer Schauspieler(in), und man bekommt suggeriert, „seinen Star“ bei dieser Gelegenheit ganz persönlich kennenlernen zu können.
Ich bin ja mittlerweile dafür bekannt, die Welt für bekloppt zu halten, und solche Aktionen sind einer der Gründe für meine Haltung. Glaubt wirklich jemand allen Ernstes, bei solch einem Treffen eine wildfremde Person, die es dazu noch gewohnt ist, sich zu präsentieren, sich bei Bedarf dafür zu verstellen und im Auftreten ihrem Image immer treu zu bleiben, tatsächlich auch nur ansatzweise kennenlernen zu können? Und kann sich wirklich jemand vorstellen, daß eine Berühmtheit an einem Stelldichein mit Lieschen Müller aus Delmenhorst Interesse oder gar Spaß hat?
Nein, danke! Auf solche Aktionen kann ich gern verzichten! Und das heißt nicht, daß es nicht vielleicht doch berühmte oder wenigstens bekannte Leute gibt, die ich gern mal als Privatpersonen erleben wollen würde. Aber das wäre ja ganz was Anderes! Dafür müßte man der/dem Betreffenden inkognito begegnen oder „Mäuschen spielen“ können.
Nur: glauben Sie, es wäre z. B. möglich, Ursula von der Leyen (die – ich betone! – nicht zu den Leuten gehört, die ich je würde kennenlernen wollen!) irgendwo in einem Urlaubshotel zu treffen und sie am hoteleigenen Pool ganz unverkrampft zu fragen, ob sie Ihnen mal den Rücken eincremt?
Obwohl… als Ärztin müßte Sie diese Bitte ja gutheißen…
 

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20
Jun
Leinen los!

Für dieses Jahr haben wir zum ersten Mal seit 2008 keinen einzigen Urlaubsaufenthalt in England vorgesehen. Zum Teil liegt das daran, daß ein Hund bei uns eingezogen ist, der Begegnungen mit anderen Hunden immer dann überhaupt nicht mag, wenn er selbst an der Leine bleiben muß. Und das müßte er, wenn wir dort Urlaub machen würden, denn daß er uns im Ausland abhanden kommt, ist eine schreckliche Vorstellung für uns und würden wir nicht riskieren. Und wer schon mal in England war, der weiß, daß Menschen, deren Hände nicht mit mindestens einer Hundeleine „besetzt“ sind, dort auffallen. Fast könnte man meinen, auf jeden Engländer käme auch mindestens ein Hund. Und das wiederum macht einen Gassi-Gang ohne Hundebegegnung schlichtweg unmöglich.
(Deswegen fahren wir diesen Sommer in die Normandie. Das aber nur am Rande.)
Gerade im Moment erlebe ich allerdings – und jetzt komme ich endlich zum Eigentlichen – meinen Englandurlaub-Ersatzmoment. Mein Bürofenster steht offen, und irgendwo da draußen rumort etwas dumpf und dunkel vor sich hin. Wir können nicht sehen, was da dieses Geräusch produziert. Aber es klingt wie der Motor einer Fähre, und ich erwarte jeden Moment, daß sich mein Büro in Bewegung setzt, wendet und den Hafen verläßt. Ich fühle schon den Wind in meinen Haaren und bin darauf vorbereitet, in einer halben Stunde die Klippen von Dover am Horizont zu entdecken, wenn ich aus dem Fenster sehe.
Allerdings fürchte ich, daß mein Büro bleiben wird, wo es ist, und daß ich auch in einer halben Stunde noch in dieselben Platanen glotzen werde wie jetzt. Erst heute abend beim Grillen im Garten werde ich wohl ein wenig echtes Urlaubsgefühl empfinden können.
 

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Haben Sie sich schon einmal mit frisch eingecremter Hand ein Körnchen aus dem Augenwinkel gefischt? Ich mache das regelmäßig! Nicht, weil es mir Spaß macht, oder weil ich so viele Körnchen in meinen Augenwinkeln habe, daß es zum ständigen Zeitvertreib geworden ist!
Nein, wahrscheinlich tu ich es zwar, wie gesagt, regelmäßig, aber natürlich nicht sehr oft am Tage und vor allem völlig unbewußt. Es geschieht so sehr nebenbei, daß ich es gar nicht wahrnehme, während ich es tue. Daß ich es getan habe, das ist es, was ich spüre!
Denn das Erwähnenswerte an der ganzen Sache ist das Attribut „frisch eingecremt“, das aus einem schlichten Ins-Auge-fassen ein echtes Erlebnis macht, das wenige Sekunden nach der Tat beginnt!
Gerade eben hab‘ ich es übrigens wieder getan. Und jetzt sitze ich hier und ärgere mich über die verschleierte Sicht auf den Bildschirm, das unablässige Tränen meiner Augen (seltsamerweise tränen immer beide, obwohl ich in der Regel nur in eines gefaßt habe) und das Gefühl des Ungewaschenseins, das ich immer empfinde, wenn irgendwie versehentlich Handcreme in mein Gesicht gelangt ist.
Dazu kommt, daß ich mich immer schrecklich geniere wegen des idiotischen Blinzelns, das mich dann die nächste Stunde beschäftigt, und das meinen Gesichtsausdruck nicht gerade souverän und intelligent erscheinen läßt. Und weil mich das so nervt, wische ich die Tränen, die das Blinzeln verursachen, auch noch immer wieder aus meinen Augen – mit (Sie ahnen es) besagten frisch eingecremten Händen, was alles natürlich noch schlimmer macht.
Man könnte meinen, eine Frau meines Alters sollte langsam gelernt haben, daß Pflegecremes und Bindehaut keine Freunde sind und besser auf Abstand zueinander bleiben.
Aber es verhält sich da eben genau so wie beim Menschen: will man Freundschaften pflegen, dann muß man eben auch die Freunde dieser Freunde ertragen, die man vielleicht nicht so sehr mag.
 

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Am 19. Dezember letzten Jahres habe ich hier ja einen Beitrag veröffentlicht über Dinge, die die Welt nicht braucht.
Die Liste dieser Dinge, die ich damals aufstellte, ist natürlich bei weitem nicht vollständig. Es gibt da tatsächlich noch so einiges, was ich für absolut entbehrlich halte. Dazu gehören z. B. eine elektrische Käsereibe und Duftsteine für den Mülleimer.
Als ich eben in einem anderen Blog einen Artikel über einen Rasenmäherroboter las, fiel mir auch noch der Staubsaugerroboter ein, den sich meine Mutter allen Ernstes zu ihrem 80sten Geburtstag hatte wünschen wollen! Völlig unnötig finde ich diese Staubsaugerroboter zwar nicht, aber weder bin ich gewillt, meiner Mutter zu einem runden Geburtstag einen Staubsauger zu schenken, noch hielte ich so ein Ding tatsächlich in der Wohnung meiner Eltern für geeignet. Es liegt ein dicker Teppich irgendwo mitten im Wohnzimmer, das ansonsten mit Laminat ausgelegt ist. Der kleine Kerl hätte unterwegs also eine ziemlich hohe Stufe zu meistern, an deren Bewältigung er wahrscheinlich so konsequent scheitern würde, daß der Teppich immer schmutzig bleiben müßte.
In ähnlicher Weise, wie ich die Existenz von Staubsaugerrobotern grundsätzlich in Ordnung finde, halte ich auch einen Rasenmäherroboter nicht für völlig überflüssig. Offenbar können diese Geräte auch durchaus charmant rüberkommen, denn die Autorin des besagten Blog-Artikels schrieb recht liebevoll über den kleinen Kerl. Wie sie ihn bei der Arbeit beobachtete und währenddessen mit ihm plauderte, wie sie ihn, als der Akku leer war, wieder sachte in die Ladestation zurückverbrachte, das alles erzählte sie, als ginge es bei dem Ding um ein Meerschweinchen, das possierlich durch den Garten wuselt.
Irgendwann in ihrem Text erwähnte sie auch, daß der Rasenmäher um die 1000 Euro gekostet habe, und daß sie der Meinung sei, daß er für diesen Preis nicht nur den Rasen mähen, sondern ihr auch noch Kaffee und Kekse servieren müßte, während sie gemütlich auf ihrer Terrasse sitzt.
Ich bin allerdings der Meinung, Kaffee und Kekse müßte der Gärtner ihr bringen, der den kleinen Roboter auf Kosten der Hausbewohner in der Absicht angeschafft hat, dass das Gerät ihm viel von der Arbeit abnimmt, die eigentlich er selbst verrichten sollte.
Aber vielleicht müht er sich ja zwischenzeitlich mit dem Laubbläser ab, weil er an seinem Rechen das Kabel nicht findet.
 

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Gerade las ich einen Artikel über einen neueren Trend in den USA: die Selbstheirat. 
Ich hielt das erst für einen Scherz, als ich aber den ganzen Text gelesen hatte, war mir flau im Magen.
Offenbar unterliegen vor allem junge Frauen (Männer offenbar nicht) in den USA dem Druck von Freunden und Familie, bis zu einem bestimmen Alter bittschön verheiratet zu sein. Ist frau mit Mitte 30 noch nicht unter der Haube, kommt sie in Rechtfertigungsnot.
Auch in Großbritannien scheint dies weit verbreitet zu sein. Daher gehen wohl gar nicht so wenige Frauen den Schritt, eine ganz besondere Hochzeit zu feiern, nämlich eine Hochzeit, bei der sie sich selbst das Ja-Wort geben. Denn daß sie selbst die Person sind, die sie am meisten lieben und sicher bis ans Ende ihrer Tage lieben werden, dessen können sie sich ja sicher sein.
Damit schlagen sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: 1) Sie werden endlich, endlich nicht mehr gefragt, wann sie denn nun heiraten. 2) Sie erleben endlich nun auch ihren eigenen Prinzessin-für-einen-Tag-Tag. 3) Sie feiern ein Fest, bei dem sie all ihre Freunde und die Familie um sich haben. 4) Sie befreien sich von dem Druck, immer weiter nach einem Partner suchen zu müssen.
Ich darf über diesen Trend nicht wirklich näher nachdenken, denn mir wird ganz anders, wenn ich mir vor Augen halte, was so ein Fest für die betreffende Frau wirklich bedeutet.
Ich frage Sie nämlich: Kann man sich seine eigene Einsamkeit noch schmerzhafter in die Wunde reiben, die eben jene gerissen hat? Wie tief muß das Gefühl sitzen, nicht gut genug für einen Partner zu sein, wenn man einen so drastischen Schritt geht? Wie groß muß der Druck sein, den Freunde und Familie da ausüben, wenn man ihn mit einem „Laßt mich in Ruhe, ob ich heirate oder nicht, geht euch nichts an!“ nicht loswerden kann? Wie sehr muß eine Frau daran zweifeln, ob sie für ihre angeblichen Freunde ohne Partner überhaupt etwas wert ist, wenn sie glaubt, mit einer Selbsthochzeit aller Welt und sich selbst äußerst plakativ beweisen zu müssen, daß sie mit sich allein völlig zufrieden ist? Und wie echt sind ihre Freundschaften, wenn sie glaubt, ihre Freunde nur mit einem solch großen Fest zu sich locken zu können?
Alles, was mir dazu einfällt, verstärkt meinen Brechreiz, einen der Sorte, die ich immer verspüre, wenn mich etwas extrem beelendet.
Gottlob habe ich von Selbsthochzeiten in Deutschland noch nie gehört. Und ich hoffe, daß unsere Gesellschaft niemals jemanden in ein solches „Fest“ treiben wird. Ein Singledasein ist bei uns ja gottseidank etwas völlig Alltägliches und nicht weiter Bemerkenswertes – hoffen wir, daß wir einander weiterhin so leben lassen, wie jede(r) Einzelne das will!
 

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Heute morgen las ich in dem Hunde-Blog, den ich seit einiger Zeit verfolge, einen Beitrag, der von den Erlebnissen der Autorin erzählt, die sie regelmäßig „durchleidet“, wenn ihr Hund bei ihr im Bette nächtigt.
Der Artikel ist sehr witzig geschrieben, und ich grinse bei der Vorstellung, wie sie um wenige Zentimeter Platz für sich selbst kämpft, zumal sie das Ganze mit Bildmaterial „belegt“ und man weiß, daß der fragliche Hund eine stattliche Größe hat.
Gleichzeitg schüttelt es mich aber auch bei dem Gedanken, ein so großes Tier neben mir auf der Matratze liegen zu haben. Selbst unseren Rocky, der nur halb so schwer ist wie der Hund dieser jungen Frau, würde ich niemals bei mir im Bett dulden!
Schon seit meiner Kindheit war mir Bewegungsfreiheit in meiner Schlafstätte sehr wichtig! Kuscheltiere hatte ich daher nur wenige bei mir. Die hätten ja nur meine Bemühungen gestört, mich möglichst komfortabel in meine Bettdecke zu wickeln und gut eingemummelt in den Schlaf zu sinken.
Und auch später, als ich dann irgendwann nicht mehr allein im Bett lag, bestand ich auf ein 2x2m-Modell. Schmaler hätte es nicht sein dürfen, sonst hätte ich Atemnot bekommen.
Ich muß mich umdrehen können, ohne fürchten zu müssen, die Person neben mir aus dem Bett zu stoßen. Ich muß meine Bettdecke von A nach B werfen können, ohne Gefahr zu laufen, meine Freundin unter den Kissen zu ersticken oder ihr die Decke um die Ohren zu hauen. Außerdem ist mir sehr schnell zu warm, ich schwitze im Sommer wie ein Braten. Auch deswegen brauche ich viiiiel Plaaaatz um mich herum!
Und nun – ein Hund! Niemals würde ich es ertragen, daß der sich auf meine Füße legt. Oder sich an mich kuschelt, während ich um Schlaf ringe. Mir vielleicht noch die Nase leckt oder – ach herrje! – einen seiner berühmten Fürze unter meiner Decke absondert!
Da bin ich doch heilfroh, daß Rocky keinerlei Anstalten macht, bei uns auf dem Lager nächtigen zu wollen, sondern es sich immer in seinem eigenen Bettchen hübsch gemütlich macht. Oft genug verläßt er nach einigem unwilligen Brummen sogar die Stube, um im Wohnzimmer weiterzuschlafen, wenn wir mal wieder zu heftig schnarchen oder uns zu oft im Bett hin- und herwerfen.
Menschen, die die Nachtruhe stören, können halt schon recht nervig sein!
 

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Seit einiger Zeit verbreiten sich im Internet die Seiten, die sog. CAPTCHAs nutzen, um Masseneinträge z. B. in Gästebüchern durch Roboter zu verhindern und damit einen Absturz der Seite wegen Überlastung abzuwehren.
Bis vor kurzem wurden an diesen Stellen immer sehr verzerrte Buchstaben eingeblendet, die nur das menschliche Auge entziffern kann (können sollte…), und die man dann in ein eigenes Feld manuell einzutragen hatte.
Seit neuestem aber werden einem stattdessen gern einige Bilder gezeigt, und man wird aufgefordert, z. B. alle Fotos anzuklicken, auf denen ein Berg zu sehen ist. Genau vor diese Aufgabe wurde ich vor ein paar Tagen in einem Kontaktformular gestellt.
Wenn Sie jetzt glauben, einen Berg als solchen zu erkennen, kann für eine erwachsene Person wohl kaum ein Problem sein, dann irren Sie sich gewaltig!
Offenbar standen die Programmierer dieser Aufgabe auf dem Standpunkt, daß ein Berg auch als solcher erkannt werden mußte, wenn er sich hinter dem Haus befand, das auf dem Foto abgebildet war. Wenn man sich im gezeigten Ort nicht auskannte und von dem Berg hinter dem Haus nichts wußte – Pech gehabt!
Oder aber: wie definieren Sie „Berg“? Handelt es sich bei einer Erhebung von ca. 20 m bereits um einen Berg im Sinne der Aufgabenstellung? Vermutlich ja, denn ich brauchte etliche Anläufe, bis ich weiterkam, denn offenbar war für den Entwickler dieser einen konkreten Hürde, die ich da zu meistern hatte, auf jedem Bild ein Berg abgebildet, auf dem der Horizont nicht ex-akt waagerecht durchs Bild verlief. Da frage ich mich: war vielleicht der Programmierer ein Roboter? Oder wollte der Seitenbetreiber gar keinen Kontakt zu seinen Kunden?
 

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Heute erhielt ich für den Zugriff auf die elektronische Ausgabe einer Zeitung per Email meine Zugangsdaten zugestellt.
Die Daten enthielten, wie mittlerweile allgemein üblich, ein per Zufallsgenerator erzeugtes, sehr kryptisches Passwort, das sich niemand wirklich merken kann. Daher nahm ich sofort die Änderung dieses Passworts auf eine von mir selbst gewählte Zeichenfolge in Angriff.
Nun kann ich von mir behaupten, schon in sehr vielen Systemen sehr oft meine Passwörter geändert zu haben. Ich habe damit also reichlich Erfahrung.
Was sich diese Zeitung allerdings ausgedacht hat, um dem Nutzer eine solche Änderung so schwer wie nur möglich zu machen, ist wirklich bewundernswert.
Ich beschreibe Ihnen das mal „kurz“:
Meine Zugangskennung ist grundsätzlich ein numerischer Wert, es handelt sich schlicht um meine Abo-Nummer. Mit dieser Kennung und besagtem Passwort meldete ich mich also an und rief den Dialog zur Änderung der Anmeldedaten auf. Dieses schaffte ich ohne jede Hilfe, wie das wohl die meisten geschafft hätten, da hier jedem die Erfahrungen zugute kommen, die der, der zumindest eine Email-Adresse sein Eigen nennt, auf jeden Fall hat.
Auf Anhieb fand ich auch die Felder zur Änderung meines Passwortes. Ich gab also das alte ein, legte ein neues fest und bestätigte dies in einem weiteren Feld. Daten abschicken!
Fehlerhinweis: bitte geben Sie Ihre Email-Adresse für diese Änderung an! Gesagt, getan! Aber ach: der nächste Hinweis ließ nicht lange auf sich warten! Nun sollte ich auch noch eine neue Email-Adresse angeben, obwohl ich die aktuelle ja gar nicht ändern wollte! Tat ich also auch dies.
Und was geschah? Mir wurde gesagt, meine aktuelle Email-Adresse stimme nicht. Obwohl ich an eben jene ja meine Anmeldaten zugestellt bekommen hatte.
Im weiteren Nachdenken und fassungslosen Starren auf den Bildschirm fiel mir dann auf, daß meine aktuelle Email-Adresse in dem Bereich, in dem mir meine aktuellen Daten angezeigt wurden, gar nicht erwähnt wurde, sondern nur meine Zugangskennung, die ja ein numerischer Wert war und daher natürlich nicht als gültiger Wert in das Feld „Email-Adresse“ eingegeben werden konnte.
Ratlos, wie mich der Versuch, ein Passwort zu ändern, noch nie vorher zurückgelassen hatte, rief ich die Kundenhotline an. Überraschung: die konnte mir auch nicht auf Anhieb weiterhelfen!
Nach einiger Recherche dieser Hotline stellte sich dann heraus, daß folgendermaßen vorgegangen werden mußte:
Zunächst Eingabe einer neuen Email-Adresse, obwohl eine aktuelle gar nicht hinterlegt war. (Das Feld für die aktuelle Email-Adresse war also leer zu lassen!) Diese war in einem separaten Feld zu wiederholen und mit dem bisherigen Passwort zu bestätigen. Anschließend Abruf der Bestätigungsmail im Email-Account und Betätigen des dort befindlichen Bestätigungslinks.
Hernach Wiedereinstieg in den Änderungsdialog für die Anmeldedaten bei der Zeitung und Angabe des alten, des gewünschten neuen Passwortes und Bestätigung desselben. Anschließend wieder der Abruf der Bestätigungsmail und Betätigen des dort befindlichen Bestätigungslinks.
Ich frage Sie: Geht’s noch komplizierter??

Und dies alles wäre nicht notwendig gewesen, wenn die bei der Benutzerverwaltung einfach sofort in den Anmeldedaten die Email-Adressen ihrer Kunden hinterlegen würden, die sie ohnehin zur Zustellung der Zugangsdaten verwenden.

Einer ordentlichen QS wurde der Gesamtprozeß auf jeden Fall nie unterzogen, von der miserablen Usability ganz zu schweigen! Wenn wir als IT-Dienstleister derart lausige Hinweistexte in unseren Prozessen ausgeben würden, würden uns das unsere Kunden mit Effet um die Ohren hauen.

Gottlob funktioniert jetzt aber wenigstens das Lesen der Zeitung reibungslos!
 

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Deutsche tun sich beim Lernen von Fremdsprachen gern mal ein bißchen schwer. Vor allem der allgemein heftige deutsche Akzent und die Fehler, die wir beim Aussprechen einzelner Wörter machen, werden im Ausland oft belächelt.
Das liegt vor allem aber daran, daß – im Gegensatz zum Deutschen – im Englischen und Französischen die Wörter nie so geschrieben werden, wie man sie spricht. Deutsch ist da viel einfacher und logischer!
Da ist tatsächlich ein nicht unerheblicher Unterschied, der Deutsch deutlich von den beiden anderen Sprachen abhebt.
Schreiben und Lesen lernen ist somit für Deutsche viel einfacher – und wir werden damit unflexibler, wenn es gilt, sich auf die Gegebenheiten anderer Sprachen einzustellen. Wir bremsen uns da selbst, da wir genau so schraibn, wih wir schbrächn!
So, wih es ist, ist das Schraibn- und Lesnlernen kinderlaicht, denn mann kann wirklich dafon ausgehn, dass im Doitschn jeder Buchschdabe im Wort geschbrochn wirt. Nih muss mann überlegn, ob aine Buchschdabengruppe fillaichd als Gantses zu sehn ist und ainer beschdimmdn Ausschbrache unterlihkt. Umgekehrt gilt natürlich auch, dass jeder Buchschdabe, der geschbrochn wirt, auch geschrihbn werdn muss.
Es fihle dem Doitschen zum Baischbihl nih ain, solche Buchschdabnungetüme zu bilden wih z. B. das französische „ils doivent“. Wenn das doitsche Wörter wärn, dann würde man "il doaw" schraibn.
Sie sehen, mit diesem kleinen Beispielübungstext habe ich unwiderlegbar bewiesen, um wieviel konsequenter und nachvollziehbarer die deutsche Aussprache sich mit der Schreibung deckt, und warum Engländer und Franzosen für ihr brillantes Deutsch ach so berühmt sind...
Da soll bitte keiner mehr kommen und über die Deutschen und ihre Probleme beim Fremdsprachenlernen lästern! Wenn man aus so „einfachen Verhältnissen“ kommt wie wir Deutschen, dann kann man von uns natürlich nicht erwarten, daß wir akzent- und fehlerfrei Englisch beherrschen lernen und wissen, wie man den Namen des Bundesstaates Arkansas und das Wörtchen „recipe“ ausspricht! Und deswegen fliegen wir auch weiterhin nach „Los Äiinscheles“!
 

