Frau Schletterer singt nicht mehr

05
Ma
Heimat
05.05.2017 14:31

Ich habe heute morgen in einem Blog einen Beitrag gelesen, der sich mit dem Begriff „Heimat“ beschäftigt. Und damit, was die Autorin mit diesem Begriff assoziiert.
Das Thema war der Bloggerin von einer anderen Bloggerin vorgegeben worden. Ganz allgemein hatte diese andere Bloggerin alle möglichen Autoren dazu aufgefordert, genau zu diesem Thema ihre höchst eigenen Empfindungen mit anderen zu teilen.
Ich tu das jetzt nicht innerhalb jenes Aufrufs, sondern einzig und allein hier; aber ich bin gespannt, was mir beim Schreiben alles dazu in den Sinn kommt.

Die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, habe ich schon 1989 verlassen, als ich in eine andere Stadt umzog, die ca. 15 km entfernt lag. In meiner Heimatstadt hielt ich mich aber dennoch regelmäßig weiter auf, da dort meine Familie und meine Freunde wohnten.
1992 dann ließ ich die Region und auch meinen Freundeskreis komplett zurück und fing 200 km weiter weg ein neues Leben an. Ein neues Leben insofern, als ich an meinem neuen Wohnort und auch in der Stadt, in der ich arbeitete, niemanden kannte und mich von Grund auf neu einleben und Wurzeln schlagen mußte.
Das mit dem Wurzeln schlagen gelang nicht wirklich. Ich fühlte mich sehr wohl und wohnte gern dort. Aber da ich ein Mensch bin, der an allzu häufigen Unternehmungen mit Bekannten nur wenig Interesse hat und lieber das Häusliche sucht, bildete sich dort für mich nicht wirklich ein neuer Freundeskreis – ja, ich hatte, wenn ich ehrlich bin, nicht eine(n) einzige(n) echte(n) Freund(in) dort. Daran war ich selber „schuld“, keine Frage. Aber dadurch, daß ich nicht viel rauskam, kannte ich mich weder in meinem Wohnort noch in der benachbarten Stadt gut aus. Ich wußte noch nicht einmal, wie die Straße hieß, die 100 m weiter unten meine Wohnstraße kreuzte.
„Heimat“ war das also für mich alles nicht. Ich hatte dort ein behagliches Dach überm Kopf, mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Für die Liebe bin ich nach 10 Jahren umgezogen, in den Ort, in dem meine Partnerin aufgewachsen ist, dort nach wie vor lebt und ein Haus besitzt. Sie ist in ihrem Heimatort tief verwurzelt, ist vielen Leuten bekannt und in einem der örtlichen Vereine sehr aktiv.
So kam es natürlich, daß auch ich intensiven Kontakt zu den Leuten im Dorf bekam. Darunter waren u. a. „Zwangskontakte“ wegen des Vereins, aber wir fanden durchaus auch gemeinsam alte und neue Freunde.
Wir leben nun schon 14 Jahre dort in diesem Dorf in diesem Haus, und ich bin da wirklich richtig zu Hause! Ich kenne alle Straßen im Ort, ich fahre souverän durch die Nachbarstadt, obwohl die für Fremde ein Alptraum ist (parallel zueinander verlaufende Straßen gibt es dort nicht; Sie können sicher sein, daß „rechts, rechts und dann wieder rechts“ Sie niemals wieder auf die Straße zurückführt, von der Sie gekommen sind), und es gibt sogar eine gar nicht so kleine Anzahl Menschen, die mich mit Namen kennen.
Meine Heimat ist aber auch das nicht.
Heimat ist das, von dem ich träume, wenn ich aufregende Zeiten erlebe. Wenn ich vielleicht mal wieder nicht recht weiß, ob alles gut so ist, wie ich es tue. Dann träume ich von der Wohnung, in der ich als Kind gewohnt habe; von der Schule, zu der ich einst ging; von den Leuten, die ich vor 35 Jahren kannte und längst aus den Augen verloren habe.
Heimat ist für mich nicht nur ein Ort, nämlich die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Heimat ist auch die Zeit, in der ich Kind war. Es sind die Menschen von damals und alles, was mich an Erlebnissen geprägt hat.
Alles andere war oder ist für mich ein Zuhause – und mein jetziges möchte ich nicht mehr missen.

 

Dämlich! Nicht wahr?!
Worüber schreiben?

Kommentare


powered by Beepworld