Frau Schletterer singt nicht mehr

20
Ju
Leinen los!
20.06.2017 10:38

Für dieses Jahr haben wir zum ersten Mal seit 2008 keinen einzigen Urlaubsaufenthalt in England vorgesehen. Zum Teil liegt das daran, daß ein Hund bei uns eingezogen ist, der Begegnungen mit anderen Hunden immer dann überhaupt nicht mag, wenn er selbst an der Leine bleiben muß. Und das müßte er, wenn wir dort Urlaub machen würden, denn daß er uns im Ausland abhanden kommt, ist eine schreckliche Vorstellung für uns und würden wir nicht riskieren. Und wer schon mal in England war, der weiß, daß Menschen, deren Hände nicht mit mindestens einer Hundeleine „besetzt“ sind, dort auffallen. Fast könnte man meinen, auf jeden Engländer käme auch mindestens ein Hund. Und das wiederum macht einen Gassi-Gang ohne Hundebegegnung schlichtweg unmöglich.
(Deswegen fahren wir diesen Sommer in die Normandie. Das aber nur am Rande.)
Gerade im Moment erlebe ich allerdings – und jetzt komme ich endlich zum Eigentlichen – meinen Englandurlaub-Ersatzmoment. Mein Bürofenster steht offen, und irgendwo da draußen rumort etwas dumpf und dunkel vor sich hin. Wir können nicht sehen, was da dieses Geräusch produziert. Aber es klingt wie der Motor einer Fähre, und ich erwarte jeden Moment, daß sich mein Büro in Bewegung setzt, wendet und den Hafen verläßt. Ich fühle schon den Wind in meinen Haaren und bin darauf vorbereitet, in einer halben Stunde die Klippen von Dover am Horizont zu entdecken, wenn ich aus dem Fenster sehe.
Allerdings fürchte ich, daß mein Büro bleiben wird, wo es ist, und daß ich auch in einer halben Stunde noch in dieselben Platanen glotzen werde wie jetzt. Erst heute abend beim Grillen im Garten werde ich wohl ein wenig echtes Urlaubsgefühl empfinden können.
 

Schwierige Beziehung
Ihr Star ganz nah!

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