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Gerade las ich, daß die weltweit teuerste Immobilie, die derzeit zum Verkauf steht, eine Milliarde Euro kosten soll. Und dabei handelt es sich nicht etwa um Fort Knox oder das Weiße Haus oder ein ähnlich berühmtes und schützenswertes Anwesen, sondern um eine Villa in der Nähe von Nizza.
Da fragt man sich doch schon wieder: ist die Welt endgültig balla-balla?
Ich hoffe, daß die jetzigen Eigentümer niemanden finden, der bereit wäre, so unanständig viel Geld für ein Haus(!) auszugeben, und daß sie auf dem Kasten sitzenbleiben! Dann wäre mein Glauben an die Menschheit noch einen Moment länger gerettet.
Eine Milliarde Euro! Für ein Wohnhaus! Nur weil es in Nizza steht und wahrscheinlich 38 Schlafzimmer, ebenso viele Badezimmer und 17 Bügelstuben hat. Eine Milliarde!
Grob überschlagen komme ich, wenn ich mal ausrechne, auf ein Lebenszeitgehalt von rund 1,5 Millionen Euro. Und damit stehe ich gar nicht schlecht da. Gut, ich bin keine Akademikerin, keine Managerin, kein Fußballer in der Bundesliga und kein Pop-Sternchen. Aber als schlichte Arbeitnehmerin mit einer 40-Stunden-Woche habe ich damit mehr als sehr viele andere MitbürgerInnen.
Ja, mit einer geregelten 40-Stunden-Woche, mangelnder Berühmtheit und nicht vorhandenem akademischem Grad, der einen in Forschung und Technik oder in der Wirtschaft Spitzenpositionen sichern könnte, kommt man nicht sehr viel weiter.
Aber eine Milliarde Euro – das kann sich doch wohl auch kaum einer leisten, der Geld im Überfluß geerbt, verdient oder gewonnen hat! Wahrscheinlich will das auch keiner!
Das Geld ist, wie wir alle wissen, sehr ungerecht verteilt in der Welt. Die Gier danach ist schier grenzenlos – was ich den Mittellosen gern auch zugestehen wollen würde, was aber vor allem unter denen weit verbreitet ist, die ohnehin schon mehr haben, als sie je ausgeben können.
Und wenn die dann (wie aktuell die Eigentümer dieser sündhaft teuren Villa) Summen fordern, die nicht nur unanständig sind, sondern auch von der arroganten Überzeugung der eigenen Wichtig- und Wertigkeit zeugen, dann wünsche ich genau denen mal ein paar Jahre Hartz IV in einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung, jede Woche freitags eine Dose Ravioli und zu Weihnachten ein Taschenbuch.
 

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Ich las gerade in einem Forum einen Thread, in dem die User eine Liste von Ortschaften mit kuriosen Namen aufstellten. Kuriose Ortsnamen gibt es ja einige, und immer wenn ich solche Sammlungen lese, denke ich an Igelsloch und Siehdichfür.
Igelsloch und Siehdichfür habe ich nie aufgesucht, aber Wegweiser in die beiden Ortschaften sah ich an ein und demselben Tag, denn die beiden liegen unmittelbar nebeneinander.
Ich fuhr damals durch den Schwarzwald, und eigentlich suchte ich nach dem direktesten, d. h. kürzesten Weg nach Hause, aber ach: da, wo Igelsloch und Siehdichfür liegen, sieht es genau so aus, wie man sich die Gegend vorstellt, in der Igelsloch und Siehdichfür liegen!
Ich erinnere mich, dort nachts unterwegs gewesen zu sein. Die Straße war kurvenreich, finster und seeehr einsam. Ich lenkte mein Fahrzeug in der ständigen Angst, aus der nächsten Kurve zu fliegen, im Straßengraben zu landen und dort zu vertrocknen, bis sich mal wieder ein Auto dorthin verirrt haben würde, das mir zu Hilfe hätte kommen können.
In einer solchen Verfassung den Weg nach Igelsloch und Siehdichfür gewiesen zu bekommen, verstärkte bei mir das dumpfe Gefühl, mich in eine nicht sehr heimelige Gegend verirrt zu haben, bei der Obacht oberstes Gebot ist. Klang Igelsloch denn nicht so, als käme man dort so leicht nicht mehr raus, wenn man erst mal hineingefallen war? Und mochte man wirklich in Siehdichfür um Hilfe bitten müssen? Bei dieser Vorstellung gingen bei mir alle Edgar-Wallace-Alarmglocken los, ich sah mich vor einem einsamen, grauen Herrenhaus stehen, den spinnwebenummantelten Türklopfer anheben und, noch bevor ich jenen gegen das Türblatt krachen lassen konnte, in das gelbliche Gesicht der seit 50 Jahren dort tätigen Hausdame blicken, die mich knarzend fragt: „Sie wünnscheen?“
Ich gehe heute optimistisch davon aus, daß Igelsloch und Siehdichfür ganz normale Orte mit ganz normalen Menschen sind, und daß man sich dort auch wohlfühlen kann – sofern man für das eigene Lebensglück nicht zwingend unmittelbaren Anschluß an Auto- oder U-Bahn benötigt.
Immerhin haben die beiden es ja durchaus geschafft, durch ihre Namen einen bleibenden Eindruck bei mir zu hinterlassen.
 

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Ein britischer Arzt hatte, wie ich gerade las, jüngst die Idee, auf Avocados künftig einen Warnhinweis zu fordern, der den die Frucht Verzehrenden vor der sog. „Avocado-Hand“ warnt.
Dieser Arzt behauptet, er habe wöchentlich bis zu vier Patienten, die mit avocadotypischen Schnittverletzungen in der Hand bei ihm vorstellig werden. Dies müsse ein Ende haben!
Da fragt man sich doch einmal mehr: wie bekloppt ist die Welt? Glaubt dieser Arzt tatsächlich, daß wir ihm das glauben? Die Avocado ist in England ja wohl kaum zum Grundnahrungsmittel aufgestiegen, das täglich millionenfach zerteilt wird! Und wenn es so wäre: daß ich mir Schnittverletzungen zufügen kann, wenn ich ein Messer benutze, sollte hinlänglich bekannt sein. Und daß ich nichts zum Zerschneiden in die Hand nehmen und das Messer daran so ansetzen sollte, daß die Schneide sich in Richtung der Finger der Haltehand bewegt, lernte ich schon als Kind von meiner Mutter.
Und trotzdem passiert es mir regelmäßig, daß ich mir z. B. beim Gemüseschneiden oder Gurkenhobeln in den Finger säbele. Soll ich jetzt auf allen Kartoffeln, Gurken, Karotten usw. einen Aufkleber fordern, der mich vor der „Gemüsehand“ warnt?
Ich bin beruhigt, daß dieser Arzt in den britischen Medien auf den Arm und nicht ernst genommen wird. Ich denke, das rührt auch daher, daß er diese besondere Gefahr vor allem bei dem Zerteilen von Avocados sieht, weil die einen golfballgroßen Kern haben, von dem der Käufer u. U. nichts weiß und deswegen mit dem Messer darauf abrutscht. Da regt sich doch bei mir der Verdacht, daß er selbst Opfer dieses geheimen, ach so gefährlichen und glitschigen Avocadokerns geworden ist und nun die Schuld beim Gemüse und nicht bei sich selbst sucht.

Vielleicht mache ich mir ja mal die Mühe und schreibe doch noch ein Buch, mein Buch über die „Anatomie“ der Früchte dieser Welt mit eigens auf jede Frucht ausgelegten Zerteilungstipps und Gefahrenhinweisen. Und das beginne ich dann mit dem Satz, den ich in meinem Beitrag „Bauchgefühl“ vom 18. April erwähnte: "Im Grunde war alles ganz einfach!"
 

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Es gibt Tage, da hätte man zum Schreiben Zeit ohne Ende, und dann sitzt man da und weiß nicht, worüber man schreiben soll.
Die Themen, zu denen einem etwas einfällt, kommen einem immer dann in den Sinn, wenn gerade ü-ber-haupt kein Freiraum da ist, um etwas niederzuschreiben. Und bis dann wieder Gelegenheit wäre, hat man schon vergessen, welche genialen Gedanken man da gehabt hatte.
Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich mir Zeit für einen neuen Artikel nehmen kann. Und es fallen mir natürlich nur die üblichen, langweiligen Themen ein, zu denen entweder niemand etwas lesen möchte oder jede Menge anderer Leute schon genug geschrieben haben.
Der diesjährige Frühling ist z. B. sowas, das in die Kategorie „jeder hat schon was dazu gesagt“ fällt. Er wird sicherlich in die Annalen eingehen als der kälteste, trockenste, langweiligste, enttäuschendste und zeitvergeudendste Frühling seit – sagen wir mal – dem Jahr 2010. Womit bereits alles gesagt wäre. Mehr Worte als diese ist der aktuelle Frühling nicht wert.
Daß der äthiopische Flüchtling, der minderjährig und allein in unser Land gekommen ist und bei meiner Schwester im Haus zur Miete wohnt, nun schon mehr als ein Jahr da ist, gestern seinen zweiten Geburtstag in Deutschland erlebt hat und ein sehr netter Kerl ist, ist durchaus erwähnenswert und sicherlich ein Grund zur Freude. Allerdings muß man bei diesem Satz ja auch schon aufpassen, nicht eine dieser unsäglichen „politischen“ Diskussionen loszutreten, bei denen ich das Wort „politisch“ deswegen in Anführungszeichen setze, weil diese Diskussion meistens alles Mögliche sind, nur nicht politisch. Meist ranken sie sich um zutiefst privat empfundene Ausländerfeindlichkeit und die Beschimpfung der sog. Gutmenschen – auch so ein Wort, zu dem mir noch nie jemand eine befriedigende Definition geliefert hat, geschweige denn eine Deutungshilfe, ob ich als entspannter Bürger diesen Begriff nun als Beleidigung oder als Huldigung empfinden bzw. verwenden soll.
Ich werde nun weiter abwarten, ob mich heute vielleicht doch noch die Muse küßt und mir ein wahrhaft fesselndes Sujet servieren wird. Ich räume dem allerdings nur wenig Chancen ein.
 

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05
May
Heimat

Ich habe heute morgen in einem Blog einen Beitrag gelesen, der sich mit dem Begriff „Heimat“ beschäftigt. Und damit, was die Autorin mit diesem Begriff assoziiert.
Das Thema war der Bloggerin von einer anderen Bloggerin vorgegeben worden. Ganz allgemein hatte diese andere Bloggerin alle möglichen Autoren dazu aufgefordert, genau zu diesem Thema ihre höchst eigenen Empfindungen mit anderen zu teilen.
Ich tu das jetzt nicht innerhalb jenes Aufrufs, sondern einzig und allein hier; aber ich bin gespannt, was mir beim Schreiben alles dazu in den Sinn kommt.

Die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, habe ich schon 1989 verlassen, als ich in eine andere Stadt umzog, die ca. 15 km entfernt lag. In meiner Heimatstadt hielt ich mich aber dennoch regelmäßig weiter auf, da dort meine Familie und meine Freunde wohnten.
1992 dann ließ ich die Region und auch meinen Freundeskreis komplett zurück und fing 200 km weiter weg ein neues Leben an. Ein neues Leben insofern, als ich an meinem neuen Wohnort und auch in der Stadt, in der ich arbeitete, niemanden kannte und mich von Grund auf neu einleben und Wurzeln schlagen mußte.
Das mit dem Wurzeln schlagen gelang nicht wirklich. Ich fühlte mich sehr wohl und wohnte gern dort. Aber da ich ein Mensch bin, der an allzu häufigen Unternehmungen mit Bekannten nur wenig Interesse hat und lieber das Häusliche sucht, bildete sich dort für mich nicht wirklich ein neuer Freundeskreis – ja, ich hatte, wenn ich ehrlich bin, nicht eine(n) einzige(n) echte(n) Freund(in) dort. Daran war ich selber „schuld“, keine Frage. Aber dadurch, daß ich nicht viel rauskam, kannte ich mich weder in meinem Wohnort noch in der benachbarten Stadt gut aus. Ich wußte noch nicht einmal, wie die Straße hieß, die 100 m weiter unten meine Wohnstraße kreuzte.
„Heimat“ war das also für mich alles nicht. Ich hatte dort ein behagliches Dach überm Kopf, mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Für die Liebe bin ich nach 10 Jahren umgezogen, in den Ort, in dem meine Partnerin aufgewachsen ist, dort nach wie vor lebt und ein Haus besitzt. Sie ist in ihrem Heimatort tief verwurzelt, ist vielen Leuten bekannt und in einem der örtlichen Vereine sehr aktiv.
So kam es natürlich, daß auch ich intensiven Kontakt zu den Leuten im Dorf bekam. Darunter waren u. a. „Zwangskontakte“ wegen des Vereins, aber wir fanden durchaus auch gemeinsam alte und neue Freunde.
Wir leben nun schon 14 Jahre dort in diesem Dorf in diesem Haus, und ich bin da wirklich richtig zu Hause! Ich kenne alle Straßen im Ort, ich fahre souverän durch die Nachbarstadt, obwohl die für Fremde ein Alptraum ist (parallel zueinander verlaufende Straßen gibt es dort nicht; Sie können sicher sein, daß „rechts, rechts und dann wieder rechts“ Sie niemals wieder auf die Straße zurückführt, von der Sie gekommen sind), und es gibt sogar eine gar nicht so kleine Anzahl Menschen, die mich mit Namen kennen.
Meine Heimat ist aber auch das nicht.
Heimat ist das, von dem ich träume, wenn ich aufregende Zeiten erlebe. Wenn ich vielleicht mal wieder nicht recht weiß, ob alles gut so ist, wie ich es tue. Dann träume ich von der Wohnung, in der ich als Kind gewohnt habe; von der Schule, zu der ich einst ging; von den Leuten, die ich vor 35 Jahren kannte und längst aus den Augen verloren habe.
Heimat ist für mich nicht nur ein Ort, nämlich die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Heimat ist auch die Zeit, in der ich Kind war. Es sind die Menschen von damals und alles, was mich an Erlebnissen geprägt hat.
Alles andere war oder ist für mich ein Zuhause – und mein jetziges möchte ich nicht mehr missen.

 

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Auf meiner Seite „Gezeichnetes“ zeige ich ja seit einiger Zeit meine Cartoons aus „Birtes Welt“.
Diese Cartoons veröffentliche ich auch in Facebook, u. a. bin ich da Mitglied in einer geschlossenen Gruppe, die sich aus Cartoon-Zeichnern und Cartoon-Liebhabern, die nicht selbst zeichnen, zusammensetzt. Dort zu posten, macht Spaß, da dort tatsächlich ein reges Interesse an den Beiträgen besteht.
Der Betreiber der Gruppe hat nun einen Versuch gestartet, mit vorgegebenen Wochenthemen auch diejenigen zum Selbstzeichnen zu motivieren, die bisher nur „konsumieren“, also nur als Zuschauer tätig sind.
Wie entsteht aber nun ein Wochenthema? Ganz einfach: der Gruppenbetreiber startet eine Umfrage, in der jeder einen Themenvorschlag einreichen kann. Das Thema, das die meisten Likes erhält, wird Wochenthema.
Das Thema dieser Woche lautet „Dämliche Berufe“. Als dieser Vorschlag einging, dachte ich: „Was für ein dämlicher Vorschlag!“ Als dann einer nach dem anderen genau für dieses Thema votierten, dachte ich: „Wie kann man nur so dämlich sein und für solch ein Thema stimmen?!“
Damit war der Überraschungen aber nicht genug!
Ich selbst überraschte mich im weiteren Verlauf damit, daß mir zu diesem Thema tatsächlich etwas einfiel! Da ich der Meinung bin, „dämliche Berufe“ gebe es im wahren Leben nicht, da jeder Beruf, der als solcher gelebt und mit dem Geld verdient werden kann, gar nicht dämlich sein kann, weil ja sonst niemand seine Dienste in Anspruch nähme, überlegte ich, ob mir nicht vielleicht doch ein wahrhaft dämlicher Beruf einfiele. Und so entstanden meine Cartoons zum Beruf des Brotmessers und des Büstenhalters (s. Seite „Gezeichnetes“), die auch offenbar in der Gruppe Gefallen finden.
Die größte Überraschung aber lieferte derjenige, der den Themenvorschlag gemacht hat. Er selbst hat nämlich bisher zu seinem eigenen Thema noch nichts beigetragen. Vielleicht findet er es ja mittlerweile selbst gar nicht mehr so doll?
 

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In unserer Firma wird Büromaterial über ein eigens dafür eingesetztes IT-Tool bestellt und nicht über z. B. eine Email an die Dame, die für die Beschaffung zuständig ist.
Es ist immer wieder ein Quell der Heiterkeit, wenn wir in diesem Tool aus der Liste der verfügbaren Güter das Benötigte heraussuchen.
Gut, bei einigen Dingen weiß man sofort, was es ist. Wenn man eine Weile in einem Büro gearbeitet hat, ist einem z. B. sehr wohl klar, daß „Rückenschilder zum Einstecken“ mit den Rückennummern von Marathonläufern nichts zu tun haben, sondern der reversiblen Beschriftung von Aktenordnern dienen. Und man kommt auch schnell dahinter, daß man bei der Bestellung von Luftpolsterbriefumschlägen das genaue Maß derselben ignorieren kann, da immer mal wieder der Lieferant gewechselt, die Warenbeschreibung der Liste in unserem Bestellprogramm aber nicht angepaßt wird.
Mit großem Ah und Oh sitze ich aber jedes Mal vor einigen Gütern und denke mir, das würde ich gern mal bestellen, einfach nur um herauszufinden, was das ist.
Oder kennen Sie den „Niederhalter mit Klippverschluß“, das „Drahtkamm-Bindeelement“ und den „Schreibtisch-Butler“? Ich mache jede Wette, daß in unserem Haus noch niemals jemand einen Niederhalter – egal ob mit oder ohne Klippverschluß – bestellt hat, weil nämlich keiner weiß, was er da bekäme.
 

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Gerade verfolgte ich in einem Forum eine Unterhaltung darüber, wie verwunderlich es doch sei, daß heutige 15- bis 16jährige oftmals die Beatles nicht kennen.
Über diese Feststellung entspann sich fast schon eine Diskussion, ob das nun wirklich verwunderlich sei oder vielleicht doch ganz normal; oder ob das eventuell sogar den Verfall der Kultur in der Generation der heutigen Jugendlichen aufzeige.

Natürlich kann auch ich mir nicht vorstellen, daß es tatsächlich Leute geben soll, denen die Beatles kein Begriff sind. Aber bei näherem Nachdenken frage ich mich, wieso ausgerechnet der Name der Beatles genau so zur Allgemeinkenntnis gehören sollte wie beispielsweise die Namen Goethe oder Schiller. Als nämlich jemand anfing, die Schlagerstars der Generation meiner Eltern aufzuzählen, war mir keiner von denen bekannt. Wieso also sollten die Teenager von heute eine Band kennen, die sich eine Generation vor ihrer Geburt schon aufgelöst hat?
Haben die Beatles tatsächlich Kulturgeschichte geschrieben wie Bach, Mozart, Haydn, Vivaldi, Goethe und Schiller? Offenbar ja nicht, denn sonst wären sie unserer Jugend ja ein Begriff. Genau wie Bach, Vivaldi und Haydn.
Moment…. ja, das mag es erklären! Vermutlich sind die Beatles den unter Zwanzigjährigen ja genau so bekannt wie Bach und Co. … ;-)
 

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In unserem Büro hängt eine PIN-Wand, an der dicht gedrängt die Ansichtskarten angepinnt sind, die die Mitarbeiter unseres Teams aus ihren Urlauben an die Daheimgebliebenen geschrieben haben.
Schaut man so drüber, woher die alle kamen, dann fällt auf, daß auffallend viele aus europäischen Landen stammen. Fernreisende gibt es in unserem Team also recht wenige.
Es fällt außerdem auch auf, daß bestimmte Kollegen schreibfreudiger sind als andere. Eine Kollegin ist sogar so schreibfaul, daß sie Blanko-Karten von ihrer Reise mit nach Hause bringt und sie an die Wand pinnt, obwohl da weder Urlaubsgrüße noch eine Adresse draufstehen. Diese Karten wanderten also direkt aus dem Verkaufsständer an unsere PIN-Wand, weswegen ich sie am liebsten entfernen und der Kollegin sagen würde, daß sie sich solch ein Vorgehen sparen kann.
Einer unserer Mitstreiter war allerdings beeindruckend fleißig im Kartenschreiben, als er vor ein paar Monaten eine Rundreise durch drei asiatische Länder unternahm. Aus jedem Land schrieb er uns Urlaubsgrüße und ließ uns allerlei Interessantes über Besonderheiten dieser Länder wissen. Daß er offenbar so bereitwillig auch während seines Urlaubs an uns dachte, gibt mir das Gefühl, daß er gerne bei uns arbeitet.
Zwischen all den Urlaubskarten hängen auch eine Karte, mit der sich eine Kollegin vor vier Jahren für unser Hochzeitsgeschenk bedankte, und ein weiteres Kärtchen, mit dem sich eine andere Kollegin für die Aufmerksamkeiten anläßlich der Geburt ihres Sohnes bedankte, der nächstes Jahr eingeschult wird.
Unsere PIN-Wand dokumentiert also z. T. sehr Privates aus mehreren Jahren, und es fällt mir gerade auf, daß genau die, die im Alltag sehr wenig über sich und ihr Privatleben erzählen, auch die sind, die Karten aus ihrem Urlaub gar nicht, nur sehr selten oder sehr unpersönlich schreiben.
Und die Kollegin, die zum Schein immer ihre Blanko-Karten anpinnt, ist auch die, die im Restaurant ihr Essen auf dem Teller immer nur hin- und herschiebt und damit den Eindruck erwecken will, sie habe davon auch etwas gegessen. Wie passend!

 

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18
Apr
Bauchgefühl

„Im Grunde war alles ganz einfach.“
Das ist der Satz, der mir seit Jahren im Kopf herumgeht als der Satz, mit dem das Buch beginnt, das ich irgendwann mal schreiben werde.
Ich verstehe nicht, wieso das so ist, denn ich werde ziemlich sicher niemals ein Buch schreiben. Ich kann das gar nicht. Ich habe weder ausreichende Ideen für einen Plot, noch könnte ich über die Länge eines richtigen Buches Handlungsfaden bzw. Spannungsbogen und die richtigen logischen Zusammenhänge aufrecht erhalten.
Aber wie mit diesem ersten Satz meines Buches geht es mir auch mit diesem Bauchgefühl, das ich eine Zeitlang hatte, daß ich nämlich irgendwann in Nürnberg leben werde. Auch hier weiß ich nicht, woher diese „Erkenntnis“ auf einmal kam. Ich habe weder irgendwelche Verbindungen zu Nürnberg, noch zieht mich beispielsweise die Schönheit der Stadt in ihren Bann. Ich bin da, wo ich seit etlichen Jahren zu Hause bin, sehr gern zu Hause und möchte dort nicht weg!
Einzig die Kittelschürze, in der ich mich manchmal vor mir sehe, dereinst alt und möglicherweise allein in meiner Wohnung sitzend, hat m. E. eine gewisse Chance, tatsächlich Realität zu werden. Wobei sich bis dahin mein Kleidungsstil noch erheblich ändern müßte. Insofern ist auch dieses Bild für mich eigentlich nicht erklärbar.
Ich habe allerdings schon oft erlebt, daß ich in eine Situation (eine Besprechung, ein privates Treffen etc.) mit einem ganz sicheren Vorabwissen gegangen bin, welches Detail „passieren“ würde, und genau das trat dann auch ein. Beispiel: Clique A wollte zusammenkommen, und ich wußte plötzlich ganz sicher vorher schon, daß Person X nicht dabei sein würde, obwohl sie ihr Kommen fest zugesagt hatte.
Es waren bisher immer genau solche banalen Dinge, nichts von Wichtigkeit auch bei beruflichen Anlässen, bei denen ich mich immer fragte, wieso mir jetzt gerade diese „Vorahnung“ in den Sinn gekommen war.
Die Gewißheit, daß ich irgendwann mal ein Buch schreiben oder nach Nürnberg ziehen werde, verblaßt allmählich und überkommt mich nicht mehr sehr oft. Deswegen gehe ich davon aus, daß mit der Umsetzung der beiden Ereignisse nicht wirklich zu rechnen sein wird.
Dennoch bin ich der Meinung, einem Bauchgefühl, so unkonkret es vielleicht auch mal sein mag, sollte man durchaus immer ein wenig Gehör schenken. Es kann – wie gesagt – ja sein, daß es sich als zutreffend herausstellt, und daß sich vielleicht sogar daraus etwas wirklich Wichtiges entwickelt.

 

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Irgendwann an diesem Wiedersehensabend neulich (s. voriger Eintrag) erwähnte ich beiläufig, „La Peste“ von Camus, über das ich meine Abiturarbeit hatte schreiben müssen (und das mit erstaunlichem Erfolg, wie ich gern erwähnen möchte…), sei für mich immer nur ein Buch über eine Stadt gewesen, in der die Pest ausgebrochen sei.
Nach dem süffisanten Lächeln, das ich daraufhin von meiner Ex-Lehrerin zugedacht bekam, war es sicher gut, daß ich nicht auch noch meinen Lieblings“spruch“ brachte, ein Gedicht über ein Schiff auf tosender See sei für mich immer nur ein Gedicht über ein Schiff auf tosender See. Sagt im Grunde ja dasselbe aus, nämlich daß mir das mit dem Interpretieren literarischer Ergüsse nicht so sehr liegt.

Überhaupt frage ich mich, ob nicht der ein oder andere Autor erst durch die Lehrmaterialien, die später über seine Werke geschrieben werden, erfährt, was er sich einst beim Verfassen gedacht hat. So manches Mal überkam mich nämlich beim Lesen schon das Gefühl, daß ein Autor nichts weiter beabsichtigte, als eine Geschichte zu erzählen. Mal mit mehr, mal mit weniger Tiefe – aber ich bezweifle, daß wirklich jedem Schriftsteller das Zeug zum Philosophischen oder Abstrahieren gegeben ist.
Nun mag man zu Recht anmerken, daß speziell Camus sehr wohl außer Schriftsteller auch ein Philosoph war, der sich erwiesenermaßen bei „La Peste“ mehr gedacht hat als ich. Ich habe dieser Tage mal geguhgelt und dabei erfahren, daß „La Peste“ offenbar eine Aufarbeitung und Reflexion über die Geschehnisse und Erfahrungen ist, die Camus im zweiten Weltkrieg gemacht hat. Die Pest steht symbolisch für den Krieg, in dem jeder auf seine Weise ums Überleben kämpft.
Da frage ich mich: wieso hat Camus nicht ein Buch geschrieben, in dem Krieg herrscht? Wieso macht man das, daß man ein Thema durch ein anderes ersetzt, um es als Symbol für das herhalten zu lassen, um das es eigentlich geht? Und wieso darf ich als Leser ein Buch über eine Pestepidemie nicht einfach ein Buch über eine Pestepidemie sein lassen? Wieso muß ich immer alles über die Hintergründe wissen und ausarbeiten, was der Autor mir damit sagen will? Ich bin mir nämlich gar nicht sicher, ob jeder Autor mir immer was sagen will – ob er also will, daß jeder versteht, was in ihm vorgegangen ist beim Schreiben.
Diese Gedanken, die ich so hege, sind zweifellos der Grund, wieso es gut ist, daß ich kein geisteswissenschaftliches Studium aufgenommen habe. Ich bin für derlei Dinge wohl nicht klug genug. Oder einfach zu bodenständig. Wer weiß.

 

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So, nun haben wir uns also getroffen. Unsere ehemalige Lehrerin, meine längstjährige Freundin und ich.
Frau G., die Lehrerin, hat uns doch auf Anhieb wiedererkannt, wobei wir es ihr aber auch leicht gemacht und sie sofort angesprochen haben, als sie zum Hof hereinkam.
15 Jahre Altersunterschied schrumpfen mit steigendem Alter auf ein Minimum zusammen, das ist die Erkenntnis, die ich aus diesem gemeinsamen Abend mitgenommen habe. Da war nicht mehr viel zu spüren von der alten Rollenverteilung. Wir waren vielmehr einfach nur drei Frauen, die sich zumindest zum Teil sehr lange nicht gesehen hatten, aber gemeinsame Erinnerungen teilten. Und die nahmen natürlich in unserer Unterhaltung einen breiten Raum ein.
Es war interessant wahrzunehmen, daß das Bild, das Schüler von ihren Lehrern haben, sich erstaunlich decken kann mit dem, was Lehrer über ihre Kollegen denken bzw. dachten. Einige kritische Töne, die A. und ich über diesen oder jenen Lehrer äußerten, hörte ich auch aus dem heraus, was Frau G. über ihre ehemaligen Kollegen sagte. Sie formulierte dabei natürlich sehr viel zurückhaltender als wir „Schülerinnen“, aber man mußte teilweise nicht sehr tief zwischen die Zeilen blicken, um zu wissen, was sie tatsächlich dachte. Am deutlichsten wurde sie, als die Rede auf einen Kollegen kam, an den ich mich ü-ber-haupt nicht erinnern konnte, den ich aber einige Zeit als Französischlehrer hatte. Frau G.s vorsichtige, aber dennoch sehr deutlichen Worte über ihn weckten meine Erinnerung nach und nach wieder auf, und jetzt habe ich diesen Herrn so klar wieder vor Augen, daß ich mich frage, wie ich ihn je hatte vergessen können. Fast könnte ich ein Phantombild von ihm zeichnen.
Es war ein netter Abend, das Wiedersehen war locker und überhaupt nicht verkrampft, denn wir hatten uns durchaus einiges zu erzählen. Das hätte auch anders verlaufen können, daß wir nämlich bedröppelt beieinander sitzen und nicht wissen, was wir sagen sollen – weil die Lehrerin sich vielleicht doch gar nicht an uns erinnert, und weil wir sie vielleicht als sehr verändert erleben.
Aber: so war es gottlob nicht! Sie erinnerte sich sehr wohl an uns, wobei sie betonte, daß sie das nur deswegen könne, weil wir „schon sehr spezielle Schülerinnen“ gewesen seien…
Ich denke immer noch darüber nach, ob wir das wirklich als Kompliment nehmen dürfen…

 

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Vor einigen Monaten telefonierte ich mit meiner ehemaligen Schulkameradin C., die ich seit dem Abitur weder gesehen noch gesprochen hatte. Wir plauderten natürlich über die alten Zeiten und stellten dabei u. a. fest, wo unsere Erinnerungen an früher sich deckten, über welche Lehrer wir die gleiche Meinung hatten, und über welche eben nicht. In diesem Zusammenhang erzählte C. mir, daß sie gern mal wieder mit einer bestimmten Lehrerin sprechen würde, da diese ihr lebhaft in Erinnerung geblieben sei und wohl einigen Eindruck hinterlassen hat. Ob ich wohl wüßte, wo die Dame wohnt? Oder noch besser: ob ich wohl ihre Telefonnummer kenne?
Wo sie wohnt, konnte ich ihr sagen; und einige Zeit später erfuhr ich über Umwege – nämlich über A., meine beste Freundin aus alten Zeiten – daß die beiden (ehemalige Schülerin C. und Lehrerin) tatsächlich miteinander telefoniert hatten. Nun war der Lehrerin aber C.s Email-Adresse abhanden gekommen, und deswegen hatte sie meine Freundin angerufen, ob die die Adresse wohl kenne. Und so kam die Kunde auch bei mir an, da ich die einzige von uns vieren war, die weiterhelfen konnte.

Ab hier wird’s weniger kompliziert: unsere Lehrerin erzählte später per Email, daß C. wohl den Wunsch geäußert habe, sich mal wieder zu sehen, und sie habe sich dabei vorgestellt, daß sie, Frau Lehrerin, A. und ich ein Treffen zu viert vereinbaren könnten.
Und so gingen wir eine Terminsuche an. Geplant war es zunächst für September, dann wurde Februar daraus, dann März, und nun ist es heute so weit: wir werden gemeinsam essen gehen. Die einzige, die allerdings nicht dabei sein wird, ist C., denn sie hat im Verlauf der ganzen Planung sehr bald einen Absprung gemacht. Warum, das wissen wir nicht.
Nun bin ich gespannt, wie wir uns heute abend fühlen werden, wenn wir, die wir uns 35 Jahre lang nicht gesprochen haben, aufeinander treffen. Wir beiden Schülerinnen sind von Teenagern zu Erwachsenen geworden, und – wenn man es ehrlich ausspricht – unsere Lehrerin ist von einer Frau am Übergang zum mittleren Alter zu einer älteren Frau geworden. Wenn das mal keine Veränderungen bedeutet!
Werden die Rollen noch genau so verteilt sein wie früher? Schülerinnen treffen auf Lehrerin? Oder wird es uns gelingen, auf Augenhöhe zu sein?
Ich rechne als erstes damit, daß sie uns gar nicht wiedererkennt.

 

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Etwa 200 m vom Parkplatz der Firma entfernt, bei der ich arbeite, steht seit einiger Zeit eine stationäre Blitzanlage. Dort gilt Tempo 30, weil die Straße da an einer Schule vorbeiführt. Das Tempolimit nervt, vor allem, wenn man dort vorbeifährt, wenn gar keine Schüler vor der Schule unterwegs sind. Weil das Limit aber zeitweise durchaus sinnvoll ist, habe ich auch ein gewisses Verständnis für den Blitzer. Ich halte mich also zähneknirschend an die Geschwindigkeitsbegrenzung.
Offenbar halten sich aber nicht alle daran, bzw. es übersehen wohl einige die Blitzkiste. Morgens habe auch ich schon des öfteren den roten Blitz zucken gesehen, wenn mal wieder einer in die Falle gefahren ist.
Heute morgen allerdings trug der Blitzer Spuren eines heftigen Zornausbruchs, der jedoch nicht spontan gewesen kann, sondern sorgfältig geplant und vorbereitet gewesen sein muß. Im Affekt ist das also nicht geschehen, was dem Blitzgerät da widerfahren ist.
Da stand sie nämlich, die Säule, im wahrsten Wortsinne geteert und gefedert! Irgendjemand muß da nächtens mit dem Bitumeneimer in der Hand und dem Deckbett der Omma unterm Arm angekommen sein, um dem fotografierenden Unhold ein schwarz-weißes Federkleid überzustülpen. Welchen Ärger die Blitzsäule im Vorfeld dem Täter bereitet hatte, darüber kann nur spekuliert werden. Da aber an anderer Stelle in der Stadt eine weitere Blitzanlage dieser Prozedur unterzogen wurde, ist davon auszugehen, daß es keine Einzelperson war, oder wenn doch, daß ihr Zorn weißglühend war.
Ich bin ehrlich; als ich vorbeifuhr, mußte ich grinsen, weil ich die Idee doch originell fand. Allerdings ist das ja eindeutig Sachbeschädigung, und wenn der Schuldige erwischt wird, wird der ganz schön tief in die Tasche greifen müssen.
Zur Zeit versuchen sich die Offiziellen an der Reinigung des Blitzgeräts. Das wird aber sicher eine ganze Zeit lang dauern. Wie viele Raser bleiben da wohl unertappt?

 

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Ja, was ist bieder?
Sicher nicht unsere Wohnungseinrichtigung, wie das neulich meine Freundin in den Raum stellte. Sie besah sich dabei unsere Vorhänge im Wohnzimmer, die ich viel eher als „klassisch“ bezeichnen würde.
Solche Vorhänge wie wir hat keiner mehr aus unserem Bekanntenkreis: vor dem Fenster ein weißer, halb durchsichtiger Vorhang, durch regelmäßige Raffungen in sanfte Falten gelegt. Und dann rechts und links klassische Schals, die von der Decke bis zum Fensterbrett reichen. Also Vorhänge, genau wie unsere Eltern sie früher hatten, als man stilistisch auf das Althergebrachte festgelegt war und lediglich den Stoff auswählen konnte.
Damit fallen wir auf. Alle unsere Bekannten folgten in den letzten Jahren konsequent der jeweils herrschenden Gardinenmode. Mal üppige, fast schon römisch über eine meist schwarze Gardinenstange an der Decke drapierte Stoffmassen mit schnörkeligen Stoppern an den Enden der Stange; mal lange Baumwollschals bis zum Fußboden; dann halbtransparente, unterschiedlich lange farbige Stoffstreifen, die in unterteilten Schienen an der Decke entlang und wie Schiebetüren übereinander geschoben werden konnten; und nun die Zeiten, in denen manch einer gar nichts an den Fenstern hat. Was mir im übrigen am besten gefällt.
Nur passt das eben nicht zu unserer Wohnungseinrichtung, die meine Freundin – wie gesagt – vor einiger Zeit als „bieder“ bezeichnet hat.
Und da fing ich an zu überlegen, wie ich dazu komme, Einrichtungen oder Wohnungsdeko als bieder zu empfinden – oder eben nicht.
Ich kam dabei auch durchaus zu einem Ergebnis.
Alles, was irgendwann „mainstream“ ist oder war, wird zumindest später in der Erinnerung als bieder empfunden. 
Ich bin davon überzeugt, daß die Generation unserer Kinder irgendwann davon erzählen wird, wie „Weißt du noch? Diese langweiligen, stufig abgesetzten Schrankwände aus Buche Furnier mit den beleuchtbaren Vitrinen vor den unsäglichen Alcantara-Sofalandschaften in Pastelltönen?“ die Wohnzimmereinrichtung ihrer Eltern bestimmten. Und sehr viele werden lachend diese Erinnerung bestätigen und sich dabei genau so auf die Schenkel klopfen wie wir, wenn wir über die Eßzimmer in „Eiche brutal“ lästern, die unsere Eltern- und Großelterngeneration in den Stuben stehen hatten.
Daß meine Freundin und ich nie eine solche Buchenschrankwand mit beleuchtbarer Vitrine im Wohnzimmer hatten und auch keines der angesagten Lümmelsofas, ist für mich der Grund, warum ich unsere Einrichtung nicht als bieder empfinde, weil sie eben nie dem Mainstream gefolgt ist. Sie ist zugegebenermaßen nicht sonderlich spektakulär, ein wenig rustikal und möglicherweise auch konservativ, aber an unsere Wohnung wird sicherlich keiner denken, wenn über die biederen Gardinenmassen der 2000-er gelästert wird.

 

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Unser Bundeslandwirtschaftsminister, so lese ich heute morgen, möchte gern Begriffe verbieten, die - als Name für ein vegetarisches Produkt verwendet - suggerieren, es handele sich eben doch um ein Fleischprodukt.
Ihm missfallen dabei Vokabeln wie „Veggie-Schnitzel“, „Tofu-Braten“, „Sojawurst“ und dergleichen.
Dem Herrn ist offenbar nicht ganz wohl im Kopf; auf jeden Fall aber hat er übersehen (bzw. ist der deutschen Sprache nicht mächtig genug, um es zu erkennen?), dass die Begriffe „Schnitzel“, „Braten“ und „Wurst“ nichts über Fleisch oder Nicht-Fleisch aussagen, sondern lediglich beschreiben, dass etwas abgeschnitten bzw. gebraten wurde oder eine bestimmte Form hat. Gut, bei der Wurst gibt es eine Doppelbedeutung; aber wie sollen Sie denn ein wurstförmiges, vegetarisches Etwas bezeichnen, wenn Sie wollen, dass die Wurstform aus dem verwendeten Begriff eindeutig hervorgeht? „Beidseitig verschlossener Gemüseschlauch zum Garen auf dem Herd“?
Mir scheint, da befassen sich mal wieder Menschen mit Problemen, die keine sind, frei nach Bodo Bachs Motto „Ei, isch hätt‘ do mol gern ä Problem“!
Wichtig bei dem Ganzen ist doch, dass der Verbraucher klar erkennen kann, ob das, was er isst, vegetarisch ist oder nicht. Und alle Begriffe, die die Industrie sich hierfür ausgedacht hat, sind da eindeutig. Und man wird dem Konsumenten ja wohl noch zumuten können, im Zweifel zusätzlich die Zutatenliste zu studieren.
Wer damit überfordert ist, der sollte, wenn er sich vegetarisch ernähren will, eben auf Spaghetti mit Tomatensauce ausweichen, denn da weiß jeder, was er hat. Obwohl dann in der Sauce auch kein Fruchtfleisch enthalten sein darf, denn sonst kommen wieder Zweifel auf…

 

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Heute habe ich in einer Kolumne einen leidenschaftlichen Artikel gelesen, der sich dem immer mehr um sich greifenden Deppen Leerzeichen (sic!) widmete.
Der Artikel war unterhaltsam geschrieben, und natürlich bin ich inhaltlich vollkommen einig mit dem Autor, der die immer weiter fortschreitende Verbreitung dieses Phänomens und auch anderer Rechtschreibauswüschse energisch beklagt.
Im Grunde sind wir ja schon so weit, daß es auffällt, wenn man mal einen fehlerfreien Text vor die Nase bekommt. Früher war das Umgekehrte der Fall: Rechtschreibfaule oder -ignoranten waren die Ausnahme.
Mich über diese Entwicklung aufzuregen, habe ich mir aber mittlerweile abgewöhnt.
Ich bin bescheiden in meinen Erwartungen geworden: so lange ich verstehe, was jemand zum Ausdruck bringen will, jammere ich nur noch ganz wenig. Denn alles Klagen registrieren ohnehin nur die, die klagen – nie diejenigen, über die gejammert wird.

Ob sich das Problem verschärft hat seit der Rechtschreibreform, hab ich nicht weiter analysiert. Sicher gehen die Schreibweisen der Einzelnen aber seither noch weiter auseinander als bisher: die einen, die nach wie vor nach alter Rechtschreibung schreiben (zu denen gehöre ich); die anderen, die die neue Rechtschreibung anwenden; die dritten, die nach alter Schreibung zu schreiben versuchen; und die vierten, die sich mit der neuen Schreibung vergeblich abmühen. Und dann noch die fünften, die eine korrekte Rechtschreibung für völlig überbewertet halten und sich keinerlei Mühe geben.
Ich für meinen Teil ärgere mich nicht über die, denen Rechtschreibung einfach nicht liegt, die das trotz aller Bemühungen schlicht nicht hinkriegen. Das wäre auch reichlich ungerecht, denn ich selbst habe z. B. keinerlei Sinn für Mathematik und Naturwissenschaften, und ich möchte auch nicht, daß jemand deswegen auf mich herabsieht.
Bedauern empfinde ich allerdings wegen denen, denen das alles wurscht ist. Eine fein verwendete oder doch zumindest mit Bedacht gewählte Sprache macht Kommunikation im Allgemeinen doch viel einfacher und unmißverständlicher. Sollte man nicht jedem unterstellen können, daß er bzw. sie sich wünscht, mit Interesse wahrgenommen und richtig verstanden zu werden? Da wäre es doch hilfreich, wenn jede/r sich bemühen würde, so zu schreiben, daß man nicht drei Mal drüberlesen muß, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. 

 

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Es wird Frühling, ich spür‘ es genau!
Wenn der Fühling kurz bevor steht, ist auf einmal alles anders. Die Geräusche, die von der Straße durchs Fenster hereinkommen, sind freundlicher als die Laute des Winters. Nicht so dumpf und auch weniger hektisch. Die Menschen gehen gelassener durch die Stadt, bleiben auch mal vor einem Schaufenster stehen und schauen hinein. Die Vögel singen anders. Die Natur hält zwischendurch inne und gähnt kräftig durch. Dann geht es weiter mit dem Auftauen, dem Wärmetanken.
Das deutlichste Zeichen, daß es auf Frühling zugeht, ist für mich schon immer, wenn die Sportflugzeuge wieder am Himmel ihre Kreise ziehen. Das Geräusch eines Sportflugzeugmotors ist für mich der unfehlbare Auslöser von Frühlingsgefühlen. Höre ich einen Motorflieger über mir, sitze ich in meiner Fantasie sofort wieder im Schloßpark meiner Heimatstadt und schaue meinen Klassenkameraden beim Bolzen zu. Oder ich bin allein und rupfe gedankenverloren Grashalme aus dem Boden, bis meine Finger ganz grün sind. Es ist wie ein Knopf, den jemand drückt, ein Schalter, der immer funktioniert.
Motorflugzeuggeräusche wirken da ebenso fehlerlos wie der Duft von Flieder, der mich immer, wirklich immer an die Geburtstage meiner Kindheit denken läßt. (Den Flieder bekam ich nämlich jedes Jahr von meinem Onkel, der ihn als Geburtstagsgeschenk aus seinem Garten mitbrachte.) Ich sehe dann den Geburtstagskuchen in Herzform vor mir, den meine Mutter für mich gebacken und mit einer selbstmodellierten, mit Spannung erwarteten Marzipanfigur verziert hat. Ich schmecke die Limo, die es bei uns nur an Geburtstagen gab, und ich denke an die Nachmittage, wenn „Kindergeburtstag“ war und wir das Haus voll hatten mit meinen Spielkameraden.
Es gibt für mich so viele Erlebnisse in meiner Kindheit und Jugend, die durch ganz bestimmte, immer gleiche Auslöser wieder in meiner Erinnerung hochkommen und genau dasselbe Gefühl in mir auslösen, das ich damals hatte, als z. B. das Konzert oder das Chorwochenende stattfand, an das ich gerade denke.
Leider funktioniert das alles aber auch mit den negativen Dingen, die ich schon erlebt habe. So gibt das Zeiterfassungsterminal in der Firma, in der ich arbeite, bei Fehlbedienung eine Tonwiederholung von sich, die genau so klingt wie das Bimmeln des Krankenhausaufzugs, das ich vor etlichen Jahren drei Wochen lang tagein, tagaus hörte, immer wenn sich die Fahrstuhltüren öffneten. Ich lag nämlich im allerersten Zimmer der Station, gleich hinter der Stationstür, die in jenem Sommer immer offenstand. Und wenn sich an unserem Zeitterminal einer vertippt, liege ich jedes Mal wieder da in diesem Bett und betrachte die Schläuche, die aus meinem Bauch ragen.

 

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Meine älteste Schulfreundin und ihr Mann sind zur Zeit auf Fernreise und verbringen ihren zweiten Urlaub in Neuseeland.
Wie beim letzten Mal schreiben sie auch diesmal einen Reise-Blog, den ich täglich mit Interesse verfolge. Und es sind nicht nur die Bilder, die mich interessieren, sondern auch, was sie vom anderen Ende der Welt zu erzählen haben.
Das Wetter ist wohl reichlich wechselhaft, und so, wie sie es beschreiben, erinnert es mich an das, was wir seinerzeit an Regengüssen in Irland erlebt haben, wenn es auch in Neuseeland wohl einiges wärmer ist.
Die Besuche bei etlichen Weingütern, die die beiden schon absolviert haben, hätten sicher auch mir gefallen. Und das Linksfahren auf mehrspurigen Straßen hätte E. sicher auch voll im Griff – genau, wie sie das in England bisher auch immer souverän gemeistert hat.
Was A. und W. da aus ihrem Urlaub berichten, liest sich also so, als könnte das auch meiner Freundin und mir gefallen.
Aber wenn ich mir die Bilder betrachte, dann erkenne ich Exotisches nur da, wo ich eh nicht sein wollen würde: beim Schnorcheln im Meer und beim (schudder!) Höhlenklettern (schudder!).
Weingüter, familiär geführte Unterkünfte und faszinierende Küstenstraßen erlebe ich oft, gern und vermutlich ähnlich schön auch in Europa (was A. und W. vermutlich sogar bestätigen könnten).
Beim Lesen dieses Reise-Blogs fühle ich mich also insgesamt in meinem Empfinden bestärkt, daß mir ein paar Wochen in Neuseeland die Strapazen der An- und Heimreise nicht wert wären, und daß wir es, was uns betrifft, mit der Gestaltung unserer Reisen genau richtig machen.
Eigentlich sollte man sich ja ohnehin nicht ins Grübeln bringen lassen durch das, was andere Leute in ihrem Urlaub tun. So lange man sich mit dem eigenen Gestaltungsstil wohl fühlt, ist es gleichgültig, ob andere die Vorstellung langweilt, Ferien an einem Ort zu verbringen, den man auch ohne Flugzeug erreichen kann.
Exotisches läßt sich übrigens auch gut in nahe gelegenen europäischen Ländern erleben: Cumberlandwürstchen mit Zwiebelmarmelade (seeehr lecker!), getrennte Heiß- und Kaltwasserhähne, Postkästen an fast jeder Straßenecke und Teppichboden im Badezimmer.

 

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Wissen Sie, wie und womit man sich heutzutage ganz individuell präsentieren kann?
Mit einem eigenen Webauftritt.
Ausdrucksstark sind allerdings zunächst meist nicht die Inhalte, die man da präsentiert, oder die eigene Meinung zu irgendetwas aus dem aktuellen Weltgeschehen. Nein, die Individualität zeigt sich im Design der Seiten!
Wenn Sie einen eigenen Kleidungsstil für sich etabliert haben, dann können Sie da noch so ausgefallen unterwegs sein – abhängig von dem, was in den Läden zu kaufen ist bzw. aktuell gerade produziert wird, sind da doch die meisten von uns. Nur die wenigsten entwerfen und schneidern ihre Mode selbst. Wenn Sie also eine neon-pinke Hose wollen, müssen Sie warten, bis die mal in Mode kommt.
Und auch Ihren Einrichtungsstil müssen Sie zwangsläufig davon abhängig machen, was gerade en vogue ist bzw. irgendeine Firma aktuell herstellt. Wieviele Schreiner gibt es denn, die ihr Mobiliar selbst bauen können?
Aber eine Webseite – ja, die kann so individuell sein, daß es schon weh tut.
Da wird wirklich für jeden Geschmack etwas geboten. Die Baukastensysteme, die es mittlerweile ja recht zahlreich gibt, lassen keine Wünsche offen. Mit einer eigenen Webseite können Sie Ihrer Individualität Raum geben, zeigen, was Ihnen gefällt oder was Sie bewegt – und das nur durch Farben, Formen, Schriftarten, Bilder, Rahmen, Sticker und was sonst noch alles.
Ich hatte neulich zufällig die Gelegenheit, zwei Internetseiten zu vergleichen, die vom selben Anbieter dasselbe Ausgangsdesign als Grundlage nutzten und doch unterschiedlicher nicht hätten sein können. Was man – wie gesagt – durch die Wahl von Hintergrundfarben und –motiven, Schriftarten und –größen, Bilder, Animationen und die optische Ausrichtung der Inhalte an der Wirkung einer Seite beeinflussen kann, ist schier grenzenlos. Man kann damit Fantastisches zaubern. Man kann allerdings damit auch an die Grenzen des Erträglichen gehen.
Wo die eine Seite für mein Empfinden sehr angenehme Farben hatte und sich auch mit gutem Bildmaterial unaufdringlich-modern zeigte, „glänzte“ die andere Seite durch schrille Hintergrundfarbe, leuchtende, sich drehende Schnörkel-Buchstaben und sonderbar plazierte und gering auflösende Bilder. Welche mir besser gefiel, muß ich wohl nicht dazu sagen.
All das ist Geschmackssache und Ausdruck des eigenen „Spieltriebes“ und hat nur unter anderem mit Qualität zu tun. Sicher gefällt z. B. auch nicht jedem mein schwarz-weißes Design. So wie mir leuchtende Schriften und hopsende Häschen nicht gefallen.
Und genau das ist es, was ich mit „Individualität“ meine – bei der Gestaltung einer Webseite hat jeder freie Fahrt und kann sich ungebremst kreativ zeigen. Der zur Verfügung stehende Farbkatalog unterliegt keiner Mode, Schriftarten gibt es zu Hauf und eigene Bilder kann jeder selbst einbringen.
Wenn man dann noch das Glück hat, daß sich andere trotz(?) der Gestaltung der Webseiten auch noch den Inhalt anschauen, hat man ja alles richtig gemacht.

 

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Jetzt hatte sich die Lage in Limburg nach der Affäre um Tebartz van Elst gerade beruhigt und ein neuer Bischof war eingezogen, da wurde bekannt, daß ein Büroleiter des Bistums wegen Besitzes von Kinderpornographie angeklagt worden ist. Als ich das gestern las, dachte ich nur: „Das hat jetzt grade noch gefehlt!“
Heute morgen aber, als ich im Internet wieder ein Foto vom Limburger Dom sah, traute ich meinen Augen kaum! Denn wie ich den Artikel anklickte, um darin den weiteren Verlauf dieser häßlichen Geschichte mit dem Büroleiter zu verfolgen, las ich etwas ganz anderes, nämlich daß eine neue Ungeheuerlichkeit, ja eigentlich eher eine Lächerlichkeit die Domstadt erschüttert.
Das Glockenspiel des Rathauses spielte nämlich bis vor kurzem immer mal wieder das Lied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“, ein Kinderlied, wie man es sich harmloser nicht vorstellen kann.
Nun hat sich allerdings eine Veganerin über das Abspielen dieses Liedes beschwert und einen Spielstopp gefordert, und zwar vor allem wegen der Liedzeile „…sonst muß ich den Jäger holen mit dem Schießgewehr…“, obwohl ein Glockenspiel bekanntlich gar keinen Text läuten kann.
Und was macht der Bürgermeister? Er läßt das Lied aus dem „Repertoire“ des Glockenspiels herausnehmen und gibt damit dieser Frau nach!
Ja, und nun empört sich die ganze Stadt – meines Erachtens zurecht –, wieso sich wegen so einer lächerlichen Beschwerde zum einen sogar der Bürgermeister einschaltet und dann auch noch diesem Ansinnen nachkommt.
Veganer haben in der Regel ja gute Gründe, auf den Verzehr von tierischen Produkten zu verzichten. Aber die Auswüchse, die diese Frau jetzt zeigt, sind doch nur lächerlich. Zum einen wurde noch nie ein Fuchs erschossen, um ihn dem Speisezettel von Menschen zuzuführen. Zum anderen werden Füchse auch nicht unter tierquälerischen Bedingungen gezüchtet oder gemästet, nur damit wir einen lecker Braten auf dem Sonntagstisch haben. Einen imaginären, noch gar nicht toten Fuchs aus einem Kinderlied, der von einem imaginären Jäger vielleicht erschossen wird, als Aufreger herbeizunehmen, um für die vegane Sache an sich zu kämpfen, ist an Dämlichkeit wohl kaum zu überbieten.
Eigentlich nur von der Reaktion des Bürgermeisters, dieser Dämlichkeit auch noch recht zu geben und der Forderung nachzukommen.

 

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Es ist ja durchaus allgemein üblich, daß in Büros mit Blumen oder Stauden für ein wenig Wohnlichkeit gesorgt wird. Zumindest wird das mit Kübelpflanzen unterschiedlichster Größe gern mal versucht.
In unserem Büro ist für einen Bodenkübel mit Grünzeug nicht genug Platz – mal ganz davon abgesehen, daß wir so etwas wohl auch nicht genehmigt bekämen, denn wir sind weder Führungskräfte, noch arbeiten wir in einem ungemütlichen Großraumbüro, wo sowas schon eher mal für ein wenig „Atmo“ herangezogen wird. Unser Büro ist mit den vier Schreibtischen, die dicht aneinander stehen, quasi schon voll. Da bleibt einzig das Fensterbrett, um dort Pflanzen ein Zuhause zu geben.
Mir wäre das völlig egal, ich brauche das nicht. Und auch die anderen sehnen sich nicht wirklich nach einer Bürobegrünung.
Nun ist es aber so, daß zu den Aufgaben unserer Abteilung auch gehört, Einkäufe zu tätigen, bei denen nicht bar, sondern mit Karte bezahlt wird. Die Hintergründe sind jetzt mal nebensächlich – Tatsache ist jedoch, daß diese Einkäufe einen bestimmten Betrag nicht überschreiten sollten, da es sich dabei lediglich um Funktionstests handelt.
Die Kollegin, die immer losläuft, um das zu erledigen, hat in der Stadt, in der wir ansässig sind, nun schon fast jedes Geschäft, das Kartenzahlung akzeptiert, aufgesucht und uns damit schon das ein oder andere Stück Kuchen oder ein wenig Büromaterial beschafft. Nur brauchen wir ja nicht alle Nas‘ lang neue Bleistifte oder Schreibblocks; und auch der Kuchenkonsum sollte in geordneten Bahnen verlaufen, denn schließlich wollen wir uns ja nicht im Namen der Firma die Figur ruinieren. Deshalb kam sie eines Tages mit einer Orchidee und einem Elefantenfuß aus dem Blumengeschäft wieder, die jetzt beide auf unserem Fensterbrett ihr Dasein fristen.
Weniger Beachtung und Pflege als diese beiden Kreaturen kann man auf dieser Welt, glaube ich, nicht bekommen. Nur hin und wieder schütten wir die Reste aus unseren Wasserflaschen in ihre Töpfe, wenn wir diese Reste nicht mehr trinken wollen, weil sie schon länger da stehen. Naja, gut, eine Kollegin rupft noch ab und zu die gelb gewordenen Blätter am Elefantenfuß ab, damit sie nicht auf ihren Schreibtisch rieseln.
Alles in allem fragt man sich also, wieso sich die Orchidee so ins Zeug legt mit dem Blühen. Sie ist nicht aufzuhalten; unermüdlich produziert sie Blüte um Blüte, wie wenn sie uns beweisen wollte, daß sie ein wenig Zuwendung doch verdient hätte.
Ich selber finde Orchideen ja wirklich zum Gähnen. Ich gebe zwar zu, daß so manche Orchidee faszinierende Blütenformen aufweist; aber die unsere blüht in einem schlichten, langweiligen Weiß, und niemand von uns zeigt sich auch nur im Mindesten beeindruckt.
Das einzige, was mich an dem steten Schaffen dieser Blume berührt, ist die Erkenntnis, wie wenig sie sich von der Gleichgültigkeit der Menschen beirren läßt, die sie umgeben und doch so sehr ignorieren. Vielleicht sollte man doch auch mal das tun, was sie tut: sich einfach dem hingeben, was einem selbst im Leben richtig und wichtig erscheint – egal, was andere darüber denken.

 

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Ich gebe zu, ich bin ein bißchen genervt. Und wenn es so weitergeht wie bisher, bin ich bald sehr genervt.
Seit Ewigkeiten werde ich zugeschüttet mit Videos oder Bildbeiträgen über mißhandelte, verwahrloste Hunde und kriege all die Berichte über skandalöse Zustände in Schlachtereien nur deshalb nicht mehr zum Frühstück serviert, weil ich mich bei Facebook von allen getrennt habe, die solche Beiträge liken oder teilen.
Und jetzt kommt seit November auch noch dieser unsägliche Präsident dazu, der im Minutentakt für einen neuen Artikel gut ist, und dessen Gesicht, dem jede echt empfundene Mimik fremd ist, ich nun wirklich nicht mehr ertrage.
Fast widert mich mittlerweile der Gedanke daran, ins Internet zu gehen, schon an, weil ich genau weiß, daß ich nach Texten, die mich wirklich interessieren bzw. mir neues mitteilen, sehr genau werde suchen müssen. Gequälte Tiere, durchgeknallte Politiker und dann auch noch diese ganzen Meldungen über das Liebes-Aus von Promi X und Sternchen Y und den gerissenen Träger am Abendkleid von Fürstin Z – diese drei Dinge spiegeln im Grunde das komplette Themenspektrum wieder, auf das die Welt von heute es abgesehen hat.
Und selbst aus meiner Tageszeitung glotzt mich jeden Tag dieser organgefarbene Kopf mit dem Blondschopf an, so daß ich, selbst wenn ich mir Internet-Abstinenz verordnen würde, diesbezüglich nicht zur Ruhe käme.
Wieso kann das Internet nicht ein bißchen so sein wie die dritten öffentlich-rechtlichen Programme? Ein bißchen Allgemeinbildung hier, ein wenig unterhaltsame Sachreportage dort? Und alles mit Niveau und der angenehmen Stimme dieses einen Herrn, der offenbar allen Naturreportagen dieser Welt den Ton aus dem Off spendiert hat?
Ich will ja gar nicht so weit gehen und mir diese lustigen Sprachkurse und das Telekolleg zurückwünschen, die es in meiner Kindheit im Dritten gab. Aber dieser Zwang, immer das Beklemmendste, Hippeste und Durchgeknallteste der ganzen Welt in sekündlichem Rhythmus aktualisieren und dabei natürlich das Problem meistern zu müssen, daß einem irgendwann die echten Neuigkeiten ausgehen, macht mich krank. Wenn man mal nichts zu verkünden hat, wieso hält man dann nicht einfach mal einen halben Tag die Klappe (resp. die Finger von der Tastatur)? Nein, da erfindet man lieber irgendwas, und – bitteschön – skandalös und grauenerregend muß es sein und einfach gestrickt, damit auch der Blödeste es versteht.
Kopf ==> Tischplatte

 

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Vor ein paar Tagen war ich morgens extrem früh dran. Als ich auf dem Firmenparkplatz ankam, war der noch fast vollkommen leer. Ich war ganz allein auf dem Gelände, und es war noch stockdunkel und still.
Besser gesagt: es war überhaupt nicht still, denn hoch über den Wipfeln der Bäume, die da auf unserem Parkplatz stehen, kreischte ein einzelner Vogel.
Ich erkannte an diesen Schreien nicht, um was für einen Vogel es sich handelte, denn ich erkenne Vorgelstimmen grundsätzlich nicht. Klar war mir nur, es war kein Spatz.
Deswegen schaute ich nach oben, um vielleicht doch herausfinden zu können, wer da so einen Krach machte.
Und da staunte ich nicht schlecht! Ich stand nämlich zwischen vier der Platanen, die über den ganzen Parkplatz verteilt in den Himmel ragen. Und auf jeder dieser vier Platanen saßen hoch oben in der Krone bestimmt 20 bis 40 schlafende Elstern. Und wirklich nur in den Platanen – die Kastanien daneben waren vollkommen leer, da saß kein einziger Vogel.

Dieser Anblick, diese große Ansammlung von reglosen, in ein und derselben Haltung verharrenden, großen schwarz-weißen Vögel vor pechschwarzem Himmel in blattlosen Baumkronen, das war so ergreifend, daß es schon was Gruseliges hatte.
Im Grunde konnte ich dankbar sein, daß wenigstens eine der Elstern schon ausgeschlafen hatte und so ein Geschrei veranstaltete. Denn ohne das hätte ich gar nicht nach oben geschaut und somit dieses Bild überhaupt nicht wahrgenommen.

 

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Bei der Arbeit in einem Vierer-Büro zu sitzen, hat Vor- und Nachteile.
Wenn es sich – wie bei uns – so verhält, daß alle sich gut vertragen, wiegen m. E. die Vorteile schwerer: man bekommt mit, was die anderen fachlich gerade bewegt, womit sich alle beschäftigen, kann sich bei Problemen mit den anderen austauschen, woraus man nicht selten auch was lernt, man lacht miteinander, z. B. wenn man sich dem gemeinsamen Lästern widmet (meine Kollegin sagt ja immer: „Wir lästern nicht, wir tauschen Fakten aus!“) und man bleibt in Übung, was die Teamfähigkeit anbelangt.
Es gibt, wenn man sich gut versteht, allerdings auch Nachteile. Manches Mal artet das Miteinander-Lachen auch derart in Albernheit aus, daß es schwierig wird, am Ende wieder die Kurve zur Ernsthaftigkeit zu kriegen. In meinem Fall ist es so, daß meine drei Zimmerkolleginnen alle deutlich jünger sind als ich. Und da bleibt bei Albereien auch gern mal der Respekt voreinander auf der Strecke. Auch bei uns gilt nämlich „Lieber einen Freund verlieren als einen guten Gag verpassen!“. Und wenn aufgrund dieser Haltung ein Stein der (anfangs lustig gemeinten) Unverschämtheit mal ins Rollen gekommen ist, gibt es in der Regel kein Halten mehr. Dann muß man schon hart im Nehmen sein!
Zu Diskussionen kann auch die Raumtemperatur führen. Gut, wir sind nur Frauen im Büro, da fällt eine Einigung etwas leichter. Aber auch wir haben unterschiedliche Vorstellungen von „angenehm warm“. Ich z. B. bekomme Schnappatem, wenn die Temperatur 23°C übersteigt. Meine Kolleginnen dagegen leben ab da erst richtig auf. Sie sind aber so lieb, auf mich Rücksicht zu nehmen, und da ich zudem einen Fensterplatz habe, habe ich auch die Frischluftzufuhr unmittelbar in meiner Hand.
Glücklicherweise gibt es auch keine Spannungen zwischen uns, weil ich es nicht ertragen kann, wenn permanent ein Radio läuft – vor allem in einem Mehrpersonenbüro finde ich das sehr störend. Und meine Kolleginnen üben da wirklich Verzicht, denn immer, wenn ich nicht da bin, stürzen sie sich freudig und eifrig auf das kleine Radio, das im Regal steht.
Gerade in den letzten Wochen ist mir nun noch ein weiterer Nachteil eines Mehrpersonenbüros aufgefallen:
Unser Bestand an Sitzungszimmern hat sich jüngst sehr dezimiert, so daß die meisten den ganzen Tag über belegt sind – auch während klassischer Mittagspausenzeiten, da in diesen 1 – 1,5 Stunden in der Regel keine Telefonkonferenzen mit Externen stattfinden. Da nutzt man also gern diese Zeiten, um interne Besprechungen durchzuführen. Und wenn diese Besprechungen wie gesagt in den Sitzungszimmern stattfinden, kann ich nirgendwo mein Mittagsnickerchen machen, denn im eigenen Büro ist immer jemand da, der einen fragt „Naaaa, biste müüde?“ und mit weiteren Neckereien vom Pausenschlaf abhält.
Und wenn ich jetzt so über diesen Artikel drüberlese, merke ich, daß ich eigentlich für ein „Mehrbettzimmer“ bei der Arbeit gar nicht geeignet bin. Denn wo ich zu Beginn behauptete, die Vorteile wögen schwerer, bringe ich anschließend eine ganze Latte von Nachteilen, die vor allem für meine Kolleginnen welche sind. Schließlich nehmen die ganz ordentlich Rücksicht auf mich. Da muß ich eingestehen, daß es nur recht und billig ist, wenn ich mir die ein oder andere neckende Respektlosigkeit gefallen lassen muß.

 

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Kürzlich habe ich in einem Blog, den ich regelmäßig verfolge, einen Artikel über den Inhalt von Küchenschubladen gelesen, der sich in nicht unerheblichen Teilen aus Küchenwerkzeugen unterschiedlichen Zwecks zusammensetzte. Erst dachte ich „och, wat spannend!“ und wollte schon zu gähnen anheben, aber dann wurde es doch interessant.
Der Artikel erzählte nämlich von der Geschichte der einzelnen Werkzeuge und davon, wie gehegt und gepflegt sie die letzten Jahrzehnte überlebten, denn sie fanden sich in der Küchenschublade einer alten Dame, die beide Weltkriege und damit lange Zeiten der Entbehrung kennen- und die Dinge als solche daher wertschätzen gelernt hat.
Der Artikel sprach aber auch davon, daß jeder Mensch eine andere Vorstellung von einer sinnvollen Ordnung im Haushalt hat und daher gerade diese Küchenwerkzeuge an sehr individuellen Orten greifbar hält – je nachdem, wo sie gefühlt thematisch eben am ehesten hingehören. Denn so kam es auch, daß in besagter Küchenschublade ein Sammelsurium von mehreren Kartoffelschälern zusammengekommen war, weil immer mal wieder jemand einen nachgekauft hatte, nachdem er den im Haushalt schon vorhandenen Schäler nicht an der Stelle gefunden hatte, wo er ihn gesucht hatte.
Als ich so über all das nachdachte, erinnerte ich mich dann auch schlagartig wieder an meinen Einzug in den damals schon bestehenden Haushalt, in dem ich jetzt wohne. Meine Freundin und ich haben seinerzeit alle Geschirr- und Küchenschränke leergeräumt und dann ihre und meine Habseligkeiten gemeinsam wieder eingeräumt, damit nicht in diesem Schrank ihre Sachen und in jenem Schrank meine Sachen lagerten. Und bei dieser Einräumaktion diskutierten wir durchaus hin und wieder darüber, wie wir uns eine sinnvolle Einordnung vorstellten. Ist es sinnvoller, Schüsseln ganz oben ins Regal zu stellen, weil man sie nur ganz selten braucht? Oder wäre es nicht besser, sie ganz unten hinzustellen, weil man recht schwer daran hebt? Das waren Überlegungen, die uns einige Zeit in Anspruch nahmen.
Und auch gerade im Bereich der Schubladen gingen unsere Vorstellungen von praktisch und unpraktisch weit auseinander. Ich kann mit einigem Stolz verkünden, daß meine Freundin sich doch an dem ein oder anderen Punkt durch meine guten Argumente zu einem Umgewöhnen überreden ließ und z. B. meine Sortierung von besonderen Messern oder die Richtung, in die die quer liegenden Löffelstiele ragen, für sich adaptiert hat. Und wir sind uns auch einig, daß nicht eine von uns klammheimlich durch stetes Widersetzen gegen die vereinbarte Ordnung den ‚Wohnraum‘ unseres Bestecks sukzessive umgestaltet.
Eine einzige Sache war bisher temporär umgezogen von der Küche ins Eßzimmer: E. hatte zeitweise den Kapselheber aus dem Schubladenfach mit den Eierlöffeln in die Eßtischschublade mit dem Korkenzieher gelegt. Und wenn ich auch eingestehen muß, daß er dort thematisch viel besser hinpaßt, haben wir ihn doch wieder zurück zu den Eierlöffeln gesellt. Einfach weil ich in diesen Dingen flexibel wie ein Amboß bin und mich einfach nicht umgewöhnen will.

 

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31
Jan
Krimi-Poesie

Seit einiger Zeit bin ich im Besitz eines E-Books, das ich leidenschaftlich ins Herz geschlossen habe!
Die Möglichkeit, innerhalb von Sekunden oder Minuten ein neues Buch in Händen halten zu können, ohne das Haus verlassen oder Ladenöffnungszeiten beachten zu müssen, bereitet mir immer wieder große Freude.
Natürlich passiert es einem dabei aber doch das ein oder andere Mal, daß man ein Buch erwirbt, das sich bei näherem Hineinlesen dann doch als Fehlgriff entpuppt. So ein Fehlgriff ist, wenn man in einem Laden Gelegenheit hat, ins Buch hineinzuschauen, leichter zu vermeiden.
Solange solche Fehlkäufe nur sporadisch passieren, kann ich mit diesem Nachteil allerdings recht gut leben. In der letzten Zeit unterliefen sie mir aber leider zahlreicher, als mir lieb ist.
Dankbar habe ich daher alle Angebote von Freundinnen angenommen, mir von ihren Büchern etwas auzuleihen. Dazu kam, daß ich von einer weiteren Freundin auch das ein oder andere Buch in Papierform geschenkt bekam, und mit dieser großen Auswahl an Lesestoff wollte ich es mir in den nächsten Wochen auf meinem Lesesessel hübsch bequem machen.
Nun, ich erkannte aber leider nicht zum ersten Mal, daß Bücher sehr stark Geschmackssache sind, und daß sich mein Geschmack mit dem meiner Freundinnen nur sehr bedingt deckt.
Ich las alle geliehenen und geschenkten Bücher durchaus an, mußte aber relativ schnell feststellen, daß sie mich entweder irgendwann langweilten oder mir von vornherein aufgrund ihres Schreibstils oder Themas nicht gefielen. Familiensagas, historische Romane (schlimmstenfalls welche, die im Mittelalter spielen) und allzu romantisierende Schmachtfetzen, in denen die Protagonisten immer arm, krank, von Mächtigeren gepeinigt, aber doch stets von überaus edlem Geist sind, ertrage ich einfach nur schwer! Und die kann ich auch einer Freundin zuliebe nicht zu Ende lesen, zumal genau diese Bücher sich meist durch mehrere hundert Seiten auszeichnen, an denen man naturgemäß eine ganze Weile liest.
Wie glücklich war ich da, als ich den Krimi in Angriff nahm, den ich von einer Freundin, die mich im Grunde gar nicht so gut kennt, zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte! Es war Balsam auf meine geschundene Leserseele! Es war ein Buch, in dem ich förmlich versinken konnte, dessen Schreibstil mich gefangen nahm, und dessen Plot mich fesselte! Ich las und las und las und ärgerte mich maßlos, wenn meine Mittagspause allzu schnell vorbei war und ich zurück an die Arbeit mußte.
Nun habe ich mir von derselben Schriftstellerin einen weiteren Krimi als Ebook heruntergeladen und schwelge in der Erkenntnis, daß ich da offenbar eine Entdeckung für mich gemacht habe: von dieser Dame werde ich sicher noch weitere Bücher lesen und dabei sehr wahrscheinlich (hoffentlich?!) von weiteren Fehlgriffen bis auf weiteres verschont sein.
Wen’s interessiert: Tana French, so heißt die Gute, und sie verbindet guten Krimistoff mit poetischer Sprache, wie man sie in diesem Genre normalerweise nicht antrifft.

 

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Gestern fand in unserem Eßzimmer eine Zusammenkunft von Vertretern örtlicher Vereine und der Lokalpolitik statt, um über ein Konzept zu sprechen, das unsere Region touristisch etwas besser vermarkten soll.
Anwesend war neben dem von der Politik beauftragten Fachmann auch die „Schirmherrin“ des Ganzen, die Bürgermeisterin unserer Verbandsgemeinde. Sie kommt aus dem Nachbarort, und ihr liegt am Ansehen unserer Region daher schon aus „patriotischen“ Gründen sehr viel.
So war das Gespräch eine lose, wenngleich fruchtbare Plauderei von Einheimischen, die sich auskennen und einzuschätzen wissen, was geht und was nicht.
Besprochen wurden Streckenführungen für neu einzurichtende Premium-Wanderwege, die Möglichkeiten, die örtliche Gastronomie optimal einzubinden, das Vermarktungs- und – nicht zu vergessen – das Beschilderungskonzept für eben jene neuen Wege.

Meine Freundin regte am Ende an, die Bürgermeisterin könne doch all die tollen Fotos, die sie bei ihren privaten Wanderungen immer macht und bei Facebook veröffentlicht, für die Broschüren zur Verfügung stellen, die später dann für interessierte Gäste der Region bereitgestellt werden sollen.
Da lachte die Gute und meinte, ja, sie mache immer viele Bilder bei ihren Touren und stelle sie deswegen bei Facebook ein, weil (und dabei fuchtelte sie mit den Armen) „es da ja etwa 1.200 Leute gibt, die angeblich meine Freunde sind. Die sollen ruhig sehen, wie schön es bei uns ist, und mal vorbeikommen.“ Sie schüttelte bei dem Gedanken, wer sich da alles mit ihr verknüpft hat, ungläubig den Kopf, denn offenbar kennt sie von den so vielen Leuten nur die wenigsten wirklich persönlich.

Und da dachte ich mir, ich scheine doch eine Ausnahme zu sein, wenn ich alle Freundschaftsanfragen von Leuten, die ich gar nicht kenne, einfach mal ablehne. Gut, ich bin nicht in der Politik, und manchmal mag es dort schon hilfreich sein, auch bei Facebook von vielen wahrgenommen zu werden. Wenn eine Verbandsbürgermeisterin solche Freundschaftsanfragen annimmt, steckt da also sicher auch kluges Kalkül dahinter – wie sie es ja auch gesagt hat. Aber ich frage mich, wieso sie von so vielen überhaupt angefragt wird, wenn die sie doch gar nicht kennen. Wieso interessieren sich diese Leute so sehr für das, was Frau X privat unternimmt? Ich verstehe es nicht.

 

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Was erwarten Sie, wenn Sie einen Brotaufstrich „Tomate & Mozzarella (mit Käsezubereitung)“ auf Ihre Scheibe Graubrot streichen? Genau! Sie erwarten einen Aufstrich, der nach Tomate mit Mozzarella schmeckt.
Mir ging es heute morgen genauso, als ich das Döschen öffnete und beherzt mit dem Messer eintauchte, um mir Tomate-Mozzarella aufs Baguette zu klatschen.
Ich staunte nicht schlecht, als ich zubiß.
Klar, wenn ich die Zutatenliste gelesen hätte, dann hätte ich gewußt, daß auch Gurken, Zwiebeln, Essig und Senf den Weg in das Produkt gefunden hatten; aber daß ausgerechnet die Bestandteile, die man am wenigsten als solche herausschmecken konnte, dem Aufstrich den Namen gegeben hatten, hatte ich nicht ahnen können!

Nun ist es so, daß ich den Geschmack von Gurken und Zwiebeln ja nicht gerade verabscheue. Nein, ich esse beides durchaus gern. Einen Gurken-Zwiebel-Senf-Aufstrich hätte ich vielleicht sogar ebenfalls gekauft. Aber wenn ich beim Konditor ein Stück Sacher-Torte verlange, möchte ich ja auch keine Käseschnecke eingepackt bekommen, oder? Also erwarte ich von einem so benannten Tomaten-Mozzarella-Brotaufstrich bitte schön auch ebendieses: einen Aufstrich aus Tomaten mit Mozzarella.
Ich weiß, sie stehen jetzt alle auf, die klugen Menschen, die mir erzählen wollen, daß im Hundekuchen ja auch kein…. Sie wissen schon…!
Aber spätestens seit Einführung des Baby-Breis wissen wir ja alle, daß Nahrungsmittelbezeichnungen entweder die Inhaltsstoffe bzw. Geschmacksrichtung oder die Zielgruppe für deren Verzehr benennen. Diese Betrachtung brauchen wir also an dieser Stelle nicht weiter zu vertiefen und mit Schenkelklopfhumor einander die Komikargumente um die Ohren hauen.
Am besten ist es halt einfach, wenn man sich, was auch immer man aufs Brot haben möchte, den Belag selbst zubereitet – und wenn es sein muß, aus Tomate und Mozzarella mit einem Hauch von Basilikum.

 

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09
Jan
Tokelau

Durch meine berufliche Tätigkeit erfuhr ich heute, daß Tokelau in einem bestimmten Kontext einen eigenen sog. „Country Code“ erhält.
Darüber staunte ich, hatte ich doch bis dahin von der Existenz Tokelaus nicht die geringste Ahnung gehabt!

Eine Recherche mit Tante Guhgel bescherte mir dann die Information, daß es sich bei Tokelau um eine von Neuseeland abhängige Gruppe von drei Atollen handelt, die irgendwo ziemlich genau in der Mitte zwischen Australien und Südamerika liegt. Dabei erfuhr ich dann auch, daß Tokelau gut 1.300 Einwohner und eine eigene Landessprache hat – und mit mehr als 90% Prozent den höchsten Anteil an Übergewichtigen im ganzen Südpazifik. Da erlaube ich mir aber doch glatt die Vermutung, daß Tokelau diesen Rekord nicht nur im Südpazifik hält.
Ich frage mich, wie ein Volk mit so wenigen Landeseinwohnern es schafft, nicht durch die Langzeitfolgen der Inzucht zugrunde zu gehen. Man muß ja bedenken, daß die ohnehin schon sehr wenigen Menschen sich auf drei Atolle verteilen, zwischen denen man nicht einfach mal so hin- und herschwimmen kann. Die liegen ziemlich weit auseinander, so daß man sich nicht zufällig mal über den Weg laufen kann. Und die Bilder, die ich mir von den dreien habe anschauen können, deuten auch nicht auf vorhandene Häfen oder dergleichen hin. Ganz zu schweigen von Flughäfen oder –plätzen! Die Inseln haben die Form von zu lange frittierten Calamares, da ist an den Bau einer Landebahn nicht zu denken, denn die Ringe sind jeweils nur wenige Meter breit.
Insofern stellt sich im Grunde nicht nur die Frage nach der Erhaltung einer gesunden Population (zu viele Verwandte, zu wenig Bewegung), sondern auch danach, wie die Menschen dort es schaffen, friedlich miteinander auszukommen. Wenn man tagein, tagaus so dicht aufeinander sitzt, dürfte es doch gar nicht so selten zu Auseinandersetzungen kommen. Und auch wenn die Bürger Tokelaus vielleicht etwas friedliebender und weniger aggressiv sind als wir Europäer, dürfte hier doch ein gewisses Konfliktpotential schlummern.
Vielleicht haben die Menschen in Tokelau einfach zu wenig Kontakt zu anderen Völkern, werden selten genug von außerhalb und mit Besuch belästigt, daß ihnen Haß, Neid, Gier, Machtgelüste usw. bis heute völlig fremd geblieben sind, so daß ein friedliches Miteinander für sie eine Selbstverständlichkeit ist und bleiben wird. Wenn das so ist, dann ist ja wohl klar, wo auf Erden das Paradies zu suchen ist.

 

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Als ich heute morgen mit dem Auto losfuhr, fiel mein Blick auf das Thermometer, das mir sage und schreibe -12°C anzeigte.
Ich rief sofort zu Hause an, um E. auf diese arktische Kälte hinzuweisen und sie zu bitten, dem Hund heute morgen beim Gassigang sein Mäntelchen überzuziehen, denn ich war überzeugt, daß diese Temperaturen nun doch auch ihm zusetzen würden.
Später, als ich dann schon im Büro saß, rief E. mich an, um zu erzählen…
Rocky hatte sich den Mantel wohl zunächst ohne größere Widerstände anziehen lassen. Aber als E. mit ihm die Straße betrat, so berichtete sie, schaute er sich ganz unsicher um und um, ob ihn wohl jemand in diesem albernen Aufzug sehen konnte. Es war anscheinend offensichtlich, daß er sich nicht sonderlich wohl fühlte mit seinem wärmenden Umhang.
Bis auf das Stückchen Rasen, auf dem er sich immer erleichtert, ging er dann mit, setzte sich dort, erledigte sein Geschäft, eilte danach auf den befestigten Weg zurück und verweigerte von da an jeden weiteren Schritt! E. meinte deutlich zu erkennen, daß er dieses Mäntelchen (das wirklich schick ist und eines echten Mannes durchaus würdig!) abscheulich findet und nicht weiter zu tragen gewillt ist. Sie nahm es ihm daher probehalber ab, und siehe da: sogleich setzte unser eitler Hund seinen Weg wie gewohnt fort!
Jetzt bleibt nur zu hoffen, daß es nicht noch kälter wird in diesem Winter, denn in diesem Fall wird er sich an seinen neuen Anorak gewöhnen müssen. Momentan aber sieht es so aus, als hätten wir uns das Geld dafür sparen können.

 

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Ich erinnere mich, daß Anfang der Achtziger Jahre große Aufregung an unserem Gymnasium herrschte. Der Südwestfunk drehte zu dieser Zeit nämlich den Mehrteiler „Blut und Ehre – Jugend unter Hitler“, und an unserer Schule wurden Schüler und Schülerinnen als Statisten rekrutiert!

50 Mark bekam jeder Junge, der bereit war, sich für die Statistenrolle die Haare im Stil der Dreißiger „scheren“ zu lassen. Heute wären diese Frisuren wieder topmodern – der Undercut ist ja ziemlich angesagt momentan. Damals aber war es tatsächlich angebracht, die Jungs dafür zu bezahlen, denn mit so einem Haarschnitt lief niemand gern herum, und es dauerte ja einige Wochen, bis das wieder rausgewachsen ist.

Die Mädels hatten es da leichter. Die meisten zumindest; ich gehörte zu denen, die beinahe nicht hätten dabei sein können, weil meine Haare nur etwas länger als kinnlang waren und daher nur sehr mühsam zu Zöpfen geflochten werden konnten. Ich sah recht dämlich aus damit, aber auch ich war natürlich bereit, für diese einmalige Gelegenheit die Eitelkeit beiseite zu schieben.

Es war April, und es war nicht sonderlich warm. Die Szenen, die gedreht werden sollten, spielten jedoch im Sommer, und so kam es, daß wir eines Tages erbärmlich frierend an einer Karlsruher Kreuzung standen und immer und immer wieder ein und dieselbe Szene drehten, zu der wir nichts weiter beitrugen, als mit unserem Herumstehen die Szenerie zu beleben.

Obwohl ich natürlich stolz wie Oskar war, dabei sein zu können, hoffte ich doch im Stillen, daß mich nachher, wenn die Serie im Fernsehen lief, niemand auf den Bildern erkennen konnte, denn ich trug ein hellblaues Kleid aus – sehr authentisch! – lappigem Stoff, das nur bis zu den Knien reichte, dazu weiße Kniestrümpfe und Ledersandalen. Mein Haar war zu zwei winzigen Zöpfen geflochten, die sich schon nach sehr kurzer Zeit in Auflösung befanden, da es - wie gesagt - im Grunde viel zu kurz war. Das hellblaue Kleidchen war hochgeschlossen (was ich schon immer gehaßt habe, weil es mir dabei fast die Luft abschnürt), hatte ein Bubikrägelchen, das mich wie ein Kleinkind aussehen ließ, und einen Gürtel, der eigentlich in der Taille hätte sitzen sollen, aber tatsächlich unter meiner Brust herlief. Meine Knie waren damals schon knubbelig und meine Waden sehr stramm, weshalb ich mich auch wegen der Kürze des Kleides ziemlich genierte.

Meine Klassenkameradinnen sahen aber alle auch nicht viel besser aus, und so wagte keine, verletzende Bemerkungen über das Aussehen der anderen zu machen. Auf diese Weise war das eigentlich beschämende Outfit dann doch ganz gut zu ertragen.

Ich weiß noch, daß bei der Szene, die wir da drehten, Leslie Malton eine wesentliche Rolle spielte. Gesehen haben wir sie allerdings nur von weitem – schade.

Ein paar Tage später mußten wir in Durlach gefühlte fünfzig Mal jubelnd aus einer Schule rennen (es war das Markgrafen-Gymnasium) – der Beginn der Sommerferien wird wohl in jedem Film so dargestellt, obwohl ich im wahren Leben noch nie auch nur einen Schüler am letzten Schultag vor den Ferien so die Schule habe verlassen sehen.

Beide Szenen, bei denen ich mitwirkte, wurden tatsächlich nicht herausgeschnitten, aber nur beim AusderSchulerennen war ich im Bild wirklich zu sehen. Ich erkannte mich sofort, meine Familie aber konnte mich in den wenigen Sekunden, die ich durchs Bild flitzte, nicht ausmachen.

Besser erging es da ein paar von meinen Klassenkameraden, von denen einer sogar einen Satz sprechen durfte. Die anderen sangen in einer Gruppe von BDM-Mädels ein markiges Lied, und ein paar Jungs waren in einer Szene ebenfalls großformatig zu sehen.

Dunkel meine ich mich zu entsinnen, daß auch in den Gebäuden unseres Gymnasiums gedreht wurde, und daß der Umstand, daß es sich um sehr alte Gemäuer handelt, überhaupt erst dazu geführt hatte, daß an unserer Schule auch die Statisten ausgewählt wurden.

Es würde mich interessieren, ob ich meine ehemaligen Mitschüler und mich selbst auch wiedererkennen würde, wenn ich den Mehrteiler heute noch einmal sehen würde. Ich muß mal schauen, ob ich ihn mir nicht mal auf DVD beschaffe.

 

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02
Jan
Oma

Aus irgendeinem Grund mußte ich gestern kurz an meine Oma denken. Ich kann nicht eindeutig sagen, was in mir diesen Erinnerungsfetzen aufgewirbelt hat, aber er kam ganz plötzlich und trieb dann eine Weile an der Oberfläche. Wahrscheinlich war es ein ähnlicher flüchtiger Anlaß wie der Geruch von nassen, alten Sandsteinplatten, die man oft vor Kirchen oder in Vorgärten alter Villen findet, und die mich auch immer an meine Oma denken lassen, oder besser: an den Hof hinter ihrem Häuschen.

Meine Oma wohnte die letzten Jahre ihres Lebens nicht mehr in diesem besagten Häuschen, sondern hatte ihr Haus samt Grundstück eingetauscht gegen eine Eigentumswohnung in dem Haus, das auf dem Nachbargrundstück bereits gebaut worden war, bevor dann nach ihrem Umzug auf ihrem Grundstück ein weiteres Mehrfamilienhaus entstand.
In dieser Wohnung sehe ich sie in meiner Erinnerung nie. Immer sitzt sie vielmehr auf dem braunen Sofa im Wohnzimmer ihres alten Häuschens, ein Buch in der Hand, vor sich das Usambaraveilchen auf dem Tisch („weil die so wenig Wasser brauchen“) und neben sich das Strickzeug, das sie für 50 Seiten lesen kurz weggelegt hat. In den braunen Ofen mit der beigen Vorderseite hat sie gerade vor fünf Minuten frisch Öl aufgefüllt, so daß es im Zimmer gut warm ist.
Die Tür zum Eßzimmer, das sie immer nur dann nutzt, wenn Besuch da ist, steht offen und gibt den Blick frei auf die Chaiselongue („Schässlong“) mit dem weinroten, elastischen Kunstfaserbezug, auf dem ich immer schlief, wenn ich ein paar Tage bei ihr verbrachte.

Ich übernachtete gar nicht gern bei ihr, was aber nicht an ihr lag, sondern daran, daß ich ein schreckliches Mama-Kind war und immer gleich Heimweh bekam, wenn ich mal woanders war.
Aber ich war sehr gern bei ihr zu Besuch. Meine Oma war eine schwierige Frau, das ist mir heute klar, aber als Oma für Kinder war sie in mancher Hinsicht ziemlich gut!
So spielte sie, obwohl sie damals ja schon eine alte Frau war (ja, ich weiß, das war sie nicht, aber es kam mir halt so vor), oft mit mir in diesem Hof, dessen Sandsteinplattengeruch mir so im Gedächtnis geblieben ist. Sie hatte da so tennisballgroße Plastikbälle, die wir immer mit einem Spätzlebrett hin- und herschlugen. Tennis für Arme sozusagen. Und manchmal landete der Ball auch im Nachbargarten, bei „d‘r Miller Lissl“. Wenn die sich gerade dort aufhielt, bekamen wir den Ball nicht eher zurück, bis besagte Lissl meiner Oma ausführlich von ihrem letzten Arztbesuch oder von den Schmerzen in ihren Hüften erzählt hatte. Aber das erzählte sie ihr auch, wenn der Ball gar nicht nach drüben geflogen war, sondern wir uns nur so draußen aufhielten oder uns auf unsere Spätzlebrettschläge konzentrierten.
Die Miller Lissl war eigentlich ganz nett, fand ich, ein wenig einfältig halt und krank und alt. Meine Oma schaute, wenn ich das richtig sehe, ein bißchen auf sie herab, wohl wegen ihrer Einfältigkeit. Den wahren Grund verstand ich nie. Auf jeden Fall kann ich mich erinnern, daß meine Oma sich mächtig aufregte, als die Lissl eines Tages mit haargenau dem gleichen Brillengestell auftauchte, das meine Oma sich ein halbes Jahr zuvor gekauft hatte. Sie tobte vor Wut, denn daß die Lissl sich die gleiche Brille leisten konnte wie sie, war für sie inakzeptabel! Wenn ihre Gläser nicht so schrecklich teuer gewesen wären, wäre meine Oma wohl sofort losgelaufen und hätte sich eine neue Brille machen lassen.
Sie war halt eitel, meine Großmutter.
So wäre sie z. B. auch sonntags nie in Schuhen zur Kirche gegangen, deren Absätze schon mal neu besohlt worden waren. Wie wenn das jemals jemand anderem wichtig gewesen wäre, zumal man sowas ja oft gar nicht erkennen kann.
Und wenn sie sich neu einkleidete, dann mußte zu dem neuen Rock und zur Bluse unbedingt auch ein neuer Mantel her, der farblich dazu paßte – ob man unter dem Mantel Rock und Bluse sah oder nicht. Hierzu gehörte natürlich auch passender Hut und Regenschirm!

Bei der Hochzeit meiner Schwester aber war das, worüber wir sonst immer lächelten, ein Grund, stolz auf Oma zu sein. Denn sie war mit Abstand die bestaussehende und bestgekleidete Dame auf dem ganzen Fest! Wie aus dem Ei gepellt stand sie da, und nicht wenige hielten sie für die Frau meines Vaters (der ihr Sohn ist) – was wahrscheinlich auch dem Umstand geschuldet war, daß sie nur 19 Jahre älter war als er und sich mächtig gut gehalten hatte.

Und jetzt lebt sie schon seit 11 Jahren nicht mehr – fast 91 ist sie geworden.
Und sie war bis zum Schluß auf eine gute Erscheinung bedacht. Sie war zwar am Ende ein wenig wacklig auf den Beinen und saß im Grunde den ganzen Tag nur noch in ihrem Lesesessel; aber als ich seinerzeit mit meiner Freundin bei ihr vorbeikam, um die beiden einander vozustellen, schoß sie wie ein geölter Blitz aus eben jenem Sessel in die Höhe und reichte aufrecht stehend meiner Freundin die Hand, um sie in der Familie willkommen zu heißen.

 

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Vor einiger Zeit fuhr ich mit dem Auto in den örtlichen Supermarkt.
Und wie ich so vor mich hin fuhr, hörte ich von irgendwo so ein komisches Knacken, Ploppen, ich weiß nicht, wie ich’s nennen soll.
Ein paar Sekunden später vernahm ich wieder eines, und dann wieder und wieder.
Ich wurde schon ganz unruhig und war kurz davor, rechts ran zu fahren, um mal einen Blick unter die Motorhaube zu werfen. Gottseidank fiel mir noch rechtzeitig ein, daß das auch nichts geholfen hätte, denn was hätte ich denn da erkannt? Selbst wenn da etwas nicht in Ordnung gewesen wäre? Wie es da drin auszusehen hat, weiß ich ja überhaupt nicht.
Also fuhr ich weiter und hoffte einfach, daß nicht irgendeine überlebenswichtige Komponente meines Autos in Auflösung begriffen war.

Ich erledigte im Supermarkt meine Einkäufe und gab noch mein PET-Leergut im Leergutautomaten ab. Ich wunderte mich zwar, daß die Wasserflaschen alle ziemlich deformiert waren, so als hätten wir sie kräftig zusammengedrückt, bevor wir den Deckel draufschraubten, aber ich dachte nicht weiter drüber nach, denn der Automat nahm sie gottlob trotzdem gut an.

Ein paar Tage später öffnete ich, wie ich das immer tue, morgens im Büro als erstes das Fenster, denn bei vier Personen in einem Raum steht die Luft schnell ab.
Kaum saß ich auf meinem Hintern und las meine ersten E-Mails, machte auf einmal mit einem lauten PLOPP die leere Wasserflasche vor mir einen Hüpfer und kippte einfach so um. Da glotzte ich nicht schlecht. Und die Flasche daneben tat kurz darauf das selbe, also umkippen.

Als ich sah, wie zerbeult die beiden Flaschen auf einmal waren, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: durch die Kälte, die von draußen hereingekommen war, hatte sich die Luft in den Flaschen zusammengezogen, die Wände krumpelten sich irgendwo in der Mitte der zylindrischen Gefäße zusammen und beraubten diese damit ihrer Stabilität.

Und auf einmal war auch das Rätsel um die ploppenden Geräusche in meinem Auto gelöst! Waren nicht auch die Flaschen, die ich kürzlich im Leergutautomaten entsorgt hatte, völlig verformt gewesen? Und hatten die Geräusche, die mich so beunruhigt hatten, nicht ganz ähnlich geklungen wie das jetzt gerade?

Fasziniert von diesem einfachen physikalischen Normalverhalten (das hatte sogar ich in Erinnerung behalten, daß Luft sich zusammenzieht, wenn sie kälter wird) ließ ich die umgekippten Flaschen einfach mal so liegen und beobachtete, was geschah, nachdem ich das Fenster wieder zugemacht hatte.
Wenig überraschend nahmen sie ihre ursprüngliche Form wieder an, nicht ohne auch hierbei wieder jede Menge Plopps und Knacks und Krumpels von sich zu geben. Nur aufrichten konnten sie sich nicht wieder von allein.

Erstaunlich war für mich aber doch, wie schnell das alles vonstatten ging. Die Experimente, die unsere Lehrer früher im Physikunterricht durchgeführt hatten, hatten nie geklappt – oder wenn, dann hatte es eine Ewigkeit gedauert, bis ein Effekt zu erkennen war.
Doch ich muß meine Lehrer auch ein wenig in Schutz nehmen: sie hätten das mit der kalten Luft seinerzeit so nicht vorführen können, denn damals kaufte man Sprudel ausschließlich in Glasflaschen, und wenn die sich mal zusammenziehen, weil sie kalt werden, dann haben wir ein großes Problem, denn dann ist seeeehr kalt geworden in unserer Welt…

 

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Über meinen Eintrag von gestern habe ich anschließend noch eine Weile nachgedacht.
Um irgendwann wirklich Memoiren schreiben zu können, müßte man dafür sorgen, daß relevante Erinnerungen wachgehalten werden. Und wenn schon nicht wachgehalten, so doch irgendwie festgehalten – z. B. in Form eines Tagebuches. Das dann aber natürlich möglichst lückenlos und aussagekräftig ausfallen müßte.

Es würde dabei nicht genügen, daß für Mittwoch, den 28.12.2016, da steht:
„Habe morgens um 07:11 Uhr die Stechuhr betätigt und bin bis 16:30 Uhr meiner Arbeit nachgegangen.
Bin anschließend nach Hause gefahren, habe noch einen Geburtstagsbesuch vom Verein erledigt und ein paar Einladungsschreiben an Mitglieder ausgetragen, wobei ich das eine Kuvert in den falschen Briefkasten geworfen habe, weil ich mich in der Straße vertan hatte. (Es genügt eben nicht, wenn die Hausnummer stimmt, auf den Straßennamen sollte man beim Austragen von Post ebenfalls achten…!)“

Aus solchen Aufzeichnungen könnte man Memoiren verfassen, die den Spannungsbogen eines Kleinstadttelefonbuchs haben. Für wirklich interessante Lektüre müßte ein bißchen mehr „Sex and Crime“ hinein. Will sagen: mehr Gefühl, Emotionen! Was hat mich bewegt, was umgetrieben? Brach der Weltschmerz über mir zusammen wegen meines Fehlers, der mir beim Austragen der Vereinspost unterlaufen war? Löste der besonders eindrucksvolle Sonnenuntergang des gestrigen Tages etwas in mir aus, was den weiteren Verlauf meines Schicksals irgendwie beeinflussen könnte? Begegnete ich vielleicht DEM Menschen schlechthin, der sich als wichtig erweisen wird?

Doch sind wir mal ehrlich: die meisten Tage dümpeln doch genau so unspektakulär, wie ich es gerade beschrieben habe, vor sich hin. Hierüber ein Tagebuch zu führen, das würde einen selber ja dermaßen langweilen, daß man über den Seiten in den Schlaf sinken würde.
Ich fürchte, mit so einem Tagebuch liefe man ruckzuck Gefahr, daß das eigene Leben einem auf einen Schlag sinnentleert und bedeutungslos erschiene. Wo man doch die ganze Zeit vorher völlig zufrieden war mit der friedlichen Routine, die einem Geborgenheit gab, festen Halt und Sicherheit.

Neinnein, da bleib ich lieber dabei, nicht den Ehrgeiz zu entwickeln, mich und die Welt mit meinen Erinnerungen beeindrucken zu wollen.

 

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Vor einiger Zeit erzählte mir ein Bekannter, er sei gerade dabei, seine Memoiren zu schreiben.
Zugegeben, er ist alt genug, um auf sein Leben zurückzublicken, das Meiste dürfte gelebt sein. Er ist Mitte siebzig, da hat man schon einiges hinter und nicht mehr so schrecklich viele Jahre vor sich.
Aber dennoch stutzte ich, als ich das hörte.

Memoiren, das sind doch Aufzeichnungen, die man für andere macht. Für Leute, die es interessiert, was im Leben eines anderen geschehen ist, was die Schlüsselerlebnisse waren, was der Person wichtig war, wofür er/sie Leidenschaft oder Ablehnung gefühlt hat.

Nur frage ich mich: wer sollte sich für die Erinnerungen eines Herrn interessieren, der nie in der Öffentlichkeit stand, den eben nur diejenigen kennen, die direkt mit ihm gelebt haben oder ihm in Freundschaft begegnet sind?
Was bezweckt er damit? Geht es ihm nur darum, sich seiner selbt wieder einmal zu besinnen, sich wieder ins Gedächtnis zu rufen, was ihm einmal wichtig war, um für sich bewerten zu können, wie treu er sich geblieben ist?

So wie ich ihn kenne, geht es bei ihm hierüber hinaus. Ihn schätze ich so ein, daß er sich sehr wohl wünscht, daß andere, vor allem die, die ihm mal sehr nahe standen, seine Memoiren auch lesen – zum einen, weil ihm der Einsatz von Sprache sehr wichtig ist, zum anderen, weil er nur so die Möglichkeit hat, ungestört seine eigene Sicht auf all die Dinge, die in seinem Leben passiert sind, darzulegen. In einem Gespräch hat man diese Möglichkeit nie. Das Gegenüber wird immer etwas einzuwenden bzw. ein „Aber…“ entgegenzusetzen haben.

Mich werden diese Memoiren wahrscheinlich nicht zum Lesen animieren. Ich bin so sehr geprägt von dem, was ihm im persönlichen Gespräch immer wieder zu betonen wichtig ist, daß ich davon ausgehe, daß auch seine Aufzeichnungen stark um dieses eine wichtige Thema (das für mich jedoch grandios nebensächlich ist) kreisen werden.

Außerdem frage ich mich nicht erst heute und im Zusammenhang mit den Memoiren dieses Bekannten, wie jemand überhaupt in der Lage sein kann, sein Leben im Ganzen revue passieren zu lassen.
Wenn ich mich an mein Leben zurückerinnere, klaffen da eklatante Lücken! Es sind nur diese wenigen Momente, die starke Gefühle ausgelöst oder mein Leben in eine wesentliche Richtung gelenkt haben, an die ich mich zweifelsfrei erinnern kann. Dinge, die so alltäglich wie unspektakulär passiert sind, und Menschen, die nur sehr kurz Teil meines Lebens waren, sind aus meinem Gedächtnis längst wieder verschwunden. Nicht, weil sie ein Erinnern nicht wert wären, sondern doch eher, weil man Kopf und Herz dafür braucht, sich auf das und diejeningen zu konzentrieren und einzulassen, die einen dauerhaft oder zumindest gerade im Moment durchs Leben begleiten.
Wie sollte ich andere an meinen Erinnerungen teilhaben lassen, wenn sie mir selbst zu einem großen Teil verloren gegangen sind? Und wieso sollte sich irgendjemand dafür interessieren, welche Erinnerungen noch da und warum sie mir wichtig sind? Das ist eine so höchst persönliche Sache, die ich, glaube ich, auch gar nicht würde teilen wollen.

 

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Der erste Weihnachtstag fiel in diesem Jahr auf einen Sonntag. Und wie ich das sonntags immer mache, schaltete ich, als ich morgens ins Bad ging, das Radio ein. Normalerweise läuft um diese Zeit immer ein Programm mit klassischer Musik. Da es aber ein Feiertag war, übertrug man gerade live einen Gottesdienst. Das war mir genau so recht, also ließ ich das Radio an.

Auch wenn es nicht zufällig eine Frau gewesen wäre, die da gerade ihre Predigt begann, hätte ich sofort bemerkt, daß es sich um einen evangelischen Gottesdienst handelte.

Protestantische Pfarrer klingen beim Predigen alle gleich!

Ich stelle mir immer wieder gern vor, wie all diese evangelischen Theologiestudenten in der Uni im Sprachlabor sitzen und die alten Audio-Cassetten aus den Siebzigern einschieben, auf denen die seit Jahrzehnten immer gleiche Sprechweise des protestantischen Standardpredigers zu hören ist. Da sitzen dann die Studenten und plappern die Übungen nach und kriegen erst dann ihren Seminarschein, wenn sie die Sprachmelodie haargenau so nachmachen, wie der Sprecher auf der alten Cassette es vorgemacht hat. Und abends arbeiten sie noch das „Begleitheft zu Bildung und Training des ‚protestantischen Tonfalls‘ – Ausgabe 08/1976“ durch. So stell‘ ich mir das alles vor.

Der evangelische Pfarrer in unserem Dorf spricht selbstverständlich ebenfalls so. Allerdings kann ich ihm das insofern ein Stück weit verzeihen, als in seinen Predigten ein echter Inhalt transportiert wird. In diesem Jahr zum Beispiel war es offensichtlich, daß er sich angesichts der schrecklichen Ereignisse der letzten Monate mit der Verkündigung der Frohbotschaft ein wenig schwer tat. Das beruhigte mich, und es nahm für ihn ein, daß er auf flache Allgemeinplätze verzichtete und seiner Hilflosigkeit Ausdruck verlieh.

Die Pastorin im Radio allerdings war eine Zumutung. Wenn ich nicht gerade unter Dusche meine Haare einshampooniert hätte, hätte ich umgehend abgeschaltet.
„Wenn Sie… nach den Feiiiiertagen… wieder in… Ihren Alllltag zurück-kehren… dann wird die Welt… sich nicht wirklich… verändert haben…. Aber vielleicht nehmen Siiiiie… ein weeeenig von dem mit… ein weeenig von der Liiiiebe… die dieses Kinnnd… dieses Kinnnd in der Krippppe in die Welt gebracht hattt… lassssen es naaachwirken… und so…“ usw. usf.

Sie verstehen, wovon ich rede?

Ein katholischer Pfarrer würde so niemals sprechen! Nicht, daß da inhaltlich mehr dran wäre, nein nein! Es ist nur der Tonfall, der einen protestantischen Geistlichen als solchen eindeutig von einem katholischen unterscheidet.

Es würde mich interessieren, ob ich recht habe, ob also das Predigen im Studium der evangelischen Theologie explizit gelehrt wird. Nur fragen werde ich da keinen können, denn obwohl ich den ev. Pfarrer unseres Ortes persönlich kenne, kann ich ihn ja schlecht auf seinen Protestantentonfall ansprechen.

 

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Dieses Jahr werde ich zum ersten Mal in meinem schon mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden Leben an Weihnachten meine Eltern nicht besuchen.
Das ist ein sonderbares Gefühl – ich habe mich immer auf diese Besuche gefreut, denn sie gehören grundsätzlich einfach zu Weihnachten dazu!

Aber in diesem Jahr haben wir Familienzuwachs bekommen: einen Hund, den wir sehr lieb haben, und der jetzt leider ein bißchen krank geworden ist. Er hat eine Milbeninfektion der Haut, und da die Ärztin uns geraten hat, den Hund jetzt möglichst wenig Streß auszusetzen, haben wir uns entschlossen, den Besuch im für ihn fremden Haushalt, in dem zudem auch ein Hund lebt, ausfallen zu lassen. Rocky verbringt die drei Feiertage mit uns im eigenen Zuhause (und im „eigenen“ Gassi-Wald :-)) sicher gelassener als in einer zwar liebevollen, aber eben doch ungewohnten Umgebung. Unser Christbaum ist ihm schon suspekt genug, und er hält respektvollen Abstand zu ihm. Da muß er nicht unbedingt auch noch verreisen müssen.

Ich vermute mal, daß es auch für meine Eltern ungewohnt ist, Weihnachten so ganz ohne Besuch zu erleben. In den letzten Jahrzehnten haben sie zwar an Weihnachten von ihren drei Töchtern immer nur diese eine, mich, gesehen; aber dieser eine Besuch war eben doch ein Weihnachts-„Standard“.

Als ich noch alleinstehend war und in Mainz arbeitete, bekam ich von meinem Arbeitgeber zu jedem Weihnachten einen halben Lachs geschenkt. Der wog immer so gut 700 g, und ich nahm ihn stets mit zu meinen Eltern, mit denen ich – eben weil ich alleinstehend war – damals immer Weihnachten verbrachte. Dort verspeisten wir den Lachs gemeinsam als Heiligabenddelikatesse. Das war ein Hochgenuß!

Erst gab es dann irgendwann den jährlichen Lachs nicht mehr, später, als ich eine Partnerin gefunden hatte, auch die gemeinsamen Heiligabende nicht. Heiligabend verbrachte ich ab sofort natürlich mit meiner Freundin; wir besuchten dafür meine Eltern aber schon von Beginn unserer Beziehung an immer am 2. Weihnachtstag.

Und so werden wir das sicher im nächsten Jahr auch wieder tun, nur halt diesmal nicht, denn die Genesung unseres herzallerliebsten Hundes ist uns jetzt natürlich sehr wichtig. Gestern abend erst hat er seine zweite der Spritzen bekommen, die die Milben abtöten sollen, und wenn (wonach es auch aussieht) alles gut geht, hat er die Sache in wenigen Monaten überstanden.

 

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In der Firma, bei der ich arbeite, ist recht häufig ein Fotograf im Hause, der Bilder von MitarbeiterInnen anfertigt. Diese Bilder werden dann verwendet für Broschüren, Flyer, Geschäftsberichte usw., damit in allen diesen Unterlagen immer echte Köpfe des Hauses zu sehen sind. Das finde ich gut.

Nicht gut finde ich allerdings den Herrn, der die Fotos macht. Er ist ein ungepflegter, unverschämter Kerl, der sich für einen großen Künstler hält, keine einzige Regel des Anstands kennt und es sich herausnimmt, jeden zu duzen und bei „Bedarf“ auch zu beleidigen. Deswegen mache ich immer einen großen Bogen um ihn und tauche daher in den oben genannten Druckwerken nicht auf.
Warum sich immer wieder Leute für ein Shooting zur Verfügung stellen, ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich sind die Eitelkeit und das Bedürfnis, im Geschäftsbericht abgebildet zu sein, stärker als der Wunsch, nicht blöd angemacht zu werden. (Denn angemacht wird jeder und jede, selbst die Attraktiven und Fotogenen, die dann eben mit schlüpfrigen Bemerkungen zurecht kommen müssen.)

Nun hat mein Arbeitgeber für die Flure unseres Gebäudes neue Bilder angeschafft und die alten Radierungen, die bisher da hingen und historische Straßenzüge der Stadt zeigen, dafür abgehängt.
Und natürlich sind die neuen Bilder Fotografien eben jenes erwähnten Fotografen.
Gestern wurden sie aufgehängt.

Zu zehnt sind wir daran vorbeiflaniert, haben sie uns angeschaut und versucht zu verstehen, wieso man für so etwas Geld ausgibt.
Ich behaupte ganz kühn: die zwei Bilder, die ich ganz in Ordnung finde, hätte ich mit meiner Kamera auch hingekriegt. Und die anderen zwei hätte ich gar nicht erst gemacht, geschweige denn sie zum Kauf angeboten!

Ich bin davon überzeugt, daß der Herr Fotograf jetzt zu Hause sitzt und sich ins Fäustchen lacht, weil er mal wieder ein paar Dumme verarscht und ihnen den Ausschuß angedreht hat, den auszusortieren er bisher noch nicht die Zeit gefunden hatte.

Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich keines der Bilder hier zeigen, aber wenn ein Foto in der unteren Bildhälfte eine von links nach rechts verlaufende Landstraße zeigt, die wiederum zur Hälfte im nichtssagenden Schatten liegt, auf der anderen Straßenseite von eintönigen Büschen gesäumt ist und neben der Leitplanke einen Bundesstraßenwegweiser „Trier 3km“ aufweist, dann frage ich mich: ist da dem Fotografen der Auslöser versehentlich losgegangen? Will der mich verarschen, daß er sowas tatsächlich verkauft?

Mein Arbeitgeber hätte da mal besser mich gefragt, als er schöne Landschaftsaufnahmen für die Flurwände suchte. Ich habe da eine ganze Reihe, die nicht nur scharf, sondern auch richtig belichtet sind und schöne Motive zeigen. Aber ich bin ja kein Künstler – ich dusche regelmäßig und beleidige nur ganz selten jemanden.

 

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Meine Liste der Dinge, die die Welt nicht braucht, ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen. Zumindest wäre sie schon sehr lang, wenn ich mir die Mühe gemacht hätte, diese Dinge alle aufzuschreiben.

Es fallen mir momentan nur einige wenige, tatsächlich existierende ein - als da wären:

Aufblasbare Rollatoren
Aufblasbare Gebäckstücke (Muffins und dgl.)
Eierschalensollbruchstellenverursacher
Plüscholiven mit Armen und Beinen (zu sehen auf dem Hintergrundbild dieser Webseite)
Batteriebetriebene tanzende Blumen
Batteriebetriebene singende Weihnachtsmänner
Duftendes Toilettenpapier
Duftende Kreditkarten
Elektrische Dosenöffner
Kissen in Kothaufenform
Tischlampen in Penisform
In Plastik verpackte Bananen und Gurken
Regensensoren
Usw.

Diese kleine Liste erfuhr letzte Woche eine Erweiterung.
Und zwar schenkte eine meiner Kolleginnen, die mit mir im Büro sitzt, einer anderen Kollegin, die ebenfalls mit mir im Büro sitzt, ein Gummieinhorn, dem ein bunter Ball in der gigantisch übergroßen Nase steckt.

Da fragt man sich doch unwillkürlich: Was soll der Scheiß?

Ich kann es Ihnen erklären!

Dieses Einhorn sieht zum einen voll nüüdlich aus. Zum anderen führte mir die Beschenkte die richtige Handhabung und damit die Hinführung des Gummitiers zu einem tatsächlichen Zweck umgehend vor.
Drückt man nämlich den Bauch des Einhorns mit kurzen, kräftigen Griffen wie den einer Badeente ruckartig zusammen, schießt der bunte Ball mit einem deutlichen „Plopp!“ aus der Nase und fliegt in hohem Bogen durchs Zimmer.

Ob es sich hierbei um einen „tatsächlichen Zweck“ handelt, mag man für diskussionswürdig halten; Tatsache ist aber, daß wir jede Menge Spaß hatten beim Ziel- und Weitploppen, bei dem der Ball unter anderem in dem Salatdressing landete, das noch in der Plastiksalatschale schwamm, die ich im Papierkorb entsorgt hatte. Danach war der Ball noch bunter, und er roch sehr appetitlich.

Damit Sie sich ein Bild machen können von diesem sonderbaren Wesen, habe ich hier mal eines beigefügt. Die Bildqualität ist lausig, weil die Kamera falsch fokussiert hat, aber für einen ungefähren Eindruck langt’s.


 

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Wir haben uns zu Hause angewöhnt, nicht nur an Wochenenden und Feiertagen, sondern auch an gewöhnlichen Werktagen unser Abendessen im Eßzimmer einzunehmen und es uns dabei recht gemütlich zu machen. Als schönen Abschluß eines anstrengenden Arbeitstages genießen wir das sehr. Wir zünden dann Kerzen an, freuen uns zur Zeit noch an unserem Adventsschmuck und spielen CDs mit meist klassischer Musik ab.

So haben wir das auch gestern gemacht, und ich hatte wieder eine unserer vielen Weihnachts-CDs ausgewählt, die im Hintergrund leise vor sich hin musizierte.

Die vielen Platten mit Weihnachtsliedern haben wir uns im übrigen nicht alle selbst gekauft; viele bekamen wir geschenkt, und einige stammen von Bekleidungshäusern, auch von der Johanniter-Unfall-Hilfe und anderen Hilfsorganisationen, die in den letzten Jahren solche CDs gern als Werbe- und Dankesgeschenke verteilen.
Diese Geschenk-CDs sind natürlich in großer Masse und wahrscheinlich auf billigstmögliche Weise produziert, so daß die ein odere andere Scheibe auch einen kleinen Macken hat. Aber das stört uns nicht, wir spulen dann einfach zum nächsten Lied weiter.

Und so ein Exemplar lief gestern bei uns. Beim letzten Lied hat diese offenbar einen Ratzer im Gebrannten, so daß der Laserstrahl hektisch hüpfend einzelne Töne überspringt, mal schneller, mal langsamer läuft und das ganze Lied damit zu einer komischen Nummer macht.
Und als wir gerade aufstehen wollten, um die Platte abzuschalten, hob auf einmal unser Hund den Kopf, spitzte die Ohren und lief aufgeregt zum CD-Spieler; es war ganz offensichtlich, daß auch er bemerkte, daß da was nicht stimmte. Er machte ein Gesicht, als wolle er sagen „Hey, das singt ihr aber falsch!“ Es fehlte nur noch, daß er wie ein Dirigent die Pfote hob und abzuwinken versuchte. Er tat es am Ende nicht, aber er belohnte uns mit einem zufriedenen Blick, als wir dem unkontrollierten Gestammel mit dem Off-Schalter ein Ende bereiteten.

 

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Gerade unterhielt ich mich mit meinen Kolleginnen über Pizza. Genauer gesagt darüber, wie eine richtige Pizza belegt zu sein hat, und ob Pizza mit Spaghetti (als Belag!), Spiegelei, Dönerfleisch oder einer Kombination aus Ananas und Jalapeños noch Pizza genannt werden darf. Wir kamen zu dem Schluß: sie darf. Gottlob ist ja in den meisten Pizzerien die Speisekarte lang genug, daß jeder für sich etwas darauf findet. Und ob der Italiener per se das alles noch als Pizza anerkennt, ist da eher nebensächlich, die Hauptsache ist ja, daß es schmeckt.

In diesem kulinarischen Zusammenhang erzählte die eine Kollegin noch von einer Dönerbude, die die Sauce immer separat in einem Saucier serviere, und daß sie auch aus diesem Grund gern dort hingehe.

Das machte mich hellhörig, denn ich kenne das erwähnte Gefäß als „die Saucière“ und habe bisher den Gebrauch der männlichen Form ausschließlich bei Pfälzern erlebt.
Und so begann ein Hin- und Hergeplänkel, wer denn nun das „richtigere“ Wort benutze, die Badener oder die Pfälzer. Wir einigten uns darauf, daß es da ein Richtig oder Falsch wahrscheinlich nicht gibt, daß die Verwendung der männlichen bzw. weiblichen Form aber vielleicht etwas über die grundsätzlich feministische Haltung des einen oder anderen Volksstammes aussagt.
Ich als Badenerin vertrat natürlich(!) die Ansicht, daß wir als Verfechter der weiblichen Form die wahren Feministen seien. Wogegen meine Pfälzer Kollegin konterte, es sei ja wohl wenig feministisch, wenn man automatisch unterstelle, das Servieren von Saucen sei selbstverständlich Frauensache. Und dem konnte ich nur wenig, ja eigentlich gar nichts entgegenhalten. Da hat sie recht. Aber dann darf sie eigentlich auch nicht „die Soßeboll“ benutzen, sondern muß mit dem Saucenlöffel auftragen.

 

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Der Deutsche per se schaut ja gern auf die Bürger unserer beiden deutschsprachigen Nachbarländer ein wenig herunter. Besonders was die Sprache anbelangt.

Nicht selten müssen ein Österreicher oder ein Schweizer den bundesdeutschen Deutschsprecher darauf hinweisen, dass es nicht DIE korrekte deutsche Sprache gibt, die natürlich einzig und allein in Deutschland angewendet wird, sondern dass nebeneinander in gleichwertiger Existenz drei Standardsprachen des Deutschen leben, die jede für sich – wie der Name schon sagt – einen Standard (vulgo Hochsprache) darstellen.

Besonders arm dran ist hier der Schweizer, über dessen angebliche Vorliebe für die Endsilbe –li sich der Deutsche gern lustig macht. Denkt ein Deutscher an die Schweiz, legt sich sofort in seinem Schädel ein Schalter um, er geht in den Imitiermodus, spricht ab sofort nur noch mit im Rachen kratzendem R und hängt völlig kopflos an jedes Wort ein –li hinten an, wobei er sich dabei gar nicht des Umstandes bewusst ist, dass auch der Schweizer das nur für die Bildung des Diminutivs tut. Das „Fränkli“, das der Deutsche überaus gern strapaziert, ist also ein Dorn im Ohr eines jeden Schweizers; was einleuchtet, vor allem, wenn man bedenkt, wie potent des Schweizers Währung immer schon war.
Auch geht man in der Schweiz nicht durch Türli, sondern hat dort genau wie in Deutschland normal große Türen, durch die man Haus oder Zimmer betritt.

Ich selbst achte immer peinlichst genau darauf, in Anwesenheit von Schweizern meinen ureigenen Dialekt oder bewusst bundesdeutsches Deutsch zu sprechen, um mich von jedem Verdacht der Lustigmacherei freizuhalten. Ja, es fällt mir sogar schwer, Passanten ein „Grüezi“ zuzurufen, wenn ich in der Schweiz eben so gegrüßt werde, obwohl das allgemein Usus ist, vor lauter Angst, ich spreche es nicht korrekt aus und mache mich lächerlich und gebe meinem Gegenüber das Gefühl, mich zu mokieren.

Und nun steht uns in der Firma, bei der ich arbeite, ein Besuch von Geschäftspartnern bevor – von einem Schweizer Unternehmen, das seinen Sitz in Zürich hat.  Wir arbeiten schon ein paar Jahre mit den Leuten zusammen, und in der Kommunikation klappt auch alles vorzüglich.
Aber was werden die Damen und Herren wohl denken, wenn sie sehen, dass zufällig (tatsächlich zufällig!) an jenem Tag auf der Speisekarte unserer Kantine ausgerechnet „Zürcher Geschnetzeltes“ steht? Damit kann man sich doch nur blamieren! Ich mag noch gar nicht dran denken!

 

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Ich habe vor einiger Zeit ja beschlossen, mit dem Chorsingen aufzuhören, weil ich mit beständigen Stimmproblemen zu kämpfen habe.

Als musikalische Alternative und als Trost hatte ich dabei natürlich meine Veeh-Harfe im Hinterkopf, auf der ich mit großem Vergnügen allein und im Ensemble spiele.

Vor ein paar Wochen allerdings kam ich nach mehrwöchiger Pause abends in die Ensemble-Probe und staunte nicht schlecht, weil alle schon fix-fertig und spielbereit auf ihren Stühlen saßen und mich erstaunt ansahen, als ich zur Tür hereinkam. Es stellte sich dann heraus, daß man sich ausnahmsweise eine Stunde früher getroffen hatte. Erst dachte ich mir nichts dabei, denn schließlich stand ein Auftritt kurz bevor, und eine etwas längere Probe schien mir da sinnvoll. Tatsächlich dauerte die Probe aber gar nicht eine Stunde länger als gewöhnlich, sondern war wirklich nur nach vorn verschoben worden, so daß ich mich wegen einer lumpigen halben Stunde Restprobenzeit so abgehetzt, mein Essen hinuntergeschlungen, hastig mein Zeug zusammengerafft und mich ins Auto geworfen hatte. Zudem hatte ich ausgerechnet wegen dieser Probe einen anderen Termin abgelehnt, der mir eigentlich sehr wichtig gewesen wäre. Es hat mich an dem Abend maßlos verärgert, daß mir einerseits immer wieder gesagt wird, wie schön es sei, wenn ich im Ensemble mitspiele, daß ich andererseits aber, wenn ich dann mal ein paar Wochen nicht da war, sofort vergessen werde, wenn es darum ginge, alle über veränderte Probenzeiten zu informieren. Ich war sogar so sauer, daß mir die Lust auf Ensemble-Proben bis zum Jahresende vergangen ist.

Und so durchlebe ich gerade eine ganz ungewohnte Zeit: kein Musikmachen zusammen mit anderen Leuten. Und es fühlt sich gar nicht so schlecht an.

Ich hatte damit gerechnet, im gerade vor kurzem veranstalteten Konzert meines Chores, das ich ja schon nicht mehr mitgesungen habe, eine große Traurigkeit und Wehmut zu verspüren, und hatte sogar darüber nachgedacht, gar nicht hinzugehen. Aber als ich dann im Publikum saß und zuhörte, machte mir das Freude, und es rührte mich erstaunlich wenig, daß ich nicht vorn bei den anderen stand und mitsang.

Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, daß das nicht lange anhalten wird und ich recht bald den Chor schmerzlich vermissen werde. Und auch die Lust aufs Ensemble-Zupfen wird bald wieder da sein. Momentan aber genügt es mir, allein in meinem Stübchen auf der Harfe zu spielen und dem schönen Klang zu lauschen.

Und da frage ich mich, ob nicht immer mehr als die offensichtlichen Gründe hinter solch einem Pausieren stecken. Welche mögen das sein?

 

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Der Mann meiner Schulkameradin Petra erwähnte kürzlich bei Facebook , daß sein neuestes Buch gerade frisch erschienen sei – erstmals eines unter seinem realen Namen.

Ich kenne den Mann nicht, weiß auch nicht, was er beruflich macht. Ich weiß eben nur, daß er mit Petra verheiratet ist. Aber ich ging, als ich das las, ganz automatisch davon aus, daß er einer der vielen Hobby-Autoren ist, denen mit viel Glück die Veröffentlichung ihres Buches gelungen ist.

Nun gut, bei dem Buch handelt es sich um einen Krimi, der u. a. als Ebook erhältlich ist. Und da ich Krimis generell sehr gerne lese, das Buch nicht allzu teuer ist und mich die Sache neugierig gemacht hat, dachte ich „Köst‘ ja nich‘ viel, lad‘ ich mir mal runter!“.

Zur Zeit lese ich das Werk, und ich muß mir dabei selbst eingestehen, daß ich wie selbstverständlich erwartet hatte, sofort den Laien darin zu erkennen, der sprachliche und dramaturgische Fehler macht. Wie das eben jemand tut, der „nur nebenher“ schreibend tätig ist.

Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Nein, mir wird beim Lesen vielmehr vor Augen geführt, wie sehr man unbewußt mit Vorurteilen beladen durchs Leben geht. Mir war gar nicht in den Sinn gekommen, daß es unter den Menschen meines zwar nicht direkten, aber doch gar nicht sooo fernen Umfeldes einen so guten Erzähler und – ja! – Schriftsteller geben könnte! Ich frage mich, was ich mir denn gedacht hatte, wo die ganzen Schriftsteller dieses Landes leben, und woher sie stammen? Schließlich gibt es dafür ja keinen zentralen Ort, wo die alle aufwachsen und das Schreiben lernen.

Kurz und gut: ich bin – wie gesagt – noch beim Lesen, aber ich kann jetzt schon sagen, daß das Lesen lohnt! In weiten Teilen ist das Buch im Präsens geschrieben, einer Erzählform, die m. E. zu den schwierigsten gehört. Das konsequent durchzuziehen, braucht Disziplin; wenn es – wie hier – gelingt, entsteht eine einzigartige, fesselnde Atmosphäre. Nur in den Rückblenden wechselt der Autor ins Präteritum, was logisch ist und den Leser hierhin und dorthin gut mitnimmt.

Auch der Plot reißt mit, ich erlebe Spannung, wie ich es mir von einem guten Krimi wünsche! Ich freue mich jetzt auf das Weiterlesen, und ich werde sicher doch mal nachfragen, unter welchem Pseudonym er denn bisher veröffentlicht hat – vielleicht kenne ich ja seine anderen Bücher bereits?

Für Interessierte:
Burn out – Fred macht frei
von Gerald Trumpp

 

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23
Nov
Guten Tag!

Vor einiger Zeit habe ich ein Experiment begonnen, das zu einer grundlegenden Änderung meines Umgangs mit meinen Mitmenschen, insbesondere meinen Kollegen geführt hat.

Im Lauf der Jahre fiel mir nämlich auf, daß gar nicht mal so wenige Leute mich auf dem Flur immer nur zurückgrüßten, ich sie also immer zuerst grüßte. Wiederum gar nicht so wenige Leute taten nicht einmal das.

Also begann ich mit einer kleinen Selektion. Ich hörte zunächst auf, diejenigen zu grüßen, die nie zurückgrüßten, wenn ich sie irgendwo traf. Damit spare ich mir bis heute jede Menge Atem und Ärger, denn niemand von denen bemerkte das bzw. vermißt offensichtlich meinen Gruß.

Als ich merkte, wie gut mir dieser Verzicht tat, machte ich die Probe aufs Exempel und grüßte diejenigen, die mich immer nur zurückgrüßten, ebenfalls einfach erst mal nicht, wenn sie mir begegneten. Grüßten sie mich dann trotzdem, nahm ich sie in die Liste der zu Grüßenden wieder auf. Anderenfalls stellte ich das Grüßen auch ihnen gegenüber dauerhaft ein.

Ich kann Ihnen sagen: auf diese Weise erfährt man ziemlich schnell, wer von den lieben Mitmenschen Wert darauf legt, die einfachsten Anstandsregeln des Miteinanders anzuwenden. Mein Grüßaufwand hat sich erheblich reduziert; man geht eben nun stumm aneinander vorbei. Nur ein paar wenige schauen mich  jetzt entgeistert an, wenn sie mich treffen, weil sie offenbar nicht fassen können, warum ich nicht mehr „Guten Tag“ sage. Aber da stehe ich ganz stur auf dem Standpunkt „Quod licet bovi, etiam licet Jovi.“

 

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Wenn ich gesellschaftskritisch-intellektuell was taugen würde, würde ich endlich mal an dieser Stelle MEINEN Senf zu der Tatsache abgeben, daß Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt wurde.

Da meine Fassungslosigkeit jedoch Ausmaße hat, die einen sprachlos machen, und ich mich im Internet eh noch nie politisch geäußert habe, fällt an dieser Stelle mein Mangel an gesellschaftskritischer Intellektualität nicht weiter ins Gewicht.

Ein tatsächlich ergiebiges Thema wäre zur Zeit das Wetter. Als Standard-Smalltalk-Thema, das sofort, wenn es aufkommt, den Plaudernden die Schamesröte ins Gesicht treibt, weil es in der Hierarchie der anspruchsvollen Sujets derart tief angesiedelt ist, daß kaum einer es wagen mag, sein Gegenüber über die gestrige Niederschlagsmenge in seinem Heimatort zu informieren, steht es ja in Verruf. Aber was sich in den letzten Wochen vor meinen Fenstern (ich sitze im Laufe eines Tages hinter mehreren: zu Hause und im Büro) abspielt, verdient fast schon eine Rezension.

Ganz unaufdringlich, quasi in einschleichendem Pianissimo pirschte sich eine Dauer-Schlechtwetterfront heran, die zunächst mit nur gelegentlichem Herbstregen für sich warb. Allmählich sollte offenbar der Mensch an neue Umstände gewöhnt werden. Solange hin und wieder die Sonne durchkam, nahmen alle das gar nicht so zur Kenntnis, daß der Himmel immer mehr und öfter in Grautönen daher kam, die, aufgewirbelt von unterschiedlich starken Winden, das Blau in der Höhe immer mehr verdrängten. Und mittlerweile ist die Front in ein deutliches Mezzoforte übergegangen, im Baß begleitet vom dauerhaften Trommeln des Regens in den schwimmbeckengroßen Pfützen. Die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen weiß das Wetter auch durch die vergleichsweise hohen Temperaturen, die aus dem rein optischen Erleben eine Mélange aus optischem und haptisch-seelischem machen, indem die Menschen hin und hergerissen werden zwischen der Verzweiflung über Farb- bzw. Lichtmangel und dauerdurchnässte Kleidung und der körperlich-seelischen Übelkeit wegen beständiger Kreislaufbeschwerden und depressiver Verstimmungen.

Zeit für ein Finale, finde ich! Aber bitte ohne Kadenz oder turbulente Fuge! Meinetwegen kann diese Sache einfach still und leise in den Schlußakkord dümpeln und dem nächsten Satz, einem sonnigen und freundlichen Andante Platz machen! Aber attacca bitte schön!

 

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Wir waren am vergangenen Wochenende so sehr mit dem Hund, dem Gassigehen, dem Einkaufen und sonstigen Pflichten befaßt, daß uns erst am Sonntagabend auffiel, daß wir unser eigentliches Schmückwochenende verpaßt hatten, d. h. das Wochenende, an dem wir sonst immer den Weihnachtsschmuck in unserer Wohnung angebracht haben. Jetzt müssen wir überlegen, wann wir die Schmückung nachholen können.
Es wird dieses Jahr einiges anders gemacht werden müssen als sonst. Denn jetzt, wo ein Hund mit im Hause wohnt, gilt es, die Sache hundekompatibel zu gestalten.
Die große Krippenlandschaft, die wir immer unter dem Christbaum stehen hatten, wird in diesem Jahr erstmals auf der großen Platte des antiken Waschtisches von meiner Urgroßmutter aufgebaut. Da müssen die Figuren zwar ein wenig zusammenrücken, aber irgendwie werden wir die schon alle unterbringen. Dann hakt der eine König aus dem Morgenland den anderen eben unter, und der Ochs nimmt den Esel auf den Schoß. Oder so.
Auch die Schwibbögen werden wir wohl anders anordnen müssen. Bisher hat unser Hund zwar noch nichts angeknabbert, und es liegt nahe, daß er sich auch an Erzgebirgischer Handwerkskunst nicht vergehen wird, aber sicher ist sicher! Mir wäre wohler, wenn wir die Bögen etwas höher gelegen aufbauen könnten als bisher, um ihn gar nicht erst in Versuchung zu führen.
Ich bin auch gespannt, wie Rocky auf unseren Christbaum und dessen Beleuchtung und Schmuck reagieren wird. Ich rechne damit, daß so einige Christbaumanhänger durch das Wohnzimmer fliegen werden, wenn der Hund schwanzwedelnd um die Tanne tänzelt. Hoffentlich nimmt er den Baum nicht als Aufforderung, dort sein Revier zu markieren… nicht daß da irgendein interessant duftender Fuchs oder Wolf oder Has‘ seinen Hintern dran gerieben hat, bevor er gefällt wurde…
Einigermaßen zuversichtlich bin ich allerdings, was die weihnachtsmusikalische Belastbarkeit unseres Hundes anbelangt. Seit er bei uns wohnt, hat er schon so manche Klassik-CD gehört und tiefenentspannt dabei auf seinem Bettchen gelegen. Dann wird er auch die Tölzer Sängerknaben und ihre stille Nacht ertragen. Am Ende singt er vielleicht sogar mit?

 

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18
Nov
Social Media

Man nehme ein dünnes Sätzchen, spicke es mit ein wenig Kitsch, rahme es in weißer Spitze ein und poste es auf Facebook. Seien Sie versichert, es finden sich auf der Stelle genügend Menschen, die Ihnen ein „Like“ spendieren, sich in Ihrem Post sofort wiederfinden und total verstanden fühlen!
„Verbringe deine Zeit nicht mit Menschen, die dir nicht gut tun. Das Leben ist zu kurz, um es an solche zu verschwenden, die deiner Seele Schaden zufügen.“
„Ich wünschte, der Himmel täte sich auf, und ich könnte für ein paar Minuten wieder bei dir sein.“
„Wahre Freunde erkennst du nicht an der Größe ihrer Geschenke, sondern daran, daß sie in schwierigen Zeiten bei dir sind.“
Solche und andere geistigen Dünnpfiffe wuchern die sozialen Netzwerke voll, meistens enthalten sie noch mehrere Schreib- und Zeichensetzungsfehler, aber die Welt hält sie für die Weisheiten bedeutender Intellektueller oder Spiritueller. Es ist zum Auswachsen!

In einer Zeit, in der solche Unsäglichkeiten als kluge Worte gelten und den Menschen ein aus der Tiefe der Seele, wenn nicht des Gekröses kommendes Seufzen entlocken, muß man sich nicht wundern, wenn jede noch so unversehrte, ein unbeschwertes Leben führende Person plötzlich bei sich doch auch eine verwundete Seele zu entdecken meint, um die sich zu kümmern und zu sorgen sie viel zu lange vernachlässigt hat. Urplötzlich laufen überall Menschen umher, die tief in sich hineinhorchen und mantraartig vor sich hinplappern, daß natürlich auch sie etwas wert sind, obwohl ihre Nase zu dick und ihre Beine zu kurz sind und ihr Bildungsabschluß nur ein mittlerer ist. Und war da nicht etwas Oberflächliches und Gehässiges im Lachen der besten Freundin am letzten Freitag, als sie so ausgelassen miteinander scherzten? Kann man sich sicher sein, daß diese Freundin in schwierigen Zeiten wirklich noch die beste Freundin wäre? Und zack! – wieder ein zerrüttetes Selbstbewußtsein, wo vorher ein in sich ruhender, froher Mensch gewesen ist.

Das kritiklose Konsumieren vermeintlicher Weisheiten ersetzt das Nachdenken. Schlimmer: es impft den Leuten ein, daß jeder nicht nur sein eigenes Päckchen zu tragen hat, sondern für sich gar das Recht einfordern kann, bitteschön auch ein kranke Seele sein Eigen zu nennen, die Rücksicht, Pflege und Liebe braucht und als Rechtfertigung dienen darf für Egoismus, Eigenbrötelei und Rumgezicke.

Das ist nicht nur dämlich und nervt, sondern es ist eine Ohrfeige an all jene, die tatsächlich traumatisiert oder aus anderen Gründen an der Seele erkrankt sind!

Deswegen: laßt es sein! Postet meinetwegen noch mehr niedliche Katzenvideos, oder zeigt eure Lebensfreude durch dämliche Witze, aber hört auf mit diesem peinlichen Pubertärkram!

 

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Der Genfer Autosalon, die IAA und all die anderen Ausstellungen, die sich mit des Menschen beliebtestem fahrbaren Untersatz beschäftigen, zeigen es immer wieder: technische Neuerungen werden stets gern genommen.

Grundsätzlich stehe ich dem auch mit offenen Armen gegenüber. Vor allem die Verbesserungen in Sachen Sicherheit sind mir sehr willkommen.

Tatsächlich gibt es aber auch Dinge, die ich nicht brauche und auch nicht zwangsweise mitbestellen müssen will, nur weil ich z. B. die Zierleiste in Chrom geriffelt haben möchte.

So gibt  es zum einen das automatische Abblendlicht, bei dem ich mich allen Ernstes frage, wer je den Bedarf an so etwas ermittelt haben will. Ob’s draußen dunkel ist oder nicht, das sieht man doch! Gut, es gibt genügend Leute, die den fatalen Unterschied zwischen „sehen“ und „gesehen werden“ nicht ausreichend bedenken und dann bis in tiefe Dämmerung hinein unbeleuchtet herumfahren, denn „schließlich sehe ich ja noch alles“ – (haha, ja alles, außer unbeleuchtete andere Autos!). Aber die meisten Autofahrer erkennen selbst, wann es Zeit ist, den Lichtschalter zu betätigen. Und die, die es – wie oben ausgeführt – nicht tun, werden auch die automatische Anschaltung nicht nutzen.

Was an Entbehrlichkeit aber m. E. tatsächlich nicht zu überbieten ist, ist der (erstaunlicherweise) vielgerühmte Regensensor. Ich bitte Sie! Erkennen Sie etwa nicht selbst, wann es zu regnen beginnt? Braucht tatsächlich irgendjemand einen Apparat, der für ihn entscheidet, wann Regen als solcher einzustufen und demzufolge der Scheibenwischer zu aktivieren ist? Ich brauche den nicht! Denn der wischt nie, wenn ich es für sinnvoll halte! Meist wischt er viel zu selten, als stünde er auf dem Standpunkt, klare Sicht werde völlig überbewertet! Da hilft auch die Einstellbarkeit des Wischintervalls nicht – wenn der Regensensor der Meinung ist, jetzt regne es nicht, dann wird auch nicht gewischt, selbst wenn Sie auf schnellste Intervallstufe eingestellt haben! Ich frage Sie: wer braucht sowas?? Da lobe ich mir doch die konventionellen Scheibenwischer, bei denen man ganz nach eigenem Ermessen die Wischgeschwindigkeit einstellen konnte, und diese dann auch so eingehalten wurde.

Natürlich könnten Sie mich jetzt fragen, wieso ich auf den Regensensor nicht verzichtet habe. Hätte ich gern, aber leider mußte ich den mitbestellen, wenn ich auch die beheizbare Windschutzscheibe und die anklappbaren Spiegel haben wollte. Ich mußte da Prioritäten setzen, aber ob ich richtig entschieden habe, zweifle ich manchmal wirklich an…

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04
Mar
Sprachlos

Ich bin gemeinhin ein Mensch, der nicht dazu neigt, anderen mit allzu viel Sanftmut zu begegnen. Ich gebe nicht vor, jemanden zu mögen, den ich nicht mag, und ich spreche zwar nicht alles aus, was ich denke, doch ich sage nie etwas, was nicht meiner Meinung entspricht. So würde ich z. B. niemals einen fliederfarbenen Kunstfaserpullover mit Schößchen bewundern, nur weil ihn jemand trägt, den ich mag. Würde ich gefragt, was ich vom Pullover halte, würde ich zugeben, daß er nicht meinem Geschmack entspricht. Normalerweise fahre ich recht gut damit, aber es gibt natürlich auch genügend Leute, die mit meiner direkten und ungeschönten Art nicht gut umgehen können und mich für rüde und in meiner Direktheit für zu brutal halten.

Ich kann aber auch ganz anders wirken, ohne wirklich anders sein zu müssen. Neulich stand ich nämlich in einer Kaufhaustoilette am Waschbecken, um mir die Hände zu waschen, als eine ältere Dame sich neben mich stellte und ebenfalls versuchte, dem Wasserhahn Wasser zu entlocken. Sie drückte oben auf den Hahn, suchte dann nach etwas zum Drehen oder Hebeln, aber es kam einfach kein Wasser. Ich sagte nach einigem Zuschauen zu ihr: “Halten Sie einfach die Hand unter den Hahn, dann läuft das Wasser.“ „Ah ja“, meinte sie da, als genau dies tatsächlich zum Erfolg führte. So wusch sie sich also die Hände und wandte sich dann dem Handtuchspender zu. Mir schien, als sei ihr nicht so recht klar, ob es sich nun wirklich um einen Handtuchspender handelte oder doch eher um ein Gebläse zum Trockenpusten. So hielt sie also in ratloser Erwartung ihre Hände vor den Spalt, aus dem ein Stück Papier hervorkommt, sobald man die Hand vor einen bestimmten Sensor gehalten hat. Den nahm sie aber offenbar nicht wahr, weswegen ich ihr zeigte, wie man das machen muß. Ich hielt meine eigene Hand vor den Sensor, und schon kam – pssssst – ein Stück Papierhandtuch für sie aus dem Ausgabeschacht.

Da lachte sie, legte mir einen Arm um die Schulter, drückte mich leicht und meinte: „Daß es das noch gibt: Leute, die einem helfen!“

Und ich stand da, lachte, wußte nicht so recht, was ich sagen sollte, freute mich und dachte: „Daß es das gibt: Leute, die sich für so einfache und gar nicht mal so rasend herzlich erteilte Hinweise so dankbar zeigen!“

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Ich bin empört! Empört über die heutigen Alten!

Obwohl ich ja mittlerweile auch nicht mehr gar so jung bin, festigt sich in mir die Gewißheit, daß „die Alten“ die Schlimmsten sind, wenn es um schlechtes Benehmen geht! Ja, schlechtes Benehmen gehört nachgerade zu ihren Kernkompetenzen!

Viele jammern über die „heutige Jugend“ und deren verfallende Sitten und Manieren. Tatsächlich ist es aber die Generation „70plus“, die sich immer häufiger daneben benimmt.

Erst kürzlich stand ich im Supermarkt an der Kasse, vor mir waren noch ein Herr und eine Dame, die gerade bezahlt hatte und dabei war, ihre Einkäufe in die Tasche zu packen. Die Situation war ganz entspannt, denn von einer langen Schlange an der Kasse konnte ja keinerlei Rede sein.

Da kam auf einmal von hinten eine alte Frau (ich möchte sie gar nicht „Dame“ nennen) mit einem Päckchen Tomaten, einem Becher Sahne und noch einer Kleinigkeit in den Händen herbeigeeilt, stellte sich mir fast in die Hacken und äugte nach vorn zur Kassiererin. „Ooooh, dauert DAS wieder langeeee!“ fing sie sofort an zu meckern.

Ich drehte mich zu ihr um und sagte „Sie kommen ja gleich dran, sind ja nur 2 Leute vor Ihnen!“ Da schaute sie mich gebieterisch an und erzählte mir in energischem Ton, daß sie es aber eilig habe, weil Frau Bierpichler (Abb. ähnlich) sie heute mit dem Auto mitgenommen habe und draußen auf sie warte. Und dabei rückte sie mir immer weiter auf die Pelle; es war ganz offensichtlich, was sie vorhatte. Aber da kannte sie mich schlecht!

Mit solcher Dreistigkeit werde ich ja spielend fertig! Ich drehte mich schnippisch weg und murmelte „Na, wenn sie Sie mitgenommen hat, hat sie sicher kein Problem damit, Ihnen die Zeit zu lassen, die Sie brauchen.“

Und dann war ich auch schon dran.

Gestern nun war ich wieder im selben Supermarkt. Ich bog mit meinem Auto auf den Parkplatz ein und suchte nach einer freien Parkbucht, als auf einmal – wie von einem Katapult beschleunigt – ein Kleinwagen von rechts aus einem Parkplatz geschossen kam und mir fast in die Schnauze fuhr.

Ich hatte es kommen sehen, und deswegen passierte nichts. Aber ich signalisierte der alten(!) Fahrerin, daß „Augen auf im Straßenverkehr!“ auch auf Parkplätzen gilt. Die verstand mein Problem überhaupt nicht, sondern fing an zu zetern, weil ich die Frechheit besaß, ihr im Wege zu stehen.

Die heutigen Alten glauben nicht nur an ihre angeborene Vorfahrt an der Wursttheke – nein, sie erwarten bevorzugte Behandlung auch morgens um halb sieben beim Bäcker (wieso schlafen die da nicht mehr??!), um fünf im Supermarkt an der Kasse (wieso gehen die nicht vor Feierabend einkaufen??!), sind davon überzeugt, daß man ihnen ihre Dreistigkeit beim Vordrängeln als liebenswerte Alterschusseligkeit durchgehen läßt, und werden auch noch frech, wenn man sich zu wehren wagt!

Ich weiß nicht, wieso immer mehr alte Menschen so bösartig werden. Ist das ihre Art, sich an der Welt zu rächen, weil es sie im Kreuz zwackt und die Zähne nicht richtig sitzen? Stehen sie wirklich auf dem Standpunkt, die Welt schulde ihnen was? Und wenn es nur die Pole-Position an der Käsetheke ist?

Der Nächste bitte!

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Neulich saß ich hier im Büro mit einem Kollegen zusammen und plauderte über dies und das – er stand an unserem „Tresen“, einem brusthohen Schrank, der deswegen so genannt wird, weil er quer im Zimmer steht und man versucht ist, dort ein Bier zu bestellen; ich saß an meinem Schreibtisch. Da dachte ich plötzlich „Ups, ich glaube, ich rieche aus dem Hals“. Vorsichtshalber rückte ich noch einen halben Schritt zurück und sprach nur mit halboffenem Mund, um den Kollegen nicht zu vertreiben.

Aber wie wir da so am Reden waren, verstärkte sich unten im Hof der Lärm eines LKWs, der kurz zuvor unter meinem Fenster geparkt hatte und nun mit laufendem Motor da stand. Ich mußte also, damit mich der Kollege nach wie vor hören konnte, meine Stimme erheben, und an Sprechen mit nur halboffenem Mund war nicht weiter zu denken.

Der miese Geruch wurde schlimmer, und ich begann, mich richtig zu schämen. Bald saß ich nur noch da und nickte, gab irgendwelche bestätigenden Grunzlaute von mir und wäre am liebsten weggelaufen.

Bis mein Kollege plötzlich seufzte und meinte „Ach, ist wieder der LKW da, der den Ausstoß vom Fettabscheider in der Küche abpumpt? Das stinkt ja immer bes-ti-al-isch!“

Da fiel mit einem Mal die ganze Anspannung von mir ab! Natürlich! Es roch wie Godzillas Mundgeruch, und ich machte mir Sorgen um meine Zahngesundheit! Wie konnte ich nur so dumm sein! Wenn ich je anfangen sollte, so aus dem Hals zu stinken, wie dieser Fettabscheider-LKW dies an dem Tag tat, dann befindet sich mein Magen vermutlich schon im fortgeschrittenen Verwesungszustand, und ich bin aller Sorgen ledig – weil tot.

Man mag gar nicht drüber nachdenken, wieso der Fettabscheider unserer Kantinenküche solche Gerüche verströmt…

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30
Dec
Strickliesel

In meiner angeheirateten Verwandtschaft gibt es eine Dame, die hauptsächlich auf der Welt zu sein scheint, um zu stricken. Schaut man sich all die fertigen Strickstücke an, die sie auf ihrem Blog postet, fragt man sich unwillkürlich, wann die Gute schläft, ißt, liest (das tut sie auch sehr gern und viel) und schreibt. Auch möchte ich mir nicht vorstellen, wie dick die Hornhaut an meinen Händen wäre, wenn ich auch nur annähernd so viel stricken würde wie sie! (Nicht, daß ich das so gut könnte wie sie, aber nur mal angenommen…)

Ich brachte es diese Weihnachten nur zu einem Schal für meine Mutter. Schal stricken gehört ja zu den denkbar einfachsten Strickstücken überhaupt. Man strickt einfach eineinhalb Meter geradeaus. Man nimmt nicht ab, nicht zu, muß sich weder mit Knopflöchern noch mit Armkugeln rumschlagen – ganz einfach also. „Trotzdem“ war die Freude meiner Mutter offenbar groß. So groß gar, daß sie ganz tapfer am nächsten Tag diesen Schal auch trug, obwohl die Temperaturen im zweistelligen Plusbereich lagen, so hoch also, daß ich Schnappatem bekäme, wenn ich da etwas um den Hals tragen müßte.

Diesen Schal zu stricken hat großen Spaß gemacht! Und ich würde jetzt am liebsten einen Schal nach dem anderen stricken, weil man dabei so schön vor sich hin träumen kann, und weil es hübsch aussieht (nicht das Stricken an sich, sondern das Ergebnis).

Aber wohin dann mit all den Schals? Schlagartig sehe ich mich auf den Weihnachtsmärkten dieser Welt stehen zwischen all den anderen Frauen mit ihren Socken in allen Größen und (scheußlichen) Farben, Schals mit Lochmustern in Hornhautumbra, Eierwärmern mit orangefarbenen Blütchen am Saum und Handyhüllen in kraus rechts. Und genau wie die anderen sehe ich mich meine Schals abends alle wieder in die Kisten packen, Jahr ein, Jahr aus, bis sie dermaßen aus der Mode gekommen sind, daß sie fast schon wieder hip werden, und die zwischenzeitlich entstandenen Mottenlöcher als besonderes Gestaltungselement angepriesen werden können.

Ich glaube, ich zähle einfach mal durch, wieviele Mitglieder meine Familie hat, und dann kriegen die alle, einer nach der anderen, je einen Schal von mir! Ohne vorher zu fragen, ob sie überhaupt an den Hals frieren. Denn wie sagt man so schön: Wer lång fråågt, geht lång irr!

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Gestalte mit „Interpunctio“ lustige Statements, unterhaltsame Aussageschwerpunkte und inhaltsschwere Denkanstöße ganz einfach im Handumdrehen durch das richtige (oder doch nicht?) Plazieren von Pünktchen, Strichen und Beistrichen!

Im Lieferumfang sind folgende Werkzeuge enthalten:

  • Das Ach-übrigens-Komma: verwende diesen Beistrich, wenn du einen Satz mit einer vorangestellten Information beginnen möchtest, auf die man gut und gern auch verzichten könnte.
    Großartige Beispielsätze lauten wie folgt:
    - Nach dem Zähneputzen, ging Karl auf direktem Weg in die Kanzlei.

    - Bei Sonnenschein, saßen Hedwig und Gustav gern auf der Parkbank neben dem Trafo-Häuschen.
    Das Ach-übrigens-Komma ist trotz seiner Regelwidrigkeit sehr beliebt und daher in großer Anzahl im Starter-Set von „Interpunctio“ enthalten.
  • Das Achtung-jetz-küttet-Komma: dieses Strichlein dient der Verdeutlichung, daß jetzt der wichtige Teil des Satzes beginnt. Meist kündigt es eine Aufforderung oder einen Befehl an, oft in aufzählender Form.
    Beispiele gefällig? Hier sind sie:
    - Das Spielen auf, dem Rasen, den Blumenbeeten und den Parkbänken ist strengstens verboten!
    - Alkoholische Getränke wie, Bier, Wein und Schnaps sind an Minderjährige nur in geringen Mengen auszuschenken!
    Das Achtung-jetz-küttet-Komma ist eher selten, aber wirkungsvoll. Taucht es auf, geht jeder in Hab-Acht-Stellung!
  • Die Wer-braucht-Kommas?-Leerstelle: sehr gern genutzt (vor allem seit der Rechtschreibreform) erhöht es die Aufmerksamkeit des Lesers, da dieser einen Satz mehr als ein Mal lesen muß, um seine grammatische Konstruktion und eigentliche Aussage erfassen zu können. Die Wer-braucht-Kommas?-Leerstelle rahmt vor allem Relativsätze ein, die in den Augen des Nutzers offenbar völlig überbewertet scheinen. Sie finden davon 40 Stück im „Interpunctio“-Starter-Set.
    Hier genügt ein einziges Beispiel:
    - Der Mann der den gelben Filzmantel am Vorabend während er sich unbeobachtet wähnte gestohlen hatte ging die dunkle Straße
      die auf die Kaiserstraße traf unauffällig entlang.
  • Das Da-war-grad-was-Komma ist ebenfalls reichhaltig im Starter-Set vorhanden. Es schließt Relativsätze ab, die zuvor von der Wer-braucht-Kommas-Leerstelle eröffnet wurden. Die beiden Zeichen sind im Team unschlagbar und noch effektvoller als allein genutzt.
    Auch hier genügt ein Beispiel:
    - Oskar der sehr gern abends noch ein Glas Wein trank, ging wie immer um 23 Uhr zu Bett.
  • Unverzichtbar ist in allen Lebenslagen das Vor-'als'-kommt-ein-Komma-Komma, das den Anwender als einen ausweist, der sich von Regeln, bei denen es aufs Detail ankommt, nicht einschüchtern läßt. Er interessiert sich nicht dafür, ob nach seinem Vor-'als'-kommt-ein-Komma-Komma noch ein vollständiger Satz folgt oder nicht.
    Beispiele:
    - Markus war größer, als Michael.
    - Im Grunde benutzte Ulla den Kelch am liebsten, als Vase.
  • Im Erweiterungs-Set für geübte Fortgeschrittene werden Kolon, Semikolon, Geviertstrich und Gedankenstrich eingeführt. Anfängern raten wir vom Gebrauch dieser Zeichen zu Beginn ab, da dies den Spielverlauf unnötig verkomplizieren und damit den Spielspaß trüben würde. Merken Sie sich die Bestellnummer für die Fortgeschrittenenerweiterung aber heute schon vor: IPF-08154711.


     
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Am Wochenende haben wir unseren diesjährigen Christbaum gekauft.

Der Kauf ging so schnell vonstatten, daß wir es selbst kaum fassen konnten: den ersten Baum, den wir überhaupt in die Hand genommen hatten, nahmen wir auch gleich mit. Die Sache war in weniger als drei Minuten erledigt. Ein Griff, und die perfekte Tanne für unsere Bedürfnisse war gefunden!

Wir stellten das gute Stück gestern auch gleich in der Stube auf.

Als erstes brachten wir dann, wie jedes Jahr, die Kerzen an. Wir haben da so kabellose mit Batterien bei „Feinkost Albrecht“ gekauft, die man mit einer Fernbedienung an- und abschaltet. Dann noch unseren schönen Holzschmuck drangehängt, und der erste gemütliche Abend mit Baumbeleuchtung konnte kommen.

Und als wir so beim Fernsehen saßen und vom ersten ins dritte Programm umschalteten, wechselten unsere Christbaumkerzen vom Flacker-  in den Einfach-nur-leuchten-Modus. Erst hielten wir das für einen Zufall, aber beim nächsten Programmwechsel gingen die Kerzen einfach aus. Dann wieder an. Wir probierten das ein paar Mal aus, zappten durchs halbe Programmangebot, und jedes Mal reagierten auch unsere Christbaumkerzen auf die Fernbedienung unseres Fernsehers. Wir lachten sehr und zeigten uns erleichtert, denn die mitgelieferte Fernbedienung des Kerzensets macht keinen sonderlich soliden Eindruck und überlebt möglicherweise die Weihnachtssaison nicht. Doch wir waren schnell überzeugt, daß wir dank unserer Fernsehfernbedienung garantiert bis zum 6. Januar den schönsten Kerzenschein werden genießen können.

Aber auch die kann getrost den Geist aufgeben, denn heute morgen stellte sich heraus, daß es einer Fernbedienung gar nicht bedarf, um den Baum zum Leuchten zu bringen. Die Kerzen gehen immer wieder an, grad wie es ihnen beliebt. Selbst wenn man die immer wieder ausmacht, lassen sie sich nicht beirren und tauchen stur alle paar Minuten das Zimmer wieder in helles Licht.

So ist jetzt fraglich, ob wir wirklich bis 6. Januar Kerzenschein am Baum haben werden, denn daß die Batterien angesichts der Umstände bis dahin durchhalten, halte ich für sehr unwahrscheinlich.

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Hand aufs Herz: wer gibt von sich gerne zu, mittelmäßig zu sein? Und nochmal Hand aufs Herz: sind nicht die meisten von uns tatsächlich genau das: mittelmäßig?

Sollte ich je gefragt werden, wie ich mich selbst beschreiben würde, dann würde ich wohl, wenn ich ehrlich sein wollte, damit anfangen, mich als ziemlich glücklich zu bezeichnen. Außerdem, wenn mich jemand danach fragen würde, würde ich erklären, daß es nicht das Berufliche ist, das mich glücklich macht. Es ist mein Privatleben. Damit habe ich echt einen guten Wurf gemacht! Mein Beruf, der ist tatsächlich „nur“ dazu da, mich zu ernähren. Natürlich möchte ich meinen Job ordentlich machen, auch ab und an gelobt werden können und stolz auf das sein, was ich kann und weiß.  Ehrgeiz, wie er nötig ist, um Karriere zu machen, um in dem, was ich mache, die beste zu sein, nur für dieses Gefühl, eben die beste zu sein, geht mir allerdings völlig ab. Dafür fehlt mir einfach die Leidenschaft für das, was ich beruflich mache. Ich brenne dafür nicht. Und ich finde das total in Ordnung, für den Beruf nicht zu brennen, sondern ihn „nur“ als Ernährer zu betrachten. Es muß ja schließlich auch Indianer geben und nicht nur lauter Häuptlinge.

So habe ich Kopf und Herz frei für das, was mich – Überraschung! – glücklich macht! Aber auch in dem, was ich in meiner Freizeit tue und genieße, bin ich – ehrlich gesagt – nur mittelmäßig.

Immer wenn ich denke, dies oder das kann ich aber richtig gut, taucht bestimmt einer auf, der es deutlich besser kann. Singen? Kann ich gut. Aber es ist immer eine andere da, die das Solo kriegt. Immer ist einer da, der vom Singen sogar leben kann. Zeichnen? Bin ich nicht schlecht drin. Aber da ist immer jemand, der meine Probleme mit den Perspektiven nicht hat, die Arme nie zu lang zeichnet und den Kopf zu klein. Schreiben? Tja, hab ich gelernt. Aber ganze Geschichten oder gar Romane? Das müssen andere übernehmen.

Und macht mich das unglücklich? Nicht wirklich, denn hie und da kann ich etwas eben doch besser als mein Nachbar, meine Kollegin, Freundin und wer weiß noch alles. Anderes wiederum bestaune ich bei anderen, bewundere die dafür und freue mich für sie.
Zumindest in der Regel.
Meistens.
Oft.
Manchmal.
Naja, ab und zu ;-).

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Jetzt ist es so weit: ich bin im "In-Ihrem-Alter...!"-Alter!

Gerade komme ich nämlich vom Zahnarzt. Die jährliche Kontrolluntersuchung stand an, und seit einigen Wochen verspürte ich manchmal so ein Ziehen oben rechts, das mich beunruhigte.

Der Arzt hingegen konnte Entwarnung geben, kaputt sei nichts - das war die gute Nachricht. Die schlechte: meine Zahnhälse lägen frei, so sagte er, aber in einem "altersgemäß völlig normalen Maß". Na super! War die Freude über die gut erhaltenen Zähne schon wieder dahin und machte einem altersgemäßen Seufzen Platz!

Es ist mir einfach unerklärlich, wieso ich seit ca. einem Jahr ständig Dinge gefragt werde wie "Haben Sie manchmal Gelenkschmerzen?", "Schlafen Sie gut?", "Bluten Sie noch?", wo ich doch, wenn ich morgens in den Spiegel schaue, immer denke "Mensch, hab' ich mich gut gehalten!" Und das denke ich, seit ich im letzten Jahr 15 Kilo abgenommen und seither nicht ein Kilo wieder zugenommen habe, noch viel lieberer! Obwohl ich jetzt auch nicht schlank, sondern nur ein bißchen weniger dick bin.

Neulich hatte ich ja leichtsinnigerweise mal so einen Test "Was ist Ihr wahres biologisches Alter?" gemacht. Das war ein Fehler. Stand da nicht so eine Frage der Art "Gehen Sie nun vier Mal die Treppe auf und ab - notieren Sie anschließend die Anzahl Sekunden, die Ihr Herzschlag benötigt, um sich wieder zu normalisieren!" Anzahl SEKUNDEN?? Momang: vier Minuten mal 60 Sekunden.....? Ich erkannte sofort: den Test kann ich an dieser Stelle abbrechen. Das Antwortkästchen hatte nur 2 Stellen.

Dafür machte ich zum Ausgleich ein paar Tage später einen Test, der mir sagen sollte, wie alt ich im Kopf, also seelisch, von der Lebenseinstellung her bin. Und siehe da: DIESER Test, der war was für mich. Der sagte mir nämlich, ich müsse so Mitte 30 sein! Und das, obwohl ich bei der Frage, welche Fernsehsendung ich vorzöge, ehrlich gewesen war und dem "Traumschiff" meine Stimme gegeben hatte und nicht "Germany's next Topmodel"! Ha!

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Vor einiger Zeit saß ich gemütlich vor dem Fernseher und schaute die Nachrichten, als mir plötzlich alles zu viel wurde. Entnervt entfuhr es mir: „Ich möchte mal wieder nur EINEN Tag erleben, an dem das Wort „Flüchtling“ nicht in den Nachrichten kommt!“ Nicht, daß ich die Menschen nicht verstünde, die vor Krieg, Gewalt und Elend fliehen! Nein, ich wollte nur einfach mal eine kurze Pause in meinem Kopf, einen Tag lang nicht (mehr) darüber nachdenken, was die Ankunft so vieler Menschen in einem für sie fremden Land für uns alle bedeutet. Bedeuten kann. Oder gar nicht bedeuten muß.

Und was passiert? In Paris ermorden Terroristen massenweise und wahllos Leute, die ihnen nie was getan haben und einfach nur zufällig gerade in der Schußlinie waren.

Da hatte ich es: mein Wunsch war erfüllt, von Flüchtlingen sprach an dem Tag niemand mehr.

Und ich saß da, und mir war elend. Natürlich ist das alles nicht passiert, weil mir jemand das geben wollte, was ich „erbeten“ hatte. Aber doch hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, weil mir, als ich händeringend nach anderen Themen im Fernsehen gerufen hatte, nicht bewußt gewesen war, daß, wenn man solche Wünsche äußert, oftmals nichts Besseres als „Ersatz“ kommt. Nein, in diesem Fall war es ein so entsetzlicher Ersatz, daß mir die Worte buchstäblich im Halse stecken blieben.

In weit weniger dramatischer Weise habe ich schon so häufig die Erfahrung gemacht, daß unerfüllte Wünsche oftmals die bessere Alternative waren, oder daß enttäuschte Hoffnungen zumindest irgendwann doch noch zu etwas Gutem geführt haben.

Den erhofften Job nicht bekommen? Wahrscheinlich hätte ich mich in der Firma eh nicht wohlgefühlt. Das Solo durfte ein anderer singen? Sicherlich wäre ich am Konzerttag ohnehin erkältet gewesen. Die große Liebe hat sich für jemand anderen entschieden? Gut so, denn wir hätten sowieso nicht zusammengepaßt, und so war Platz für jemand anderen.

Und wie oft ist es so, daß man sich über etwas oder auf etwas unglaublich freut oder es herbeisehnt, und daß man, wenn es dann tatsächlich so weit ist bzw. eintritt, vollkommen enttäuscht wird?!

Gottseidank passiert dann nicht jedes Mal etwas so Grauenhaftes wie der Terror in Paris, aber es ist schon was Wahres an dem klugen Satz: „Man sollte sehr vorsichtig sein bei dem, was man sich wünscht – es könnte in Erfüllung gehen!“

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Der Arzt meines Vertrauens hat jetzt festgestellt, daß ich – wie viele andere auch – stark übersäuert bin. Außerdem stimmt dies und das nicht, hier und dort fehlen Stoffe in meinem Körper, und andere sind wiederum zu viel. Dem soll jetzt abgeholfen werden, d. h. ein gesundes Gleichgewicht aller nützlichen Substanzen soll (wieder) hergestellt werden.

Zu diesem Zweck hat mir der Doktor mehrere Mittel verordnet. Und so stehe ich nun all-morgendlich in der Küche, zähle Tropfen auf einen Löffel und schlucke 8 Pillen gleichzeitig. Das ist überhaupt kein Problem, da mache ich den Schlund auf und kippe ordentlich Wasser nach, und schon rutschen die Dinger geschmeidig die Speiseröhre hinunter.

Was mich allerdings stark Überwindung kostet, ist das Mittel, das ich zur Entsäuerung einnehmen muß. Drei Mal je 2 Kautabletten sind da zu meistern. Aber: kauen kann man die Dinger nicht! Denn sobald man sie mit den Zähnen zermalmt hat, saugt die Substanz, aus der sie gemacht sind, sämtlichen Speichel auf, so daß man den Mund überhaupt nicht mehr aufkriegt. Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemals mit einer derartig staubigen Sache zu tun gehabt! Mit den Tabletten könnte man locker einen feuchten Keller trockenlegen: einfach eine Packung öffnen und in die Ecke stellen, und schon ist – schwups – das Nässeproblem erledigt. Aber nein, es wird einem suggeriert, man könne die mühelos zu sich nehmen. Selbst unter „Nebenwirkungen“ ist die Klebewirkung der Masse nicht aufgeführt. Ich sag Ihnen: Fensterkitt und Bauschaum sind ein Dreck dagegen. Man sollte tunlichst darauf achten, vor der Einnahme für eine freie Nase zu sorgen, da man nach der Einnahme für mehrere Minuten nicht mehr durch den Mund atmen kann! Teufelszeug!

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